Geschlossene Geschäfte: Wie sich die Krise auf Einzelhändler auswirkt

+
Leere Innenstadt: Damit die Ausbreitung des Coronavirus verlangsamt wird, haben nun auch zahlreiche Einzelhändler geschlossen.

Damit sich das Coronavirus langsamer ausbreitet, mussten auch Geschäfte in der Kasseler Innenstadt schließen. Alexander Wild (City-Kaufleute) hat mit uns über die Situation gesprochen und die IHK liefert acht Tipps, wie Unternehmen bei finanziellen Problemen reagieren können.

Kassel. Zuerst wurden Veranstaltungen abgesagt, dann stellten Kinos und Diskotheken den Betrieb ein. Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, schlossen nach den Schulen und Kitas schließlich die nicht versorgungsrelevanten Geschäfte in der Innenstadt. Ein Szenario, wie man es bislang nur aus Filmen kannte.

„So eine Situation wie jetzt hatten wir ja noch nie, für Händler sind es die schlimmsten Umstände seit dem Zweiten Weltkrieg“, sagt Alexander Wild von den City-Kaufleuten. Der Vorsitzende der Einzelhändlergemeinschaft der Kasseler Innenstadt empfindet die aktuelle Lage persönlich als sehr aufwühlend. Unzählige Anrufe und E-Mails gehen täglich bei ihm ein, die 70 Mitglieder der Einzelhändlergemeinschaft sind enorm verunsichert und fürchten die schließungsbedingten finanziellen Verluste.

„So belastend die Situation ist, so stark kommunizieren die Händler untereinander und wir hatten bereits Gespräche mit dem Oberbürgermeister“, erklärt der Inhaber der Versicherungsagentur Wild & Partner. Demnach müssen die Ladenlokale zwar geschlossen bleiben, es sei den Händlern aber überlassen ihre Waren nach telefonischer Bestellung an die Kunden auszuliefern.

„Ob das realistisch und möglich ist, bleibt abzuwarten“, meint Alexander Wild und ergänzt: „Die vielen Informationen werden von der Stadt aber super aufgearbeitet, kommuniziert und auf den aktuellen Stand gebracht.“ Von Händlerkollegen aus anderen Städten habe Wild gegenteiliges gehört, diese müssten sich sämtliche Informationen selbst beschaffen.

Diese Läden bleiben geöffnet: Nicht geschlossen wird der Einzelhandel für Lebensmittel, Wochenmärkte, Lieferdienste, Getränkemärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Tankstellen, Banken und Sparkassen, Poststellen, Frisöre, Reinigungen, Waschsalons, den Zeitungsverkauf, Bau-, Gartenbau- und Tierbedarfsmärkte und der Großhandel.

Was Unternehmen aktuell tun können

Die IHK Kassel-Marburg hat bereits wichtige Ansprechpartner und Inhalte, die fortlaufend aktualisiert werden, zusammengestellt und liefert acht Tipps, wie Unternehmen bei finanziellen Problemen reagieren können:

 

1. Stellen Sie einen Antrag auf Herabsetzung der Vorauszahlungen bei Ihrem Finanzamt.

Sprechen Sie hierzu mit Ihrem Steuerberater oder stellen Sie selbst den Antrag. Das hessische Finanzministerium hat die Finanzämter sensibilisiert, Anträge zügig zu prüfen. Die entsprechenden Formulare finden Sie unter www.elster.de im Bereich „Formulare und Leistungen“ in der Rubrik „Alle Formulare“.

2. Beantragen Sie die Stundung von Steuerzahlungen.

Das hessische Finanzministerium hat die Finanzämter sensibilisiert, Stundungen zügig zu prüfen. Es will sich auch auf Bundesebene dafür verwenden, den Zinssatz für Stundungen zu verringern. Eine Übersicht der hessischen Finanzämter finden Sie unter https://finanzamt.hessen.de/Finanzaemter

3. Informieren Sie sich über die finanziellen Förderprogramme.

Einige der hessischen Förderprogramme können eingesetzt werden, um Liquiditätsengpässe zu überbrücken, die aufgrund von Umsatzausfällen von Unternehmen wegen des Corona-Virus entstehen. Sofern zur Überbrückung Kredite notwendig werden, vergibt diese die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WIBank) bzw. werden diese von der Bürgschaftsbank Hessen besichert. Zur Antragstellung muss die Hausbank oder eine andere durchleitende Bank eingeschaltet werden. Im Gespräch sind neue Förderprogramme, die direkt über die Förderbanken beantragt werden können. Auf den jeweiligen Internetseiten unter www.wibank.de/corona sowie www.bb-h.de finden Sie weiterführende Informationen sowie Ansprechpartner.

Für kleine Unternehmen aus dem gewerblichen Bereich und freiberuflich Tätige: Über das Förderprogramm Kapital für Kleinunternehmen (KfK) der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WIBank) können kleine Unternehmen im Bereich der gewerblichen Wirtschaft (einschließlich gewerblich tätiger Sozialunternehmen) und freiberuflich Tätige mit bis zu 25 Mitarbeitern und 5 Millionen Euro Jahresumsatz Darlehen zwischen 25.000 und 150.000 Euro erhalten, die von der Hausbank um mindestens 50 Prozent aufgestockt werden. Für dieses Förderdarlehen sind keine banküblichen Sicherheiten notwendig.

- Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit bis zu 250 Mitarbeitern und 50 Millionen Euro Umsatz können über das Förderprogramm Gründungs- und Wachstumsfinanzierung Hessen (GuW) Betriebsmittelkredite bis 1 Millionen Euro erhalten.

Auch der Bund hat einen Schutzschild für Betriebe und Unternehmen errichtet. Bestehende Förderprogramme der KfW wurden durch Haftungsfreistellungen und Erhöhung des Kreditvolumens bereits angepasst.

Achtung: Für Unternehmen, die krisenbedingt vorübergehend in ernsthaftere Finanzierungsschwierigkeiten geraten sind und daher nicht ohne Weiteres Zugang zu den bestehenden Förderprogrammen haben, sollen zusätzliche Sonderprogramme für alle entsprechenden Unternehmen bei der KfW auflegt werden. Mehr Infos unter www.bmwi.de

4. Welche Bürgschaften kommen in Frage?

Mit einer Bürgschaftsquote von bis zu 80 Prozent bietet die Bürgschaftsbank Hessen in Zusammenarbeit mit dem Land Hessen Bürgschaften bis 2,5 Millionen an. Hinzu kommen Express-Bürgschaften für Kredite bis zu 300.000 Euro sowie Landesbürgschaften in der Regel über 1,25 Millionen Euro speziell für den Mittelstand. www.bb-h.de.

5. Stellen Sie einen Antrag auf Kurzarbeitergeld. 

Unter Kurzarbeit versteht man das vorübergehende Verkürzen oder Einstellen (“Kurzarbeit Null”) der betriebsüblichen normalen Arbeitszeit, die sich auf den gesamten Betrieb oder bestimmte organisatorisch abgrenzbare Teile eines Betriebes erstreckt. Kurzarbeitergeld kann Arbeitsplätze sichern und hilft, die Personalkosten zu reduzieren. Die Kurzarbeiterregelung wurde zielgerichtet angepasst. Dabei wurden erleichterte Zugangsvoraussetzungen für das Kurzarbeitergeld eingeführt, wie die Absenkung des Quorums der von Arbeitsausfall betroffenen Beschäftigten im Betrieb auf bis zu 10 %, der teilweise oder vollständige Verzicht auf Aufbau negativer Arbeitszeitsalden, Kurzarbeitergeld auch für Leiharbeitnehmer, sowie die vollständige Erstattung der Sozialversicherungsbeiträge durch die Bundesagentur für Arbeit. Onlineanträge können gestellt werden unter https://www.arbeitsagentur.de/news/kurzarbeit-wegen-corona-virus

6. Bei Tätigkeitsverbot: Beantragen Sie eine Entschädigung beim Gesundheitsamt.

Wird aufgrund des Infektionsschutzgesetzes eine Quarantäne für Selbstständige oder Arbeitnehmer angeordnet und kommt es deswegen zu einem Verdienstausfall, kann eine Entschädigung beim Gesundheitsamt beantragt werden. Auf dem Portal der Hessischen Verwaltung finden Sie Informationen rund um die Entschädigung (Verfahrensablauf, benötigte Unterlagen, Fristen, Voraussetzungen usw.): https://service.hessen.de/html/Infektionsschutz-Entschaedigung-bei-Taetigkeitsverbot-7023.htm

7. Beantragen Sie die Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen. Ansprüche auf den Gesamtsozialversicherungsbeitrag können gestundet werden, wenn die sofortige Einziehung mit erheblichen Härten für das Unternehmen verbunden wäre und der Anspruch durch die Stundung nicht gefährdet wird. Die Stundung setzt einen entsprechenden Antrag des Unternehmens voraus, wobei das Vorliegen der jeweiligen Voraussetzungen zu belegen ist. Über den Antrag entscheidet die Krankenkasse als zuständige Einzugsstelle nach pflichtgemäßem Ermessen. Bitte wenden Sie sich direkt an Ihre Krankenkasse.

8. Sprechen Sie mit Ihrer Versicherung. Sie haben eine Betriebsausfallversicherung? Sprechen Sie umgehend mit Ihrem Versicherungsmakler beziehungsweise Ihrem Versicherer, welche Anträge gestellt werden müssen und wie die Versicherung greift.

Weitere Informationen zu alles Punkten unter www. ihk-kassel.de

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Gahrmann: „Können es nur schaffen, wenn wir Teamplayer sind“

Ein ehemaliger Kasseler berichtet über die sich immer mehr zuspitzende Situation in New York
Gahrmann: „Können es nur schaffen, wenn wir Teamplayer sind“

Polizei appelliert: Trotz schönem Wochenende weiterhin zuhause bleiben

Ein schönes Wochenende steht vor der Tür, die hessischen Osterferien beginnen und viele Menschen werden sich fragen, was sie in Zeiten von Corona noch unternehmen können.
Polizei appelliert: Trotz schönem Wochenende weiterhin zuhause bleiben

Kasseler mit drei Messern bewaffnet: Räuber muss nach Diebstahl ins Gewahrsam

Ein 41-jähriger Ladendieb sorgte für Aufsehen vor einem Lebensmittelgeschäft auf der Friedrich-Ebert-Straße
Kasseler mit drei Messern bewaffnet: Räuber muss nach Diebstahl ins Gewahrsam

Corona-Kontaktverbot: Intensive Kontrollen am Wochenende und in Osterferien in Kassel

Je nach Schwere des individuellen Verstoßes sind Bußgeldzahlungen bis zu 5.000 Euro vorgesehen.
Corona-Kontaktverbot: Intensive Kontrollen am Wochenende und in Osterferien in Kassel

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.