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Fulda-Konzept: Dezernenten-Runde ist sich uneinig

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Von: Ulf Schaumlöffel

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Noch mehr Leben am Fluss: Die Fulda soll stärker ins Bewusstsein der Kasseler rücken.
Noch mehr Leben am Fluss: Die Fulda soll stärker ins Bewusstsein der Kasseler rücken. © Fischers Fritz

Leben an der Fulda könnte noch schöner sein, doch im Rathaus geht es seit Monaten nicht voran

Kassel Dank der Fulda ist Kassel eine Stadt am Fluss. Weil diese Tatsache aber vielen Bewohnern und Touristen nicht präsent genug ist, wollen die Planer im Rathaus gegensteuern.

Sie ließen von Landschaftsarchitekten ein Fulda-Konzept erstellen, mit dem die Aufenthaltsqualität und die Nutzungsmöglichkeiten des Flusses verbessert werden sollen, ohne den Naturschutz zu gefährden. Das passierte aber alles schon bereits vor vier Jahren. Die Erstellung des Konzepts hat viel Geld gekostet. Seitdem ist nicht mehr viel passiert – weil es im Rathaus hängt!

Wir sprachen mit Stadtbaurat Christof Nolda über das Konzept, wie und vor allem wann es damit weitergeht. Denn gerade jetzt sieht man, wie schön es an der Fulda ist. Und es wäre doch schade, wenn dort nichts voranschreitet.

Woran hängt es?

Ende letzten Jahres hat das Fuldakonzept den Weg in die politische Beratung aufgenommen. Es gab inhaltliche Diskussionen innerhalb der Verwaltung, die heute leider noch nicht abgeschlossen sind. Ich hoffe sehr, dass wir bald in der Lage sind, die vielen guten Anregungen, die dieses Projekt beinhaltet, im offenen und durchaus auch kritischen und interessanten Dialog besprechen zu können.

Was sind die Inhalte des Konzepts?

Selbstverständlich beinhaltet dieses Projekt eine umfangreiche und sehr interessante Bestandsaufnahme im Bereich der Fulda. Es dokumentiert dabei auch Konfliktfelder, die entweder aus rechtlichen Bedingungen oder auch aus den unterschiedlichen Nutzungsanforderungen entstehen. Die interessanten Ergebnisse der Bürger:innen-Beteiligung werden aufgeführt und viele davon sind dann in die Maßnahmenvorschläge überführt worden. Vor diesem Hintergrund wurde das Leitbild, das heißt die Zukunftsvision, definiert und entsprechende Handlungsfelder benannt, wie wir diese umsetzen könnten. Das Konzept benennt drei Vertiefungsbereiche, also Orte an der Fulda, die in besonderer Weise die Umsetzung der Vision ermöglichen. Das ist der Bereich von Orangerie bis hinter die Schlagd, das Hafenareal und der Bereich um die Bossemündung südlich von Wolfsanger. Nicht nur für diesen Be-reich enthält das Konzept eine Vielzahl an Einzelmaßnahmen, die dann nach Beschlusslage des Konzepts im Detail zu diskutieren sind.

Was sind die nächsten Schritte?

Nach Abschluss der Abstimmung im Verwaltungsbereich hoffe ich, dass das Konzept in den politischen Gremien behandelt und am Ende als Konzeptplanung von der Stadtverordnetenversammlung verabschiedet wird. Dadurch wird die Verwaltung aufgefordert, bei zukünftigen Projekten in das Konzept zu schauen und die da formulierten Zielsetzungen zu diskutieren.

Gibt es schon sichtbare Ergebnisse?

Das Konzept ist ja schon seit einiger Zeit in Bearbeitung und so haben sich durchaus in diesem Zeitraum Veränderungen ergeben, die deckungsgleich sind mit Entwicklungsbereichen, die das Fuldakonzept benennt. So gibt es Entwicklungen im Bereich des Hafens, die durchaus Vorschlägen aus dem Konzept entsprechen. Es gibt erste Überlegungen für den Park an der Schleuse. Dieser ist ein Schwerpunktbereich im Fuldakonzept. Nicht zuletzt hat sich der im Fuldakonzept benannte „Runde Tisch“ mit an der Fulda Aktiven gebildet. In mehreren Sitzungen wurden Aspekte der Weiterentwicklung der Fulda als Erlebnisraum diskutiert. Ein Ergebnis davon ist die Veröffentlichung der Wasserregeln, um Konflikten durch unterschiedliche Nutzung vom Baden bis zum Motorboot vorzubeugen.

Wie geht es mit dem BDA-Strandbad weiter, hat sowas nicht auch nach der documenta Potential?

Das Baden in der Fulda macht vielen Menschen in der Stadt Freude. Das frische und fließende Wasser der Fulda hat schon manche Schwimmerinnen und Schwimmer angelockt. Ich bin gespannt, wie diese Nutzung in der Zukunft eine Rolle spielen kann. Ich freue mich, dass das BDA Strandbad dieses Thema exemplarisch während der Documenta präsent macht. Dass die Fulda ein Verkehrsweg ist, ist dabei nicht unwichtig. Es ist zu beachten, dass wir hierbei vorsichtig sind und gegenseitig auf uns aufpassen.

Welche rechtlichen Probleme sind bei der Umsetzung vom Fuldakonzept zu beachten?

Für die Fulda gelten unterschiedlichste rechtliche Regelungen. Das Hochwasser und die damit verbundenen Vorsichtsmaßnahmen und bauliche Einschränkungen sind zu beachten. Wir haben das Glück, dass die Fulda bis nahe in die Stadt von natürlichem Landschaftsraum begleitet wird. Deshalb ist der Naturschutz in besonderer Weise zu beachten. Die Fulda ist eine Wasserstraße, dazu bedarf es Regeln. Eine der besonderen Aufgaben, die im Fuldakonzept benannt sind, ist es an der einen oder anderen Stelle eine Vereinfachung der bisherigen Regelungen zu erarbeiten.

Das Fuldakonzept beinhaltet sechs Handlungsfelder

Handlungsfeld 1: Stadt und Fluss stärker miteinander verbinden

Stadtweites Freiraumsystem stärken und zur Fulda weiterentwickeln

Wege zum Wasser schaffen, Fuß- und Radverkehr prioritär entwickeln

Barrierewirkung der Bundesstraße 3 mildern

Organisation des ruhenden Verkehrs an der Straße „Am Auedamm“ prüfen

Kfz-Verkehr an der Karlsaue/Du-Ry-Straße prüfen

Touristische Ankerpunkte etablieren

Handlungsfeld 2: Lebendige und urbane Stadt am Fluss entwickeln

Mindergenutzte Stadtareale neu denken und neue Nutzungsideen entwickeln

Urbane Qualitäten am Wasser entwickeln

Störenden ruhenden Verkehr aus zentralen Bereichen herausnehmen

Schwimmen im Fluss prüfen

Öffentliche Wassererlebnisse schaffen: visuell, funktional, gestalterisch

Attraktive Gastronomieangebote am Wasser schaffen

Kommunikation „Kassel deine Fulda“ besser vermarkten

Uferweg entlang der alten Bebauung, auf dem Fluss ein Schiff, darüber führt eine Fußgängerbrücke

Handlungsfeld 3: Historische Schätze in Beziehung setzen

Erlebbare Verknüpfung herstellen zwischen Bergpark – Weinberg – Karlsaue – Moritzaue – Rondell

Entwicklung der Museumslandschaft zur besseren Verknüpfung nutzen

Geschichte entlang der Fulda besser erlebbar machen

Kinder und Jugendliche mit Kanus

Handlungsfeld 4: Junge Stadt Kassel fördern

Die Bedeutung der jungen Generation im öffentlichen Raum abbilden

Besondere Orte für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene an der Fulda entwickeln

Kinder- und Jugendbeteiligung stärken und ausbauen, Anliegen von Jugendlichen aufgreifen und Umsetzung unterstützen (Jugendforum, Jugendgremium)

Ruhiger Fluss inmitten üppig bewachsenen Grüns

Handlungsfeld 5: Räume für die Fulda entwickeln

Retentionsräume (seitlich gelegene Flächen an Flüssen und Bächen, auf denen sich bei Hochwasser das Wasser ausbreiten und ansammeln kann) optimieren

Schutzgebiete sichern und entwickeln

Arten- und Biotopschutz weiterentwickeln, integrierte Betrachtung auch in der Stadt

Biotopverbund entlang des Gewässernetzes stärken

Auenentwicklung und Extensivierung der Landschaft: Artenvielfalt erhöhen

Handlungsfeld 6: Sport und Kultur auf und an der Fulda stärken

Wassersport und Wasserfeste bündeln und fördern

Bewegung für Jung und Alt an und auf der Fulda stärken, gesunde Stadt Kassel weiterentwickeln

Neue Nutzungen und Veranstaltungen behutsam ergänzen und etablieren

(Wasser-Sportvereine am Prozess beteiligen

Historische Perlen am Fluss aktivieren und in den öffentlichen Raum integrieren

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