Friedensprojekt Europa wählen

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Briefwechsel. In seinem Briefwechsel wendet sich Rainer Hahne an die Leser und betont wie wichtig es ist, am Sonntag wählen zu gehen,

Briefwechsel.Liebe Wählerinnen und Wähler,am Sonntag haben wir das Recht, an der Europawahl aktiv teilzunehmen. Ja, Sie lesen richtig. Wir haben das Recht. Ich betone das ausdrücklich, weil wir gerade in der Ukraine erleben, dass man auch mit dem Leben dafür bezahlen kann, wenn man das einfordert. Es wird sicher eine spannende Wahl. Noch nie sind die Parteien europaweit mit Spitzenkandidaten angetreten. Noch nie hat sich ein Putin kurz vor der Wahl mit dem vereinigten Europa so drastisch angelegt.Und in diesem Jahr kommt noch einiges andere dazu. Vor hundert Jahren hat der 1. Weltkrieg begonnen. Unmittelbar vor der Wahl werden wir intensivst daran erinnert, dass der Frieden in Europa keine Selbstverständlichkeit ist. Mein Großvater hat mir mal vor vielen, vielen Jahren bei einer Kutschfahrt erzählt, dass er den 1. Weltkrieg nur durch Zufall an der russischen Front überlebt hat. Es war eines der ganz wenigen Momente, an denen er überhaupt über diese grauenhafte Zeit gesprochen hat. Trotzdem war ich neugierig geworden und habe kurz danach meinen Vater angesprochen und wollte wissen, was er denn als 18-Jähriger im 2. Weltkrieg erlebt hat. Er hat mir nur ganz kurz berichtet, dass er als Einziger einen Angriff englischer Tiefflieger auf ein deutsches Vorpostenboot überlebt hatte. Es hat mir gereicht. Mehr wollte ich gar nicht wissen.

In diesem Jahr denken wir nicht nur an diese beiden Weltkriege, die von deutschem Boden ausgegangen sind, sondern auch an die Wiedervereinigung unseres Landes, die wir unseren europäischen Nachbarn zu verdanken haben. Es ist daher mehr als richtig, wenn Politiker heute von dem Friedensprojekt Europa reden. Fast seit 80 Jahren – mit Ausnahme des Krieges auf dem Balkan – herrscht Frieden in Europa. Und so soll es auch bleiben. Dafür gehe ich gern wählen. Und wirtschaftlich? Seit es die Europäische Union gibt, sind die deutschen Exporte um mehr als das Doppelte gestiegen. Wir sind die ganz großen Gewinner der EU.

Das heißt ganz klar: Wählen gehen.Es wäre grob fahrlässig, an diesem Sonntag zuhause zu bleiben und die Verantwortung für das gemeinsame Haus Europa den Europahassern zu überlassen. Die Niederländer haben gezeigt, wo es lang geht. Wer jahrhundertelang Handel betreibt, weiß die Bedingungen in Europa zu schätzen. Jede Grenze behindert den freien Warenverkehr. Und ich habe auch keine Lust mehr, wieder überall zum Reisepass zu greifen. Diese Zeiten wünschen sich nur sehr merkwürdige Gestalten zurück. Darum ist für mich ganz klar: Sonntag ist Wahltag!Mit wählerischen GrüßenRainer HahneChefredakteurP.s. Wäre mein Großvater im 1. oder mein Vater im 2. Weltkrieg erschossen worden, könnte ich mir jetzt über Europa keine Gedanken mehr machen.

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