Gemälde in Kasseler Galerie mit Messer attackiert

Arya Atti vor einem der zerschnittenen Gemälde
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Arya Atti vor einem der zerschnittenen Gemälde

Polizei rätselt über Hintergrund und ermittelt in alle Richtungen

Kassel. Böse Überraschung für die in Kassel lebende syrische Künstlerin Arya Atti. Als sie am Samstagnachmittag kurz vor der Eröffnung einer neuen Ausstellung in ihre Kunstgalerie Violett an der Wilhelmshöher Allee 63 kam, musste sie feststellen, dass acht Werke von ihr und zwei des Künstlers Andreas Rosental beschädigt waren. Mit jeweils einem einzigen langen, kräftigen Schnitt hatte der Täter die großformatigen Gemälde geteilt. Auffällig: Es wurden nicht alle Bilder zerstört, sondern nur ausgesuchte in verschiedenen Räumen und dem Lager sowie in der Mehrzahl Werke von Arya Atti. Die Werke des dritten ausgestellten Künstlers, Elias Ayoub, blieben verschont.Den Vandalismus öffentlich gemacht hatte Ludwig Möller, der das Bildungsprogramm Moving School gegründet hat und der zu Zeit mit Atti an einem Projekt, das im documenta-Sommer gezeigt werden soll, zusammenarbeitet. In den sozialen Medien bittet er nun um Unterstützung für die Künstlerin.

Die Polizei bestätigt Ermittlungen in alle Richtungen ohne bislang jedoch einen konkreten Tatverdacht zu haben. Polizeisprecher Matthias Mänz: „Es kann sein, dass jemand aus religiösen oder kulturellen Gründen gehandelt hat oder dass private Streitigkeiten eine Rolle spielen“. Ebenso könne zum aktuellen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden, dass die Kunstwerke von jemandem zerstört worden sind, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Die Polizei gibt an, weder an der Eingangstür noch am Hintereingang Einbruchsspuren gefunden zu haben.

Arya Attis Bilder sind größtenteils Selbstporträts. „In ihnen verarbeite ich auch meine persönliche Geschichte“, so die Künstlerin, die 2015 aus Syrien geflüchtet ist und seitdem in Deutschland lebt. Sie hat jetzt die Schnitte in den Leinwänden von der Rückseite aus zu flicken versucht. Versichert sind ihre großformatigen Kunstwerke nicht. Doch für eines der beschädigten Bilder, hätten sich schon Interessenten gemeldet, die das Bild auch mit dem Schnitt kaufen würden. Ein kleines positives Zeichen, ebenso wie die Unterstützung und der Zuspruch, welcher der Künstlerin entgegen gebracht wird. „Das ist für mich eine sehr kostbare Erfahrung“, sagt Arya Atti. Die Angst ist allerdings geblieben; deshalb hält sie sich nicht mehr alleine in ihrer Galerie auf.Die Ausstellung wird trotz des Anschlags wie geplant bis zum 5. Mai zu sehen sein.

Die Zerstörung der Bilder bzw. das Eindringen in die Galerie muss sich nach Angaben der Künstlerin am Samstag zwischen 12 und 13 Uhr abgespielt haben. Die Polizei bittet Zeugen, die etwas beobachtet haben, sich unter der Nummer 05 61 / 91 00 zu melden.

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