Wo ist die ganze Trauer? Museum für Sepulkralkultur beschäftigt sich mit Tränen und Verlust

Die Sonderausstellung "Lamento", die bis zum 15. März zu sehen ist, beleuchtet die Emotion und den Umgang mit Verlusten aus verschiedenen Perspektiven und außerhalb der Schubladen.

Kassel. Alle 33 Sekunden stirbt ein Mensch in Deutschland, was bedeutet, dass rund sieben Angehörige um ihn trauern. Doch wo ist die ganze Trauer und wieso ist sie so selten in der Öffentlichkeit sichtbar, fragt Dr. Dirk Pörschmann, Leiter des Museums für Sepulkralkultur beim Rundgang der Sonderausstellung „Lamento – Trauer und Tränen“. Lamento bedeutet übersetzt „Ich klage“ und Pörschmann dazu: „Wir beklagen uns über Stau oder Kleinigkeiten, doch das wirklich beklagenswerte halten wir zurück.“

Die Sonderausstellung, die bis zum 15. März zu sehen ist, beleuchtet die Emotion und den Umgang mit Verlusten aus verschiedenen Perspektiven und außerhalb der Schubladen. Künstlerin und Co-Kuratorin Ella Ziegler hat dafür in Dänemark recherchiert und Menschen verschiedener Kulturen, aber auch Hebammen, Bestatter und Imame befragt. „Emotionen sind universell, doch die Trauer und der Umgang damit ist kulturell bedingt“, erzählt sie. Hinzukommt, dass Trauer oft noch ein Tabuthema ist und Tränen nur im privaten Raum fließen.

Co-Kuratorin und Künstlerin Ella Ziegler zeigt die Inserate von Dieter Roth, die 1971 im Anzeiger der Stadt Luzern für Empörung sorgten. Daneben Museumsleiter Dr. Dirk Pörschmann.

„Wer länger als sechs Monate trauert steht unter Verdacht krank zu sein. Dabei ist Trauern die Lösung und nicht das Problem“, gibt der Museumsleiter zu bedenken. In der Ausstellung zu sehen sind auch Fotos von John Moore, dessen bekanntestes Bild ein kleines weinendes Mädchen an der US-Grenze zeigt. Das Bild wurde als bestes Pressefoto des Jahres ausgezeichnet und bebildert die Einwanderungspolitik Donald Trumps.

Eigene Tränen erforschen

Besucher können im Tränenlabor – errichtet von Schülern der 9b des Friedrichsgymnasiums – den Unterschied zwischen Freuden-, Trauer- und Reflextränen unter dem Mikroskop betrachten und auch ihre eigenen Tränen untersuchen. Hilfsmittel sind dabei Zwiebeln, Wasabi oder Licht. In der multimedialen Ausstellung gibt es zudem grafische Arbeiten, Fotografien, Videos und Skulpturen die atmosphärische Facetten des Trauerns, des Erinnerns und des Gedenkens thematisieren.

14 Millionen für Ausbau

Im Tränenlabor der Sonderausstellung ‚Lamento‘ kann man den Unterschied zwischen Freuden- und Trauertränen unter dem Mikroskop betrachten.

Nach Abschluss der Verhandlungen des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages wurde berichtet, dass 7 Millionen Euro Fördermittel ab 2020 bereitgestellt werden. Weitere Fördergelder in Höhe von insgesamt sieben Millionen Euro müssen das Land Hessen, die Stadt Kassel, die Evangelische Kirche Deutschland, der Verband der Diözesen Deutschlands sowie Sponsoren und der Förderverein beisteuern. Die Fördermittel des Bundes werden auf die Haushaltsjahre 2020 bis 2025 verteilt“, ist in einer Pressemitteilung von Timon Gremmels zu lesen.

Rubriklistenbild: © Feldle

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