„Freispruch wäre eine Sensation“: So geht es den angeklagten Frauenärztinnen vor dem Gerichtstermin

Geben sich kämpferisch und blicken dem Prozess am 29. August entgegen: Natascha Nicklaus und Nora Szasz.
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Geben sich kämpferisch und blicken dem Prozess am 29. August entgegen: Natascha Nicklaus und Nora Szasz.

Ende August schauen nicht nur Frauenrechtler nach Kassel, sondern auch behandelnde Ärzte deutschlandweit. Denn dann stehen die Kasselerinnen Nora Szasz und Natascha Nicklaus vor Gericht.

Kassel. Beide Frauenärztinnen führen eine Praxis im Vorderen Westen und sind angeklagt, nach Paragraf 219a auf ihrer Webseite für Schwangerschaftsabbrüche geworben zu haben (wir berichteten hier, hier und hier). „Wir geben uns kämpferisch und unerschütterlich, erfahren eine breite Unterstützung aus der Bevölkerung und hoffen, dass sich der Richter mit den Ansätze unserer Argumentation identifizieren kann. Denn das aus der Zeit gefallene Gesetz kann auch anders interpretiert werden“, erklärt Nora Szasz vor dem Gerichtstermin, der am Mittwoch, 29. August um 9 Uhr im Kasseler Amtsgericht stattfindet (siehe Info unten).

Kriminalisiert wegen Informationen für Frauen

„Ein Freispruch wäre eine Sensation und würde ein deutliches Zeichen setzen. Die Anzeigen unterstellen uns, fachlich falsch oder illegal zu handeln. Das verletzt nicht nur das Ehrgefühl als Ärztin, sondern belastet auch die gesamte Familie. Wir sind auch als Privatmenschen angeklagt, ein Jahr waren die Anzeigen Thema im gesamten Umfeld und auch die Ärztekammer schrieb uns, dass sie sich vorbehält, nach der Verurteilung disziplinarische Maßnahmen zu ergreifen. Das schüchtert natürlich schon ein. Daher kämpfen wir, dass Ärzte nicht mehr angegriffen oder kriminalisiert werden, weil sie über Schwangerschaftsabbrüche informieren“, so Szasz.

Unterstützung erhielten und erhalten die Kasselerinnen nicht nur von ihren Familien, sondern auch von anderen Ärzten, Frauenbündnissen, Studenten von Feminism Unlimited, der Politik und von ihren Patienten. „Vergangene Woche schenkte mir eine Patientin selbstgestrickte Socken – damit ich vor dem Prozess keine kalten Füße bekomme. Die Geste und allgemein die Anteilnahme, die wir täglich erleben, fand ich rührend und gibt uns Kraft“, freut sich Szasz.

Ob eine bloße Information über Schwangerschaftsabbrüche auf der Webseite der Ärztinnen rechtlich schon als Werbung anzusehen ist, wird sich am 29. August, zeigen.

EXTRA INFO: Nachttanzdemo und Kundgebungen

Vor der Gerichtsverhandlung am Mittwoch (29.8.) wird es am Samstag, 25. August, organisiert von Feminism Unlimited Kassel, eine Nachttanzdemo für körperliche Selbstbestimmung vom Vorderen Westen bis in die Nordstadt geben. Um 19 Uhr geht es von der Praxis von Nora Szasz und Natascha Nicklaus in der Goethestraße 47 bis in die Arnold-Bode-Straße, wo im Anschluss im K19 eine Party nach der Demo stattfindet. Nora Szasz selbst wird gemeinsam mit einer Hebamme über die selbstbestimmte Schwangerschaft sprechen. Am Tag der Verhandlung selbst wird es ab 8.15 Uhr vor dem Amtsgericht Kundgebungen und Aktionen geben, sprechen werden u.a. die in Gießen verurteilte Ärztin Kristina Hänel, Silvia Groth (Sprecherin des Arbeitskreis Frauengesundheit) Cornelia Möhring (Die Linke), Ulle Schwaus (Die Grünen) und Anne Janz (Dezernentin Jugend, Frauen, Gesundheit und Bildung der Stadt Kassel).

 

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