Es geht um Veruntreuung von über vier Millionen Euro: Jetzt spricht der Ex-Sicherheits-Boss!

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Räumte am Montag vor Gericht die Vorwürfe ein: Tim Lenhoff, ehemaliger Geschäftsführer der Sicherheitsdienst 24 GmbH. Mit im Bild: Sein Verteidiger Michael Schenk (hi.li.)

Nach 15 Prozesstagen äußerte sich erstmals der ehemalige Sicherheitsdienst 24-Chef vor Gericht. Und räumte Vorwürfe ein. Der Insolvenzverwalter sprach dagegen von einem Kuriosum, wie er es nie zuvor erlebt hat. 

Kassel. Mit dem kometenhaften Aufstieg seiner Sicherheitsfirma Sicherheitsdienst 24 GmbH (SD 24 GmbH) sorgte Tim Lenhoff für viel Furore in der Branche.

Seit Dezember 2016 sitzt Tim Lenhoff allerdings in der JVA Kassel-Wehlheiden in Untersuchungshaft. Ihm wird unter anderem Sozialversicherungsbetrug im großen Stil vorgeworfen. Es geht um 4,6 Millionen Euro. (Der EXTRA TIP berichtete). Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft wird ihm der Verdacht des Vorenthaltens und der Veruntreuung von Arbeitsentgelt sowie Steuerhinterziehung, Fälschung beweiserheblicher Daten, Untreue, Urkundenfälschung vorgeworfen und Fahren ohne Fahrerlaubnis. Der Chef der damaligen Firma, die bundesweit in den Bereichen Event-Security, bei Bundesligaspielen und Konzerten sowie in Discotheken und als Sicherheitsdienst in Flüchtlingseinrichtungen agierte, äußerte sich am Montag im Rahmen einer Verständigung erstmals vor Gericht. Lenhoff räumte die Vorwürfe ein und bestätigte, Geschäftsführer der Sicherheitsdienst 24 GmbH gewesen zu sein.

Sollen zur Insolvenzmasse gehören: Doch wo sind die Autos aus Lenhoffs Fuhrpark und wer ist überhaupt der rechtmäßige Eigentümer? Rechtsanwalt Michael Schenk bemängelte vor Gericht, dass sich der Insolvenzverwalter zu wenig für den Verbleib der Luxus-Autos engagiert habe und bemängelte, dass Jung trotz Gesprächs-Angebot seines Mandanten nie persönlich mit Lenhoff Kontakt aufgenommen habe.

„Mit Beginn der Flüchtlingskrise und dem damit verbundenen Umsatzsprung durch die Betreuung mehrerer Flüchtlingseinrichtungen lief dann die Sache etwas aus dem Ruder“, berichtet der 36-Jährige. „Die Verwaltung ist durch den gestiegenen Arbeitsaufwand etwas vernachlässigt worden.“ Man habe sich erst einmal darauf konzentriert, die Aufträge abzuarbeiten.

Insolvenzverwalter Jung: „Kuriosum, wie es mir vorher noch nie begegnet ist“

Am 15. Prozesstag (weitere sind bis Ende Mai angesetzt) sagte Sicherheitsdienst 24 GmbH Insolvenzverwalter Henning Jung (westhelle und partner) als Zeuge vor Gericht aus. Er berichtete, dass er vorher noch nie ein solches Kuriosum gesehen habe. Zusammen mit seinen Mitarbeitern hat er 240 Aktenordner beim Zoll eingesehen. Man habe daraus aber nicht viel entnehmen können. Weil ohne Lenhoff der Motor des Unternehmens fehle und viele Auftraggeber nach der Firmendurchsuchung und Verhaftung des Unternehmensgründers absagten, sei er zu dem Schluss gekommen, dass das Unternehmen nicht fortgeführt werden könne. „Viele Mitarbeiter wollten auch nicht mehr weiter arbeiten“, berichtete Jung.

Der Einweihung der Firmenzentrale der Sicherheitsfirma in Vellmar im Jahr 2016 folgte im letzten Jahr eine Steuerrazzia – und aus dessen Folge die Firmeninsolvenz. Insolvenzverwalter Jung beklagt unter anderem, dass die zu Lenhoffs Holding gehörende Immobilienfirma das Gebäude mit nur 155.000 Euro weit unter Wert verkauft habe.

Andere wiederum hätten ihn eindringlich gebeten, dass der Betrieb weiter geführt werde. Der Insolvenzexperte bemängelte: Die Kalkulation im Unternehmen habe nicht gepasst. Um wirtschaftlich arbeiten zu können, hätte man mindestens ein Drittel auf den Stundenlohn aufschlagen müssen. „Es war für viele andere Sicherheitsdienstunternehmen sogar günstiger, die SD24 als Subunternehmer zu engagieren, als die Arbeit selbst zu machen.“ Das große Manko sei gewesen: Es gebe kaum Belege für irgendwas. Man könne weder herausfinden, wohin Geld abgeflossen, noch wer Begünstigter sei.

Insgesamt hätten 87 Gläubiger (unter anderem Finanzamt, Krankenkasse) Forderungen in Höhe von über vier Millionen Euro angemeldet. Hinzu kämen noch drei Millionen Euro, die bisher noch umstritten seien. Für Jung sind die Millionen Euro hohen Abflüsse für gesellschaftsfremde Zwecke benutzt worden. Wie hoch die Summe genau ist, sei schwierig zu schätzen, da entsprechende Belege fehlen. „Belege wurden meiner Meinung nach nur geschrieben, wenn nötig.“ Da viele Mitarbeiter in bar entlohnt worden seien, könne man auch darüber kaum was feststellen.

Luxus-Autos für Insolvenzmasse angeboten

Ähnlich verhalte es sich bei den Luxus-Sportwagen, die zugunsten der Insolvenzmasse Lenhoff Mitte März angeboten habe. Corvette, Lamborghini, Viper und Maserati seien laut Jungs Informationen in Spanien. Die Eigentumsverhältnisse seien aber keineswegs klar. Die jetzige Besitzerin des Lamborghini beispielsweise habe schon über ihre Rechtsanwälte erklärt, dass sie auch Eigentümerin sei und den Wagen nicht herausgeben werde.

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