Fremdstoffe im Bioabfall: Stadtreiniger können Tonnen einziehen 

+
Aus dieser Fuhre Biomüll wird kein wertvoller Kompost: Die Abfälle können aufgrund der starken Verunreinigung durch Plastik, Glas und Metall nur noch verbrannt werden.

Nicht kompostierbar! So lautet immer häufiger das Urteil über die Qualität des eingesammelten Bio-Abfalls in Kassel. Zu viel landet in den Tonnen, was da nicht reingehört. Jetzt müssen Haushalte damit rechnen, dass derartige Tonnen nicht geleert werden. Es droht gar der Tausch der kostenfreien Bio-Tonne gegen einen teuren Restmüllbehälter.

Kassel. Selbst die hungrigen Krähen, die sich normalerweise gierig auf jede Fuhre neuen Bioabfalls stürzen, picken nur zaghaft im matschigen Haufen und lassen dann davon ab. „Das muss komplett in die Müllverbrennung“, sagt Dirk Lange, Betriebsleiter der Stadtreiniger Kassel über den Unrat, den das Müllauto gerade ausgekippt hat. Gläser und Flaschen, jede Menge Plastik, Babywindeln, Bettwäsche und Handtücher kommen zum Vorschein, als der Inhalt von 400 Biotonnen aus dem Stadtgebiet auf den Betonboden des Hofs klatscht.

30.000 Biotonnen stehen im Kasseler Stadtgebiet, darüber werden pro Jahr rund 11.000 Tonnen Bioabfall entsorgt. Doch leider ist immer häufiger nicht das drin, was drin sein sollte. Nämlich Gemüse- und Obstschalen, Fleisch-, Wurst- und Fisch- und Käsereste, Teebeutel und Kaffeefilter, Eierschalen, altes Brot, Küchenkrepp und Servietten, Reste von Joghurt und Quark und verdorbene Lebensmittel aus dem Kühlschrank – selbstverständlich ohne Verpackungen. Denn für Landwirte und Gartenbetriebe ist ein mit Plastik und sonstigen Störstoffen verunreinigter Kompost nicht zu gebrauchen. Und die sind die Abnehmer vom eigentlich so hochwertigen Kompost, der als Dünger auf Äckern und in Gärten landet.

Dirk Lange, Betriebsleiter der Stadtreiniger Kassel.

„Die Betreiber der Verwertungsanlagen können Bioabfälle, die zu viele Störstoffe enthalten, nicht mehr annehmen, da sich die Grenzwerte verschärft haben. Aus stark verunreinigtem Bioabfall lässt sich kein hochwertiger Kompost erzeugen, was in Folge mit einem Verlust des Gütesiegels für Kompost einhergeht“, erklärt Betriebsleiter Dirk Lange. Weil seit Juni 2018 die Grenzwerte für Störstoffe im Bioabfall wesentlich verschärft worden sind, haben die Stadtreiniger den Sommer über eine intensive Aufklärungskampagne gefahren. Zudem überprüften Mitarbeiter der Stadtreiniger stichprobenartig die Biotonnen vor der Leerung. Soweit Störstoffe in der Biotonne sichtbar waren, haben die Nutzer als direkte Rückmeldung eine gelbe Karte mit Informationen zur richtigen Befüllung der Biotonne erhalten.

„Doch jetzt müssen wir ernst machen“, sagt Dirk Lange. Seit Anfang der Woche bleiben Biotonnen, die weiterhin mit Restabfall und Plastiktüten befüllt sind, stehen und erhalten einen roten Aufkleber. Entfernen die Nutzer die Störstoffe aus der Biotonne, kann die Tonne bei der nächsten Leerung wieder geleert werden. Andernfalls ist eine kostenpflichtige Leerung der Tonne bei der nächsten Restabfalltour möglich. Die Kosten: 6,70 Euro bei der 80 Liter-Tonne (10 Euro bei 120 Liter/ 20,10 Euro bei 240 Liter.

Damit es nicht die rote Karte gibt: Aufkleber für die Tonne (und Plakat für den Hausflur) sind erhältlich im Servicebüro Mitte (Neue Fahrt 2) oder am Betriebsstandort der Stadtreiniger in Bettenhausen (Am Lossewerk 15).

Bleibt auch der rote Aufkleber drei Mal ohne Wirkung, muss die Biotonne gegen eine Restabfalltonne ausgewechselt werden. „Durch die Aufklärungsarbeit zur richtigen Nutzung der Biotonne, kombiniert mit den Kontrollen der Biotonne vor Ort, hoffen wir die Qualität des Bioabfalls wieder in den Griff zu bekommen“, informiert Dirk Lange.

Besonders von sogenannten Fehl-Einwürfen betroffen sei die „verdichtete Bebauung“: Dort wo Häuser mit mehr als acht Wohneinheiten stehen, ist die Qualität des Bioabfalls unzureichend. Und schon ein Mitnutzer der Tonne kann den Bioabfall so verunreinigen, dass er nicht mehr zur Kompostierung taugt. Vor diesem Hintergrund haben die Stadtreiniger bereits im Sommer die Hauseigentümer angeschrieben und umfangreich informiert.

Auch Bio-Tüten ganz vermeiden 

Nur Bioabfall wie Obst- und Gemüseabfälle, Lebensmittelabfälle und Gartenabfälle dürfen in die Biotonne, auf keinen Fall Plastiktüten. Dies gilt auch für sogenannte „Bio-Plastiktüten“ oder kompostierbare Tüten, da die Zersetzungszeit der Bioplastiktüten deutlich die Produktionszeiten in den Kompostierungsanlagen der Stadt Kassel überschreiten. Nach wie vor ist das Verpacken in Zeitungspapier oder in Papiertüten der geeignetste Weg, Bioabfälle in die braune Tonne zu geben.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Umfrage beginnt: Wie sicher fühlen sich die Menschen in Kassel?

Ab Montag, 18. November, werden 10.000 zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger in der gesamten Stadt Kassel angeschrieben und nach ihrem Sicherheitsempfinden befragt.
Umfrage beginnt: Wie sicher fühlen sich die Menschen in Kassel?

Countdown zum Kasseler Weihnachtsmarkt läuft

Nicht nur der Weihnachtsbaum für den diesjährigen Märchenweihnachtsmarkt stammt aus dem Schwalm-Eder-Kreis. Auch die diesjährige Symbolfigur hat ihre überliefert …
Countdown zum Kasseler Weihnachtsmarkt läuft

Gewaltsam Jacke vom Körper gerissen: Festnahme nach Raub in Kassel

Zeugen hatten Tatverdächtigen am späten Dienstagabend noch zu verfolgen versucht
Gewaltsam Jacke vom Körper gerissen: Festnahme nach Raub in Kassel

„Bezahlung ist nicht gerecht!“: Lehrkräfte an Grundschulen fordern bessere Bedingungen

In ganz Hessen protestieren Grundschullehrer für eine faire Besoldung, die Anerkennung ihrer Arbeit und für bessere Bedingungen in den Schulen. Denn immer mehr …
„Bezahlung ist nicht gerecht!“: Lehrkräfte an Grundschulen fordern bessere Bedingungen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.