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Die "gelben Engel" fliegen weiter

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Von: Rainer Hahne

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Gelbe Engel mit gestutzten Flügeln. Der Briefwechsel von Rainer Hahne an die Mitarbeiter des ADAC.

Sehr geehrte Mitarbeiter des ADAC, des größten deutschen Vereins,

auch in diesen Tagen sitzt Ihr in Euren gelben Autos, seid überall in Deutschland unterwegs und helft denjenigen Eurer 18 Millionen Mitglieder, die irgendwo mit ihrem Fahrzeug liegen geblieben sind oder es erst gar nicht starten konnten.

Auch ich war lange Mitglied in Eurem Verein – bis ich mir vernünftige Autos kaufen konnte, die auch im Winter ansprangen und deren Motoren auch längere Autobahnfahrten mühelos wegstecken. Bis dahin war es ein weiter Weg. Ich brauchte im Winter Hilfe, habe mir bei Euch auch mal eine neue Batterie gekauft. Und auf einsamer Landstraße wurde mir auch geholfen. Und immer habe ich mich bei Euch bedankt. Das erschien mir selbstverständlich, insbesondere im Hinblick auf die niedrigen Beiträge, die der Verein aufgerufen hat. Zur Zeit sieht das alles etwas anders aus. Nach Wulff und dem Bischof von Limburg steht jetzt der ADAC im Shitstorm der Medien.

Angefangen hat alles mit einem Pressemann, der bei der Autoumfrage einige Nullen angehängt hatte. Angeblich soll er sogar eine Marke von Rang 7 auf Rang 5 geschoben haben. Hätte der Mann davor Bestechungsgeld kassiert und hätte man ihm das beweisen können, wäre das in der Tat eine spannende Geschichte gewesen.

Aber so? Wen interessieren die Umfragen des ADAC? Aber allein die Nennung des Vereinsnamens hat ja ausgereicht, um die Klickzahlen im Internet hochschnellen zu lassen.

Also wurde nach der Masche, die schon bei Wulff und in Limburg so schön gezogen hat, nachgezogen. Da sollen ehrenamtliche Mitarbeiter des ADAC in Hubschraubern des Vereins geflogen sein. Welch ein Drama! Wenn deshalb ein Vereinsmitglied ohne Hilfe geblieben wäre, wäre das schlimm gewesen. Aber ist das passiert? Sie, liebe Mitarbeiter, sollen Prämien bekommen haben, wenn Sie Batterien verkauft haben. Auch ich habe mir eine gekauft. Ich habe nicht nachgemessen, ob mein gutes altes Stück nicht vielleicht doch noch funktioniert hätte. Ich war froh, dass ich so problemlos eine neue bekommen habe. Werkstattbesuch gespart.

Aktuell auf den Straßen geht es anders zu. Häme und Spott müsst Ihr ertragen, wenn Ihr zur Hilfe herbei eilt. Und natürlich Misstrauen. Aber so ist das eben. Ob Euer Verein dadurch Mitglieder verliert oder nicht, weiß auch niemand so genau. Nur im Verein wird es so richtig bei den Funktionären abgehen. Hoffentlich wird dadurch die Existenz der "gelben Engel" nicht gefährdet.

Mit hilfreichen Grüßen

Rainer HahneChefredakteur

P.s. Wulff wird noch im Februar frei gesprochen. Und der Bischof scheint auch nichts verbrochen zu haben – laut Focus.

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