Für Halit Yozgat: Baum des „Wachsenden Gedenkens“ gepflanzt

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Auf dem Schulhof der Carl-Anton-Henschel-Schule steht jetzt ein Walnussbaum, der an den ermordeten Halit Yozgat erinnern soll. Das Foto zeigt von links Iman Mustafa Canli, Ismail und Ayse Yozgat, dahinter Teslihan Ayalp (Integrationsbeauftragte der Stadt) sowie Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle und Schulleiterin Sarah Rueda.

Ermordeter Internetcafé-Betreiber bekommt Gedenkbaum auf dem Schulhof der Carl-Anton-Henschel-Schule

Kassel. Ein Walnussbaum wird künftig auf dem Schulhof der Carl-Anton-Henschel-Schule in der Kasseler Nordstadt an Halit Yozgat erinnern, der am 6. April 2006 von der rechtsextremen Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) ermordet wurde. Der Gedenkbaum wurde gestern gesetzt und heute im Beisein der Familie gesegnet.

Die Pflanzung des Gedenkbaums geht auf die Initiative „Wachsendes Gedenken“ des Bündnisses für Demokratie und Toleranz der Zwickauer Region zurück. Ziel ist es, in den Heimatstädten aller NSU-Opfer einen solchen Gedenkbaum zu pflanzen. Ein erster, von der Initiative gespendeter Gedenkbaum wurde im Dezember 2021 in Hamburg in Erinnerung an den ermordeten Gemüsehändler Süleyman Tasköprü gepflanzt. Weitere Pflanzungen sind in Heilbronn und Nürnberg vorgesehen.

Die Familie Yozgat hatte sich gewünscht, dass ein Walnussbaum an Halits ehemaliger Schule wachsen, gedeihen und reichlich Früchte tragen möge, um den Schulkindern Freude zu bereiten – sei es durch leckere und gesunde Früchte oder für Bastelarbeiten. Einen Baum zu pflanzen, habe für Muslime eine besondere Bedeutung, freute sich die Familie auch über dieses Zeichen der Anteilnahme und Solidarität.

„Wir begrüßen die Initiative ‘Wachsendes Gedenken‘ zur kollektiven Erinnerung an die Opfer der NSU-Verbrechen. Der heute gepflanzte Gedenkbaum steht an einem Ort, an dem Halit Yozgat glückliche Kindertage mit seinen Freunden verbracht und wichtige Fähigkeiten für das Leben erlernt hat“, sagte Oberbürgermeister Christian Geselle. „Als er vor 16 Jahren von Terroristen gewaltsam aus dem Leben gerissen wurde, hatte er noch so viele Pläne und eine erwartungsvolle Zukunft vor sich. Auch daran wollen wir erinnern.“

„Ausgehend vom Bild der Bäume des Zwickauer Gedenkortes für die Opfer des NSU nahm das Koordinierungsbüro des Bündnisses Kontakt zu allen Städten auf, in denen der NSU Menschen ermordet hatte“, sagte Christian Siegel, Mitglied des Beirates. „Vertreterinnen und Vertreter der Zwickauer Zivilgesellschaft möchten junge Bäume zum Gedenken an die Ermordeten in jene Städte senden. Es kam mit einigen Städten zu einem intensiven Austausch. Beim ‘Wachsenden Gedenken‘ geht es nicht um Gedenkfolklore oder um Kunst, die nicht stören soll, sondern es geht um Auseinandersetzung und um die Perspektive der Opfer und ihrer Hinterbliebenen. Deshalb sollen die Wünsche der Familien und Angehörigen der Opfer immer im Vordergrund stehen. Die Kosten für das ‘Wachsende Gedenken‘ werden vollständig durch Spenden getragen.“

Schulleiterin Sarah Rueda brachte die Freude der Schulgemeinde darüber zu Ausdruck, dass auf dem Schulgelände ein Walnussbaum nun an den ehemaligen Schüler Halit erinnert. Der Imam der Kasseler Stadt Moschee, Mustafa Canli, sprach anlässlich der Baumpflanzung ein Gebet.

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