Gegen den Stau am Morgen: Schulanfangszeiten ändern?

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Briefwechsel. Diese Woche wendet sich Chefredakteur Rainer Hahne an die Kasseler Verkehrsgesellschaft.

Sehr geehrte Politiker in Kassel und Umgebung,

es ist Sommerzeit. Da kann man Themen diskutieren, die immer wieder zu kurz kommen – natürlich nur, wenn man nicht im Urlaub ist. Ich möchte heute mal ein Angebot zur Füllung des Sommerloches machen. Vor einigen Tagen hat die Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) ihre Jahresbilanz vorgestellt, die natürlich wieder eine große rote Zahl am Ende hatte. Und genauso natürlich wurde anschließend darauf gedrängt, die Fahrkartenpreise zu erhöhen. Aus KVG-Sicht kann man das verstehen, denn seit geraumer Zeit gibt es noch nicht einmal mehr Landeszuschüsse für neue Bahnen.

Es ist natürlich schwer, ein erträgliches Minus zu zaubern, wenn niemand bereit ist zu zahlen. Stattdesssen werden die Forderungen an den öffentlichen Personennahverkehr zum Teil regelrecht dreist. Der Stundenplan an Schulen zieht sich bis weit in den Nachmittag? Dann kann man ja wohl erwarten, dass fünfmal ein Bus kommt und die Schüler in alle Richtungen fährt. Oder? Zumindest diese Forderungen hat Landrat Stefan Reuss im Werra-Meissner-Kreis gestoppt. Zwei Busse am Nachmittag reichen. Mehr sind unbezahlbar.

So, so. Man kann also Geld einsparen, wenn man übertriebene Forderungen streicht. Man kann aber auch Geld sparen, wenn man die Schulzeiten leicht verschiebt, so dass der Schülerverkehr nicht direkt in die Hauptverkehrszeiten fällt.Darüber denken gerade einige kluge Menschen nach. Warum müssen Kinder eigentlich so früh aufstehen und unbedingt um acht Uhr in der Schule sein? Warum kann die Schule nicht erst um neun Uhr anfangen?Mir tut es immer in der Seele weh, wenn meine Tochter – insbesondere im Winter – im Dunkeln, in Eiseskälte aus dem Haus muss. Ich kann mich auch noch gut an meine eigene Schulzeit erinnern. Um Viertel nach Sechs aus dem Haus. Halb Sieben im Bus. Kreuzfahrt durch den Kreis. Halb Acht völlig verschlafen in der Schule. Grauenhaft! Wenn man also mit einer späteren Schulzeit den öffentlichen Personennahverkehr entzerren, Gelder sparen und Schüler entlasten könnte, müßte es doch eigentlich einige Gedanken wert sein. Oder?

In Skandinavien hat man schon lange erkannt, dass die Stunde von acht bis neun Uhr nicht unbedingt die ist im Biorhythmus der Kinder, die sich am Besten fürs Lernen eignet.

Also, liebe Politiker, versucht doch einfach mal ganz vorsichtig abzutasten, wie denn die Gefühlslage bei Eltern, Schülern und insbesondere Lehrern ist. Leere öffentliche Haushalte wirken manchmal Wunder.Mit spätstartenden GrüßenRainer HahneChefredakteur

P.s. Nur weil es schon immer so war, ist es einfach kein Grund mehr. Und in den zehn Geboten sind die aktellen Schulanfangszeiten auch nicht erwähnt worden.

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