In den Gedenken an die Opfer

Gestern versammelten sich mehr als 140 Gäste um an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern

Kassel. Genau 70 Jahre nach der Befreiung der Menschen im Konzentrationslager Auschwitz haben sich gestern im Ständehaus in Kassel mehr als 140 Gäste versammelt, um an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern. Zur landesweiten Gedenkveranstaltung hat LWV-Landesdirektor Uwe Brückmann gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten Volker Bouffier, dem Landtagspräsidenten Norbert Kartmann sowie dem Präsidenten des Hessischen Städtetags, Bertram Hilgen, des Landkreistags, Erich Pipa, sowie des Städte- und Gemeindesbundes, Karl-Heinz Schäfer, eingeladen.

"Voller Demut und Trauer gedenken wir heute der Millionen Menschen, die den Verbrechen der Nationalsozialisten zum Opfer gefallen sind", sagte Bundesratspräsident und Ministerpräsident Volker Bouffier. "Welche abscheulichen Gräueltaten in Auschwitz-Birkenau und an vielen anderen Orten begangen wurden, ist für uns noch immer schwer zu begreifen. Die Epoche ist das dunkelste Kapitel unserer Geschichte." Volker Bouffier wies darauf hin, dass der Gedenktag weltweit begangen werde. "Überall kommen Menschen zusammen, um den Opfern des Nationalsozialismus ihre Ehre zu erweisen. Es ist unsere Pflicht, diese Erinnerungen niemals versiegen zu lassen."

Dr. Gerrit Hohendorf vom Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Technischen Universität München erläuterte in seinem Vortrag, dass die Tötungsanstalten der sogenannten "Aktion T4", zu denen auch die ehemalige Heilanstalt im hessischen Hadamar gehörte, als "Probelauf für die industrielle Menschenvernichtung geschaffen" worden seien. Der Aktion T4, benannt nach dem Gebäude in der Tiergartenstraße 4 in Berlin, in der die Ermordung psychisch kranker und behinderter Menschen geplant und gesteuert wurde, fielen rund 180.000 Menschen zum Opfer. Dr. Hohendorf skizzierte die Biografien einiger dieser Menschen. Ergänzt wurde sein Vortrag durch eine Lesung von Helmut Bader, dessen Vater in der Tötungsanstalt Grafeneck umgebracht worden war. Helmut Bader las aus Tagebuchaufzeichnungen und Briefen seines Vaters Martin, der an Parkinson litt und deshalb in eine psychiatrische Klinik gekommen war. "Da ich es spüre, dass ich nicht nochmal so alt werde, (...) schreibe ich alle Erinnerungen (...) in dieses Buch", notierte er im Vorwort zu seinen Aufzeichnungen. Er war 39 Jahre alt, als er in Grafeneck starb.

Begleitend zur Gedenkveranstaltung ist am Vormittag im Foyer des Ständehauses die Ausstellung In Memoriam eröffnet worden. Sie dokumentiert die Ermordung von geistig behinderten und psychisch kranken Kindern und Erwachsenen, von jüdischen Patienten und von Zwangsarbeitern. Auch über Zwangssterilisationen und medizinische Versuche informiert sie.

In Memoriam wird bis zum 13. Februar an Werktagen zwischen 12 und 16 Uhr zu sehen sein.

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