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Der Geist von Wanfried

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Von: Rainer Hahne

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Briefwechsel vom EXTRA TIP-Chefredakteur Rainer Hahne. Diesmal an Peter Molinnus.

Briefwechsel. Sehr geehrter Peter Molinnus,

Sie sind Hamburger und sorgen seit Wochen für viel Wirbel in dem ansonsten so beschaulichen Wanfried an der Werra. Diese Stadt und einige ihrer altehrwürdigen Gebäude haben Sie sich ausgesucht, um ein Projekt der Superlative aus dem Boden zu stampfen. Ein Veranstaltungsort für Kunst, Kultur- und Musikveranstaltungen soll ab 2016 jährlich 400.000 Besucher in die Stadt locken. Rund zehn Millionen Euro wollen Sie dafür ausgeben, 50 neue Arbeitsplätze sollen entstehen.

Doch halt, nicht Sie wollen das Geld ausgeben. Hinter Ihnen stehe eine Investorengruppe, bestehend aus mehreren Künstlern und einem Medienanwalt. Geld sei genug da, betonen Sie auf allen Bürgerversammlungen. Wanfried sei von der Lage her mitten in Deutschland ideal. Und die Gebäude für das geplante Projekt geradezu perfekt. Jetzt müssen nur noch die Bewohner zustimmen, dann wollen Sie Wanfried mit einem einzigartigen Werbe- und Vermarktungskonzept über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt machen.

Spannend ist es, wie Sie bisher die Bevölkerung einbinden. Bereits zweimal haben Sie sich den Fragen gestellt und nie einen Hehl daraus gemacht, dass Ihr Projekt tiefe Eingriffe in das beschauliche Leben der Stadt bringen könnte. "Wenn Sie das nicht wollen, nehmen wir Abstand von den Plänen”, haben Sie gesagt.

Jetzt sind die Bürger und Bürgermeister Wilhelm Gebhard am Zuge. Keine einfache Entscheidung, denn Sie, Herr Molinnus, sind nur schwer zu greifen. Im Internet findet man nur eine Firma unter Ihrem Namen mit dem Hinweis "vorläufige Betriebsaufgabe”. Sonst nichts , absolut nichts. Bei den Pressekollegen in Hamburg sind Sie unbekannt. Noch schwieriger ist es, irgendetwas über die Investoren zu erfahren, die Sie vertreten wollen. Zu Anfragen der Bürger haben Sie standhaft geschwiegen. Die Zurückhaltung haben Sie mit der schlechten Presse begründet, die auf sie zukommen würde, falls das ambitionierte Projekt scheitert. Das ist die übliche  Vorgehensweise.  Und wer die Hetze im Fall "Beberbeck” miterlebt hat, kann Sie gut verstehen.

Wie auch immer – Wanfrieds Bürgermeister Wilhelm Gebhard schwebt im Moment zwischen Baum und Borke. Wenn Ihr Projekt klappt, könnte es der ganz große Wurf für den Werra-Meißner-Kreis sein. Wenn nicht, wäre das ein herbes Erwachen aus einem goldenen Traum.

Eins ist sicher, Gebhard wird sich mit Verträgen sauber absichern. Es ist nicht das erste Projekt, dass er in Wanfried angeschoben hat. Und außerdem hat er die Stadt bereits über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt gemacht. Denn nur so haben Sie von Wanfried erfahren.

Mit projektierten Grüßen,Rainer HahneChefredakteur

P.s. Wie hat doch der Börsenpapst André Kostolany gesagt: "Wer viel Geld hat, kann spekulieren. Wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren. Wer gar kein Geld hat, muss spekulieren.”

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