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Geld gegen Pfand: Kasseler Zentral-Pfandleihhaus weiter geöffnet

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Von: Ulf Schaumlöffel

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Wertgegenstände gegen Bares: Pfanddarlehen bieten schnelle Hilfe in wirtschaftlichen Krisen. Aus Sicherheitsgründen trennt eine Panzerglasscheibe Zentral-Pfandleihhaus von Sabine Hirschmann (re.) den Kunden- und Pandleiherraum. © Privat

Pfandleihbetriebe sind nach der 4. Verordnung zur Bekämpfung des Corona-Virus den Banken und Sparkassen gleichgestellt.

Kassel. Die meisten Läden in der Kasseler Innenstadt sind aufgrund der Corona-Krise geschlossen. Weiterhin geöffnet ist das Zentral-Pfandleihhaus in der Rudolf-Schwander-Straße/Ecke Scheidemannplatz. Wer kurzfristig ein Darlehen benötigt, kann statt zur Bank auch ins Leihhaus gehen. Mit einem Pfand lassen sich finanzielle Engpässe schnell und unbürokratisch überbrücken.

Denn: Pfandleihbetriebe sind nach der 4. Verordnung zur Bekämpfung des Corona-Virus den Banken und Sparkassen gleichgestellt. Diese soll insbesondere in solchen Fällen sichergestellt werden, in denen kein regelmäßiges Einkommen erzielt wird oder es zu Verzögerungen beim Eingang von Lohn, Gehalt oder anderen Einkünften (z.B. Kurzarbeitergeld) während der Pandemie kommen könnte.

Nur Darlehen, kein Verkauf

Deshalb darf auch Sabine Hirschmann ihr Geschäft weiterbetreiben. Allerdings mit Einschränkungen. „Im Pfandleihhaus dürfen ausschließlich nur Kredite gegen Faustpfand gewährt werden. Also das übliche Pfandleihgeschäft. Die Beleihung von Schmuck, Uhren, Münzen oder Medaillen, Technik usw. gegen Bargeld. In Zeiten der Pandemie darf kein Verkauf von Schmuck und Uhren stattfinden“, erklärt Hirschmann. Einen erhöhten Ansturm von Kunden aufgrund der Krise kann die Pfandleihhaus-Betreiberin noch nicht feststellen.

Zur Klientel gehören alle Gesellschaftsschichten. Das schnelle Geld lockt die Kunden. Hinter verstärktem Glas bis zur Decke hoch – ähnlich wie in einer Bank – nehmen Sabine Hirschmann und ihre Mitarbeiter Schmuck entgegen, der dem Besitzer aus der finanziellen Not helfen soll. So unterschiedlich wie die Kreditsummen (die in bar über den Ladentisch geschoben werden) sind auch die angebotenen Wertsachen – und die Kunden. Dabei sind die Nöte der Kunden im Zentral-Pfandleihhaus in der Rudolf-Schwander-Straße ebenfalls sehr unterschiedlich. „Die einen versetzen ihren Schmuck, um für ihren Lebensunterhalt sorgen zu können. Andere wiederum beleihen ihn, um sich Luxus finanzieren zu können und es schätzen, in einem Pfandleihhaus Kredit zu bekommen, ohne dabei gläsern zu sein, wie bei einer Bank“, sagt Hirschmann, die seit fast 20 Jahren in der Branche tätig ist.

Im Jahr 2011 machte sich die gelernte Bankkauffrau mit dem zweitältesten Gewerbe der Welt selbstständig und ist auf Schmuck und Uhren spezialisiert. „Ich habe gelernt, dass man sich nur auf Dinge spezialisieren sollte, die man kennt.“ Allerdings macht sie bei Technikgeräten wie Handys und Laptops eine Ausnahme. „Die können bei mir auch beliehen werden.“ Beleihen heißt in dem Fall: Die Gegenstände werden bewertet und die Kunden bekommen dafür eine Summe als Kredit angeboten. Bejahen sie das Pfandleihangebot, bekommen sie das Geld und einen Pfandschein. In einer vertraglich geregelten Frist können sie ihre Waren wieder auslösen (Darlehenssumme plus Zinsen und Gebühr für Versicherung und Verwahrung). Andernfalls kommt es zur öffentlichen Versteigerung, „aus der die Kunden den Mehrerlös ausgezahlt bekommen“, sagt Sabine Hirschmann.

Die Hemmschwelle beim Gang ins Leihhaus sei gesunken: „Das ist heute für viele ein normales Geschäft. Der Personalausweis genügt dabei, eine weitere Prüfung der Kreditwürdigkeit ist nicht nötig. Allerdings frage ich auch mal nach, wenn mir etwas nicht geheuer vorkommt. Wenn ein 18-Jähriger mit einem teuren Ring kommt und er mir nicht plausibel erklären kann, wo er den Ring her hat, würde ich das Geschäft ablehnen. Der Beruf von Sabine Hirschmann hat viel mit Gefühlen zu tun. Und wenn die ins Spiel kommen, dann gibt es oft keine Grenzen mehr. Vom Wutausbruch über Tränenflut bis hin zu Fußtritten gegen das Mobiliar habe ich schon alles erlebt“, berichtet die Pfandleihhaus-Eigentümerin. Aber gerade das mache den Beruf auch wiederum reizvoll. Man wisse nie, was als nächstes kommt. „Wenn ein Kunde sein Gebiss auf den Tresen legt oder seine Schuhe beleihen möchte und das Verständnis dafür zu fehlen scheint, warum man manche Dinge nicht beleihen kann, erfordert das neben Durchsetzungs- auch Einfühlungsvermögen.“

Aufräumen möchte Hirschmann mit dem Vorurteil, dass Pfandleiher Abzocker seien. „Bei uns geht es zu, wie in anderen Dienstleistungsunternehmen. Wir unterliegen strengen staatlichen Auflagen und werden überwacht.“ Verschwiegenheit sei dagegen Ehrensache und eine wichtige Voraussetzung. Geöffnet ist das Zentral-Pfandleihhaus von Montag bis Freitag von 10-18 Uhr.

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