Gelber Sack oder Tonne? Wie Nordhessen die Entsorgung regeln möchte

+
Schon wenn sie tagelang am Straßenrand lagern, sind sie ein Graus. Platzen die Gelben Säcke dann noch aus, ist eine  weitläufige Verschmutzung  garantiert. Wind und Autos tragen den Müll durch die Stadt. Rücksichtslos, wie die neuen Bäume an der Wilhelmshöher Allee als Sack-Sammelstelle genutzt werden. Besser da schon das Beispiel eines Drahtkorbes vor einem Mehrfamilienhaus (ebenfalls an der Wilhelmshöher Allee). Und weil Blumen viel schöner als Säcke anzuschauen sind, hat  sich eine Anwohner-Initiative im Königstor zur Bepflanzung einer Baumscheibe entschieden, die zuvor gerne für die Gelben Säcke genutzt wurde. Hoffentlich respektieren die Sack-Sünder die Blumeninsel.

Beim Thema „Gelbe Säcke“ sieht so mancher Nordhesse rot: Sind sie leer, bekommt man sie kaum – sind sie voll, weiß man nicht, wohin damit. Und leider reißen die Dinger leicht auf. Der verstreute Müll zieht Ratten an und verdreckt Städte und Gemeinden. Wie die nordhessischen Kreise mit der Problematik umgehen und was die Verbraucher unbedingt beachten sollten:

Kassel. Die Stadtreiniger Kassel sind von den Dualen Systemen, auf Grundlage einer Ausschreibung, mit der Sammlung der Gelben Säcke beauftragt worden (2018 bis 2020). Die Sammlung der so genannten „Leichtverpackungen“ hat entsprechend der Systembeschreibung, in Gelben Säcken, alle zwei Wochen zu erfolgen. Die Säcke sollen am Abfuhrtag bis 6.30 Uhr am Müllbehälterstandplatz der eigenen Mülltonnen stehen. Um den Abholtermin immer im Blick zu haben, gibt es bei den Stadtreiniger den individuellen Abfallkalender für jede Kasseler Adresse. Der Abfallkalender lässt sich über die Homepage der Stadtreiniger (www.stadtreiniger.de ) herunterladen oder wird auf Wunsch auch per Post zugestellt. Der Kunde kann sich auch per App (Müllappfuhr) oder Mail an den Abholtermin erinnern lassen.

Wir fragten bei Birgit Knebel, Pressesprecherin der Stadtreiniger nach, wo die Probleme mit den Gelben Säcken liegen: „Problematisch wird die Sammlung, wenn die Gelben Säcke nicht am Abfuhrtag herausgestellt werden, sondern zu einem beliebigen Zeitpunkt. Die Säcke stören die Stadtsauberkeit und das gesamte Stadtbild erheblich, ziehen möglicherweise Ungeziefer an und platzen auf oder werden vom Wind auf die Straßen getragen. In Folge entsteht ein erheblicher zusätzlicher Arbeitsaufwand für die Stadtreiniger. Das Abstellen von Gelben Säcken im öffentlichen Verkehrsraum außerhalb des Abfuhrtages stellt eine Ordnungswidrigkeit dar. Der Verursacher, soweit er ermittelt werden kann, hat die Reinigungs- und Verwaltungskosten zu tragen.

Wie stehen die Stadtreiniger zu einer Gelben Tonne als Ersatz für die Gelben Säcke? „Die Sammlung der Leichtverpackungen über Säcke ist aus Sicht der Stadtreiniger Kassel nicht mehr zeitgemäß. Sie fordern bereits seit geraumer Zeit von den Dualen Systemen eine Umstellung auf Behälter. Die Gelben Säcke samt ihrer negativen Begleiterscheinungen würden dann aus dem Stadtbild verschwinden und über die Gelben Tonnen wäre eine geordnete Entsorgung gewährleistet.“

Der Gelbe Sack und seine ständig wiederkehrenden Folgen (hier in der Kölnischen Straße in Kassel): Aufgetürmt am Straßenrand und aufgeplatzt als Magnet für Ratten und Ungeziefer.

Gelbe Tonne könnte in Kassel ab 2021 kommen

Das neue Verpackungsgesetz ist zum 1. Januar 2019 in Kraft getreten. Es räumt den Kommunen die Möglichkeit ein, die Umstellung des bestehenden Systems zur Sammlung von Leichtverpackungen auf ein neues Erfassungssystem mit den Dualen Systemen neu auszuhandeln. Die Dualen Systeme legen im Vorfeld einen Verhandlungsführer/Verhandlungsführerin fest. Für die Stadt Kassel eröffnet sich die Verhandlungsmöglichkeit zur Einführung einer Tonne, wenn die Dualen Systeme in 2020 die Ausschreibung für die Sammlung von Leichtverpackungen (2021 bis 2023) vorbereiten. Bei einem positiven Verhandlungsergebnis könnte die Gelbe Tonne ab 2021 in Kassel flächendeckend aufgestellt werden.

Bereitstellungstonne

Die Stadtreiniger Kassel bieten bereits seit 2015 die Bereitstellungstonne (mit gelben Deckel) an. Sie fasst 240 Liter und kostet einmalig 55 Euro. Den Behälter holen die Stadtreiniger vom Grundstück, leeren ihn und stellen ihn wieder zurück. Für Mehrfamilienhäuser gibt es die 1.100 Liter Tonne zum einmaligen Preis von 190 Euro, den bereits viele Wohnungsbaugesellschaften nutzen.

Saubere Lösung: Zwei Bereitstellungstonnen an der GWG-Wohnanlage in Waldau, Breslauer Straße.

GWG-Geschäftsführer Peter Ley schätzt die Bereitstellungstonne

 Die GWG ist die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Kassel und größter Anbieter von Wohnraum in der Stadt. Im Kasseler Stadtgebiet bewirtschaften sie 8.473 Mietwohnungen, 1.134 Garagen/Stellplätze sowie 97 Gewerbeeinheiten. Wir sprachen mit GWG-Geschäftsführer Peter Ley, der vor der Einführung der Bereitstellungstonne mit gelben Deckel erhebliche Probleme mit dem gelben Sack (DSD) in den Wohnanlagen sah. Peter Ley: „Das Hauptproblem war, dass die gelben Säcke selbst bei ordnungsgemäßer Befüllung und Bereitstellung zur Abholung, insbesondere an stürmischen Tagen, auf die Straße geweht und von Kraftfahrzeugen überrollt wurden. Durch die Beschädigung des gelben Sackes verteilte sich der Inhalt dann auf der Straße, dem Bürgersteig und in unseren Wohnanlagen. Ein weiteres Problem bestand darin, dass unsere Kunden nicht am frühen Morgen des Abholtages, sondern bereits am Vorabend den gelben Sack bereitstellten. Ratten, Waschbären und Katzen haben dann in den Behältnissen des gelben Sackes nach Nahrung gesucht. Dazu wurde der gelbe Sack aufgerissen und der Inhalt verteilte sich in der Fläche. Alle Versuche, dies durch metallene Behälter, Gitterboxen u. ä. zu verhindern, führten zu keinem nachhaltigen Erfolg. Erst mit Einführung der Bereitstellungstonne konnte dieses Problem zu unserer vollsten Zufriedenheit gelöst werden. Aufgerissene Säcke, Verunreinigungen und Anlockung von Tieren gehören seitdem der Vergangenheit an. Das Erscheinungsbild unserer Wohnanlagen wird nicht länger durch die gelben Säcke oder entsprechende Behältnisse negativ geprägt. Die Bereitstellungstonne ist Bestandteil unseres Entsorgungssystems und steht mit der Restmüll- und der Altpapiertonne auf einem gemeinsamen Mülltonnenstellplatz, der zusätzlich zur Müllabfuhr regelmäßig von den Stadtreinigern Kassel kontrolliert und gereinigt wird. Alles in allem ist die Bereitstellungstonne eine gelungene Maßnahme und ein positiver Beitrag zur Verbesserung des Erscheinungsbildes unserer Wohnanlagen. Da durch diese Maßnahme auch die Akzeptanz der Entsorgung der Wertstoffe gestiegen ist, können wir eine verstärkte Trennung des Restmülls von dem Inhalt der gelben Säcke feststellen. So hat sich seit Einführung der Bereitstellungstonne das Befüllungsvolumen nahezu verdoppelt. Aufgrund der positiven Erfahrungen werden wir in diesem Jahr erstmalig den gelben Sack in das Niederflurentsorgungssystem integrieren.“

Landkreis Kassel: SPD will Einführung eines gelben Abfallbehälters prüfen lassen

Landkreis Kassel.Mit einem Antrag zur Kreistagssitzung am 28. Februar will die SPD-Fraktion im Landkreis Kassel die Einführung einer gelben Abfalltonne prüfen lassen. Der Kreisausschuss solle prüfen, ob die Abschaffung der gelben Säcke und die Einführung einer gelben Tonne für den Landkreis Kassel sinnvoll ist. Seit Jahresbeginn ist ein neues Verpackungsgesetz in Kraft, mit dem Verpackungsmüll vermieden und möglichst viele Wertstoffe recycelt werden sollen. Mit dem in Kraft treten des Verpackungsgesetzes zum 1. Januar 2019 müssen in allen Gebietskörperschaften neue Abstimmungsvereinbarungen, nach Ablauf der Vertragslaufzeiten, verhandelt werden. „Im Rahmen dieser Verhandlungen macht es Sinn zu prüfen, ob im Landkreis Kassel eine Tonne anstelle bisher gelber Säcke eingeführt werden kann“, so der Fraktionschef Dieter Lengemann. Sicherlich gäbe es Vor- und Nachteile, die rechtzeitig und sorgsam abgewogen werden müssten. Fakt sei jedoch, dass es immer wieder zu Beschwerden komme, weil die Säcke im Außenbereich bei Wind umherfliegen und Tiere öfters die Säcke aufrissen.

Schon im Jahr 2013 hatte der Landkreis den Gelben Sack auf die Probe gestellt. In einem Versuch mit 35 Probanden wanderte der Inhalt direkt in die „normale“ Tonne. Das Ergebnis: Erstaunlich gut, denn auch die Trocken-Abfälle der sogenannten „grauen Wertstofftone“ ließen sich gut sortieren und recyclen. „Die Erfahrung habe gezeigt, dass die Trennung von Biomüll und Papier vom restlichen anfallenden Abfall funktioniert“, so die damaligen Vize-Landrätin Susanne Selbert. Weitere Trennungsvorgaben für den Restmüll hätten allerdings keine verbesserte Recyclingqualität ergeben. Über 30 Prozent der Inhalte des Gelben Sacks seien sogenannte „Fehlwürfe“ und im Restmüll finde sich dauerhaft ein bis zu 50-prozentiger Anteil von Verpackungsabfällen. An dieser „Fehlwurfquote“ habe auch die intensive Öffentlichkeitsarbeit zur Getrenntsammlung von Verpackungsmaterial im Gelben Sack in den letzten fast 20 Jahren nichts geändert. Es gelte das Wertstoffpotenzial durch eine qualitativ gute Restabfallsortierung zu sichern. „Viele Verbraucher wissen nicht, dass Restmüll- und Gelbe Säcke vom Landkreis in die selbe Sortieranlage gebracht werden“, erklärt Kreissprecher Harald Kühlborn. Trotz der guten Ergebnisse des damaligen Modellversuchs werde mit dem entsprechenden Votum des Kreistages der Auftrag nun ein anderer sein: „Wir werden dann für die Einführung der Gelben Tonne in verhandlungen treten“, erklärt Kühlborn das Prozedere.

Schwalm-Eder: Abfallwirtschaft Lahn-Fulda plant Umstellung 2020

Schwalm-Eder. Der Gelbe Sack hat im Schwalm-Eder-Kreis keine Zukunft. Das bestätigt Dr. Peter Zulauf, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft Lahn-Fulda (ALF), der auch der Zweckverband Abfallwirtschaft Schwalm-Eder angehört (ZVA), auf EXTRA TIP-Anfrage. „Seit 1. Januar 2019 gilt ein neues Verpac-kungsgesetz. Aus diesem Grund müssen neue Abstimmungsvereinbarungen zwischen den Gebietskörperschaften und den Dualen Systemen getroffen werden“, erklärt Zulauf.

Während bei der Entsorgung des Altglases und des Altpapiers nahezu alles beim Alten bleiben soll, strebt die ALF bei der Entsorgung der Leichtverpackungen gravierende Änderungen an. „Nach unseren Vorstellungen soll der Gelbe Sack zum Jahresbeginn 2020 abgeschafft und durch die Gelbe Tonne ersetzt werden“, sagt der ALF-Geschäftsführer. Der Umweltaspekt spiele bei der Umstellung eine große Rolle. „Es werden jährlich mehrere Millionen Gelbe Säcke im Schwalm-Eder-Kreis ausgegeben, die wiederum auch Müll sind. Das wollen wir künftig vermeiden“, betont Zulauf. Zudem könne so vermieden werden, dass Mader und Waschbären im Müll wühlen.

Statt bisher alle vier Wochen, solle die Tonne im 14-tägigen Rhythmus geleert werden. Je nach Haushaltsgröße werde es Tonnen mit 120 und 240 Litern Fassungsvermögen geben. „Ausnahme ist der innerstädtische Bereich, wie zum Beispiel in der Fritzlarer Altstadt. Hier fehlt der Platz, um die Tonnen stellen zu können, weshalb die Entsorgung weiter über den Gelben Sack erfolgt“, so Zulauf.

Allerdings stünde noch die Rückmeldung der Dualen Systeme aus. „Es müssen noch Gespräche geführt werden. Wir wissen noch nicht, welches System künftig im Schwalm-Eder-Kreis zuständig sein wird“, sagt der Geschäftsführer und gibt zu bedenken: „Es wird langsam Zeit, wenn die Umstellung zum Jahresbeginn 2020 erfolgen soll. Die Ausschreibung für die Entsorgungsbetriebe müsste eigentlich schon raus sein.“

Werra-Meißner-Kreis: Es bleibt wie’s ist

Werra-Meißner. Im Werra-Meißner-Kreis sind - abgesehen von Sontra, Eschwege und Witzenhausen - alle Städte teil des Abfallzweckverbandes. „Es gab auch bei uns Wünsche nach einer Gelben Tonne aus den Kommunen. Nach der Abwägung der Vor- und Nachteile haben wir uns aber für die nächsten drei Jahre dagegen entschieden. Wir werden beobachten, wie die Entwicklung in Eschwege ist und in drei Jahren dann neu entschieden“, erklärte Friedhelm Junghans, Vorsitzender des Abfallzweckverbands. In Eschwege selbst prüft man derzeit noch, wie hoch die Kosten für die Gelbe Tonne gegenüber des aktuellen Modells wären. Uwe Schäffer, Leiter des Eschweger Bauhofes: „Wir wollen den Beschluss der Stadtverordnetenversammlung umsetzen, und haben ein erstes Vorgespräch mit dem Systembetreiber, vertreten durch die Firma Interseroh geführt. Die Umstellung wäre frühestens im Jahr 2020 möglich.“ Zahlen zu den möglichen Kosten konnte Schäfer noch nicht nennen. In Witzenhausen wird man am bisher bestehenden Gelben Sack festhalten. „Die Abfuhr der Gelben Säcke funktioniert gut, Beschwerden gibt es, aber wenige. Das Material dürfte stärker sein“, erklärt Tamara Bleßmann von der Stadtverwaltung Witzenhausen. Im Werra-Meißner Kreis wird es vorläufig keine Gelbe Tonne geben. Lediglich in Eschwege könnte es frühestens ab 2020 zur Einführung kommen. Wie wahrscheinlich das jedoch ist, kann man derzeit nicht sagen.

Hann. Münden: Bisher bleibt es nur ein Gedanke 

Hann. Münden. Laut Ulrich Lottmann, Pressesprecher des Landkreises Göttingen gibt es immer mal wieder Überlegungen, das bisherige System der Säcke, zu verändern, etwa in Richtung einer Wertstofftonne. Derzeit gebe es aber keine aktuellen Ansätze oder Überlegungen. Wie in den meisten Regionen des Verbreitungsgebietes, werden auch in Hann. Münden die Säcke turnusmäßig abgeholt, dies geschehe durch einen Drittanbieter. Somit wird es auch in Hann. Münden vorläufig keine Änderung des Systems geben. (cho)

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Polizei sucht Zeugen: Elektrorollstuhl aus Hausflur gestohlen

Am Wochenende wurde im Kasseler Stadtteil Helleböhn ein 2700 Euro teuer Elektrorollstuhl gestohlen. Da die Besitzerin auf diesen angewiesen ist, bittet die Polizei um …
Polizei sucht Zeugen: Elektrorollstuhl aus Hausflur gestohlen

Unfallstelle gesucht: Polizei stoppt Alkoholfahrt und findet frische Unfallspuren

Eine 49-Jährige Autofahrerin wurde am Montagabend kontrolliert und pustete einen Wert von über 1 Promille. Dabei fielen frische Unfallspuren am Auto auf und die Polizei …
Unfallstelle gesucht: Polizei stoppt Alkoholfahrt und findet frische Unfallspuren

Polizei sucht Zeugen: Ein E-Bike gestohlen, anderes sichergestellt

Während zwischen Sonntagabend und Montagmorgen ein E-Bike in der Hardenbergstraße gestohlen wurde, tauchte ein anderes im Hinterhof  einer Innenstadt-Gaststätte auf. Die …
Polizei sucht Zeugen: Ein E-Bike gestohlen, anderes sichergestellt

Polizei kracht gegen Kanaldeckel und ermittelt: Zeugen gesucht

Am Samstagabend hoben Unbekannte im Kasseler Stadtteil Vorderer Westen einen Kanaldeckel aus der Verankerung und stellten diesen hochkant auf. Eine Streife des …
Polizei kracht gegen Kanaldeckel und ermittelt: Zeugen gesucht

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.