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"Garderobenzwang": Kongress Palais nennt Sicherheitsgründe

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Von: Victor Deutsch

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Seit vergangenen Herbst kommt niemand mehr mit Mantel oder Jacke in die Kasseler Stadthalle. Was Besucher empört, hat laut der Kongress Palais-Leitung Sicherheitsgründe.

Kassel. „Es soll mir nicht um die zwei Euro gehen, auch wenn ich die happig finde. Es geht mir – und den anderen Besuchern an diesem Abend – aber darum, dass man keinen Einlass erfährt, wenn man die Jacke nicht abgibt“, empört sich Waltraud Herth. Sie war eine von 1300 Zuschauern am Dienstagabend im Kasseler Kongress Palais beim Konzert der Kastelruther Spatzen.

„Natürlich ist die Halle geheizt. Aber auf der Empore zog es so sehr, dass ich froh war einen Schal dabei gehabt zu haben“, sagt sie. Viele der überwiegend älteren Besucher des Volksmusik-Abends hätten ähnlich empfunden wie sie und die Erklärung der freundlichen Garderoben-Mitarbeiter vor Ort – dass man über Jacken stolpern würde, über Handtaschen aber nicht – als abwegig empfunden.

Uwe Vater, Chef der Veranstaltungsagentur MM-Konzerte, tut es leid, dass das Konzerterlebnis der Dame so nachhaltig getrübt wurde. „Die Garderobenregelung ist jedoch Sache des Hausherrn, also vom Kongress Palais“, erklärt er auf EXTRA TIP-Anfrage. Im Kleingedruckten der Besucherinformation auf der Webseite des Kongress Palais findet man die Begründung: „Bei Konzerten und ähnlichen Veranstaltungen dürfen aus Sicherheitsgründen keine Jacken, Mäntel, Taschen, Rücksäcke u.ä. mit in die Säle genommen werden.“

Oliver Höppner, Bereichsleiter Kassel Marketing für das Kongress Palais, erklärt die Situation: „Wir haben die Regelung im Herbst eingeführt – vorangegangen sind viele Gespräche zum Thema Besuchersicherheit mit anderen Veranstaltungshäusern in Deutschland.“ Es sei nämlich in der Vergangenheit durch mitgebrachte Jacken und Mäntel zu gefährlichen Stolperfallen zwischen den Stuhlreihen gekommen. „Außerdem gab es immer wieder Beschwerden, weil Besucher die Jacke des Vordermanns auf dem Schoß hatten – oder einige ganze Stuhlreihen bei Veranstaltungen mit freier Platzwahl mit ihrer Bekleidung reserviert haben“, so Höppner.

Die logistischen Probleme, die die Jacken-Regelung mitgebracht habe, seien mittlerweile abgegestellt. „Das Garderoben-Personal wurde aufgestockt, damit Annahme und Rückgabe nun zügig laufen.“ Aufgrund der Presonalkosten müsse man zwei Euro pro Jacke verlangen – „wir sind schließlich kein Zuschussbetrieb.“ Es werden jedoch nur die tatsächlichen Kosten gedeckt. „Wir wollen nicht auf dem Rücken der Sicherheit Mehreinnahmen generieren“, versichert Höppner. Abschließend könne von einem „Garderobenzwang“ nicht die Rede sein: „Die Besucher können ja ihre dicken Mäntel auch im Auto lassen. – oder ein Schließfach für einen Euro nehmen.“

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