Geschlagen und gedemütigt

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Kassel. 120 Frauen suchten im vergangenen Jahr Schutz im Frauenhaus Kassel. Nicht alle können aufgenommen werden.

Kassel. Am 25. November ist "Internationaler Tag gegen Gewalt gegen Frauen". Noch viel zu oft werdenFrauen Opfer von Gewalt. Aus diesem Anlass sprach lokalo24.de mit Olesja Mikhaldyko vom Autonomen Frauenhaus Kassel. 120 Frauen haben hier im vergangenen Jahr Zuflucht gesucht, Tendenz steigend. Die Einrichtung, deren Adresse geheim ist, bietet 32 Plätze sowie acht Notbetten.

Frau Mikhaldyko, welche Formen der Gewalt haben die Frauen erlebt, die Sie  aufnehmen?Häusliche Gewalt hat viele Gesichter. Das sind nicht nur die Frauen, die von ihren Männern grün und blau geschlagen werden. Auch seelische und sexualisierte  Gewalt oder Zwangsheirat sind Gründe, warum Frauen fliehen.  Auch der Anteil junger Frauen aus Rumänien und Bulgarien, die verkauft und zur Prostitution gezwungen werden, hat extrem zugenommen.

Ist häusliche Gewalt ein Problem sozial schwacher Schichten?Nein, das ist ein Irrglaube. Häusliche Gewalt kommt in den besten Familien vor. Es kann die Arztgattin genauso treffen wie die Hartz-IV-Empfängerin.

Wie helfen sie diesen Frauen?Indem wir sie schützen, beraten und begleiten, etwa bei Behördengängen oder der Wohnungssuche.  Viele Frauen brauchen psychologische Hilfe, weil sie schwer traumatisiert sind.

Die deutschen Frauenhäuser kämpfen seit Jahren um eine bessere Finanzierung. Was muss sich ändern?Vieles. Wie fast alle  Frauenhäuser werden auch wir über Tagessätze finanziert, d.h. die Kosten für den Aufenthalt werden auf die einzelnen Frauen umgelegt. Die Frau muss  die Kosten selbst tragen, wenn sie keinen Anspruch auf Sozialleistungen hat.  Rentnerinnen, Studentinnen, Frauen aus Neu-EU-Ländern oder Migrantinnen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus haben dadurch quasi keinen Zugang zu Schutz und Hilfe. Wir fordern, dass alle Frauenhäuser als Einrichtung verlässlich finanziert werden.

Kommt es vor, dass sie Frauen abweisen müssen?Leider ja. Im Monat November mussten wir zwei bis vier Frauen täglich wegschicken, weil wir voll belegt waren. Das darf nicht sein. Wir brauchen mehr Geld für mehr Plätze. Alle von Gewalt betroffenen Frauen und ihre Kinder müssen schnelle und unbürokratische Hilfe in einem Frauenhaus erhalten können.

Das Frauenhaus Kassel ist 24 Stunden erreichbar unter Tel. 0561-89 88 89.

Geldspenden bitte an:Frauenhaus Kassel e.V.Sparda-Bank Hessene.G.BLZ 500 905 00, Kto 177 5717

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