Auf freiem Fuß: Ex-Chef des Sicherheitsdienstes SD 24 vorübergehend aus dem Gefängnis entlassen

+

Vor kurzem erst verurteilt, jetzt aber schon wieder frei: Die Rede ist von Tim L. (36), dem ehemaligen Chef des Vellmarer Sicherheitsdienstes SD 24.

Kassel. Da das Urteil gegen Tim L. noch nicht rechtskräftig sei, habe er sich noch immer in Untersuchungshaft befunden, die vor eineinhalb Jahren begonnen habe. Die Strafkammer musste also abwägen, ob die U-Haft noch verhältnismäßig sei und setzte den Untersuchungshaftbefehl gegen Auflagen außer Vollzug.

So musste er eine Sicherheitsleistung in Höhe von 150.000 Euro zahlen und seine Ausweispapiere abgeben. Außerdem muss sich der Ex-Chef des Sicherheitsdienstes zwei Mal in der Woche bei der Polizei melden. Tim L. wurde im Juni zu einer Haftstrafe von vier Jahren und zehn Monaten wegen Steuerhinterziehung verurteilt.

Hintergrund

Der Ex-Chef des Vellmarer Sicherheitsdiensts saß seit Dezember 2016 in Untersuchungshaft. „Mit Beginn der Flüchtlingskrise und dem damit verbundenen Umsatzsprung durch die Betreuung mehrerer Flüchtlingseinrichtungen lief dann die Sache etwas aus dem Ruder“. Die Verwaltung ist durch den gestiegenen Arbeitsaufwand etwas vernachlässigt worden“, hatte Tim L. an einem Prozesstag gesagt.

Nachdem sein Unternehmen, der Sicherheitsdienst 24, zuvor nur auf Sport- und Kulturveranstaltungen für Sicherheit sorgte, kam er durch die Bewachung der Flüchtlingslager zu viel Geld. So erhielt seine Firma allein für die Sicherung des Flüchtlingslagers in Hessisch Lichtenau vom Land 465.000 Euro - im Monat. Später sank dann die Summe auf 240.000 Euro, weil statt der möglichen 1250 Flüchtlinge, die im Lager untergebracht hätten werden können, nur 380 untergebracht waren.

Die Verwaltung und Buchhaltung war mit dieser Situation überfordert, Scheinrechnungen wurden ausgestellt, Mitarbeiter wurden schwarz beschäftigt und bezahlt. In den sozialen Netzwerken prahlte Tim L. damals mit seinem Lebensstil, wohnte die meiste Zeit auf Mallorca und fuhr Lamborghini, Corvette, und Maserati.

Im Juni wurde Tim L. dann zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, weil er rund 3,5 Millionen Euro an Sozialabgaben und Steuern hinterzogen hat.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Ausnahmezustand in Kassel: Demo legt Stadt lahm - friedliches Zeichen gegen Rechts

Die Partei "Die Rechte" hatte zur Demonstration aufgerufen. Gegen rund 100 Neonazis stellten sich 10.000 Gegendemonstranten. Busse und Bahnen fuhren nicht, viele …
Ausnahmezustand in Kassel: Demo legt Stadt lahm - friedliches Zeichen gegen Rechts

Das nervt nicht nur die Einsatzkräfte: Ständig Fehlalarm - Wirbel um Baustelle von Beiseförther Chemiefirma

Das Unternehmen wartet derweil auf eine Genehmigung vom Regierungspräsidium, das Firmengrundstück zum „Sondergebiet Hygiene“ umwandeln zu können. Und steht damit in der …
Das nervt nicht nur die Einsatzkräfte: Ständig Fehlalarm - Wirbel um Baustelle von Beiseförther Chemiefirma

Demo-Veranstaltungen in Kassel: Bundespolizei und Polizeipräsidium Nordhessen ziehen Einsatzbilanz

Rund 10.000 Teilnehmer nahmen an den Versammlungen in der Stadt teil.
Demo-Veranstaltungen in Kassel: Bundespolizei und Polizeipräsidium Nordhessen ziehen Einsatzbilanz

Bildergalerie: Tausende stellten sich den Rechten in Kassel entgegen

Mit ordentlicher Verspätung marschierten Anhänger der Partei "Die Rechte" durch Kassels Unterneustadt.
Bildergalerie: Tausende stellten sich den Rechten in Kassel entgegen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.