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Geflüchtete Familien sollen in Baunatal neues Zuhause finden: Gemeinschaftsunterkunft wird reaktiviert

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Von: Nadja Feldle

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Vor allem Familien müssen untergebracht werden. Dies organisieren (v.li.) Baunatals Bürgermeisterin Manuela Strube, Vizelandrätin Silke Engler, Unterkunftsleiterin Steffi Ertel und Nicole Spangenberg (Fachbereich Soziale Dienste und Migration).
Vor allem Familien müssen untergebracht werden. Dies organisieren (v.li.) Baunatals Bürgermeisterin Manuela Strube, Vizelandrätin Silke Engler, Unterkunftsleiterin Steffi Ertel und Nicole Spangenberg (Fachbereich Soziale Dienste und Migration). © Landkreis Kassel/Kühlborn

Jede Woche kommen zwischen 20 bis 35 geflüchtete Personen nach Baunatal. Sie werden der Kommune von Gießen zugewiesen. Die Zahl der Zuweisungen haben sich in den letzten Wochen deutlich erhört.

Baunatal. Daher hat man sich nun entschlossen, die früher schon genutzten Gemeinschaftsunterkünfte wieder zu belegen. Eine davon ist die Unterkunft gegenüber vom Ratio, die eigentlich als Verwaltungseinheit gedacht war. Nun werden die Räumlichkeiten aufgehübscht, gestrichen und mit Mobiliar versehen. Hier können bis zu 108 Personen nicht bloß ein Dach über dem Kopf erhalten, sondern auch ankommen und aufgenommen werden.

„Unser Anliegen ist es immer, gemeinsam mit Kommune und Landkreis die Unterbringung zu organisieren. Dabei geht es nicht ohne ehrenamtliche Helfer, die wir in Baunatal schon zu Beginn von 2015 sehr stark hatten. Dieses Unterstützer-Netzwerk möchten wir nun reaktivieren, denn die Integration findet in der Kommune statt. Später geht es dann auch darum, die geflüchteten Menschen aus den Einrichtungen in ihre eigenen Wohnungen zu vermitteln. Auch hier bleiben wir vom Landkreis an ihrer Seite. Niemand wird allein gelassen“, so die ehemalige Bürgermeisterin Baunatals und neue Vizelandrätin Silke Engler. Sie weiß, wie stark Baunatal gemeinsam für Integration steht und wie gut man damals zusammengearbeitet hat.

Mittlerweile kommen viele Familien mit Kindern in die Einrichtungen. Aufgrund von Corona hat sich die Belegungsart in den Unterkünften geändert. Viele der Flüchtlinge, die sowohl Ortskräfte aus Afghanistan, Russlanddeutsche und Syrer sind, müssen auf die vorhandenen Häuser verteilt werden. Fachbereichsleiterin Nicole Spangenberg geht nun ins 7. Jahr der Organisation rund um die Flüchtlingsunterkünfte: „Die Menschen kommen mit einem Erfahrungs-Rucksack zu uns, den wir uns gar nicht vorstellen können.“ Die Integration sei ein langwieriger Prozess und nicht nach sechs Monaten abgeschlossen.

Hinzukommen die behördlichen Schwierigkeiten, bis die Menschen neue Pässe, Genehmigungen und ähnliches haben. Steffi Ertel, die Leiterhin der Unterkunft in Hertingshausen sagt: „Sitzen ist keine Integration. Die Menschen müssen die Chance haben, draußen Kontakte zu knüpfen, arbeiten gehen dürfen und die Sprache lernen.“

Man hofft, dass man gemeinsam mit Betrieben und der Handwerkskammer viele junge Geflüchtete in handwerkliche Ausbildungen vermitteln kann. So könnte man auch den fehlenden Nachwuchs im Handwerk mit fähigen und willigen jungen Menschen ausgleichen.

Ein weiteres Problem sei es auch, die Geflüchteten in Wohnungen unterzubringen. Viele Vermieter hätten Bedenken. Steffi Ertel berichtet von 55 Menschen, die noch in Unterkünften in Lohfelden und Fuldatal sitzen, und keine Wohnung erhalten. Obwohl sie Arbeit haben und der Landkreis Kassel Mieter der Wohnungen wäre. Auch Geflüchtete, die Leistungen vom Jobcenter erhalten, hätten kaum eine Chance. Hier wünscht sie sich mehr Offenheit. Ein Team von Wohnungsbetreuern ist zudem Ansprechpartner und unterstützt die geflüchteten Menschen bei Dingen wie Strom und Wasser anmelden.

Da die Zahl der Geflüchteten, die in den Landkreis kommen, weiterhin so stabil bleiben wird, prüft der Landkreis, welche früher genutzten Gebäude zur Verfügung stehen, um den Bedarf zu decken. Aktuell leben 4.662 geflüchtete Menschen im Landkreis – die meisten wohnen schon in angemieteten Wohnungen, es gibt noch Gemeinschaftsunterkünfte in Bad Karlshafen, Baunatal, Espenau, Fuldabrück, Fuldatal, Hofgeismar, Lohfelden, Nieste und Wolfhagen. Wer sich vorstellen kann, eine Wohnung für Geflüchtete an den Landkreis zu vermieten, kann sich dort melden.

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