Frust und Wut in Werkstätten: Dieselfahrer sind zurecht stinksauer

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Ein kritischer Blick unter die Haube: Obermeister Georg Wolf fordert Hardware-Nachrüstung für Dieselfahrzeuge von den Herstellern.

Gutgläubig hatten sie bei Deutschlands großen Autoherstellern ihr Dieselfahrzeug gekauft. Jetzt stellt sich heraus: Sie wurden betrogen – die angegebenen Verbrauchswerte stimmen nicht.

Kassel. Die Mitarbeiter der Automobilfirmen können nicht glauben, was in ihren Hallen passiert ist. Die Fahrer von Diesel-Fahrzeugen sind rat- und hilflos. Und den ganzen Frust kriegen die Automechaniker in den Werkstätten ab. So fasste Georg Wolf, Obermeister der Kfz-Innung die Lage an der Diesel-Front zusammen.

ET: Wie viele Werkstätten sind denn betroffen?

Wolf: Wir vertreten in Nordhessen 230 Werkstätten. Und ich kann ihnen sagen, die Stimmung ist beschissen. Rund 300.000 fast unverkäufliche Dieselfahrzeuge stehen dort viel zulange auf dem Hof und lassen sich nur unter großen Preisnachlässen verkaufen – wenn überhaupt. Das ist existenzgefährdend. Ich finde es gut, dass die Landesregierung gegen das Fahrverbot in den Innenstädten vorgeht. Und die Forderung von Hessen und Berlin, dass die Hersteller die Hardware-Nachrüstung bezahlen sollen, kann ich nur unterstreichen.

ET: Was kostet so eine Nachrüstung?

Wolf: Da kursieren die unterschiedlichsten Zahlen. Die Hersteller, die nicht zahlen wollen, reden von 1500 bis 11.000 Euro pro Fahrzeug. Der ADAC hat irgendwie Zahlen zwischen 1500 und 3000 Euro ermittelt. Auch mit dieser Nachrüstung werden wir nicht alle Kunden zufriedenstellen, denn dadurch wird der Verbrauch leicht steigen. Aber alles ist besser als dem Wertverlust hilflos zuzuschauen. Der Kunde ist doch mittlerweile völlig hilflos. Soll ich verkaufen? Was kriege ich überhaupt noch? Fahre ich weiter? Wo sind Verbote? Damit kommen sie zu uns und laden den ganzen Frust bei uns ab. Dabei haben wir damit überhaupt nichts zu tun.

ET: Wie beurteilen sie die aktuelle Situation?

Wolf: Ich glaube, alle spielen auf Zeit. Mit jedem Tag werden ältere Dieselfahrzeuge aus den Verkehr gezogen, abgemeldet. Doch die Gesamtsituation kann man so nicht lösen. Das ist für den Verbraucher unzumutbar. Und eins muss sich ganz sicher ändern. Die Bundesregierung darf sich nie wieder so blauäugig auf die Zusagen der Autoindustrie verlassen, sondern muss kontrollieren. Ohne den Skandal in den USA wäre doch bei uns überhaupt nichts passiert.

ET: Wie hat denn die Fahrzeugbewertungsliste auf den Diesel-Skandal reagiert?

Wolf: Die Preise für Diesel sind um bis zu dreißig Prozent eingebrochen. Und selbst diese Preise sind im Internet nicht mehr relevant. Dort sind die Preise noch stärker eingebrochen.

ET: Was fahren Sie denn für ein Auto? 

Wolf: Ich fahre selbst einen Diesel und bin fest davon überzeugt, dass es das sauberste Auto im Markt ist. Unsere Klimaziele sind ohne den Diesel nicht erreichbar. Schwierigkeiten hat er ja nur mit dem Stickoxid. Und das kann man mit der Hardware problemlos zu 95 Prozent rausfiltern. Wenn er dann einen Liter mehr braucht auf hundert, ist das ok. Denn wir brauchen uns nichts vorzumachen. Nach dem Diesel wird die Deutsche Umwelthilfe den Benziner wegen Feinstaub schlachten. Auch das wird ein Riesenproblem, obwohl Messorte und Messverfahren umstritten sind. Und obwohl überhaupt nicht klar ist, von wem wie viel Feinstaub überhaupt kommt.

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