Geschunden, gequält, getötet: RP listet 111 Vergehen gegen Tierschutzgesetz in Nordhessen auf

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Auch bei den gelisteten Vergehen gegen das Tierschutzgesetz dabei: Der Fall aus dem Schwalm-Eder-Kreis, wo eine Frau ihre Ponys vernachlässigte.

Verwahrloste Ponys, geschächtete Schafe und gequälte Haustiere: Das Kasseler Regierungspräsidium listet für das vergangene Jahr 11 Vergehen gegen das Tierschutzgesetz in der Region auf. In den meisten Fällen wurden Bußgelder gegen die Tierhalter verhängt – doch auch die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Region. 111 gemeldete Verstöße und Straftaten – das ist die Bilanz des Kasseler Regierungspräsidiums aus dem vergangenen Jahr. Was sich in der Mitteilung als nackte Zahlen darstellt, ist beim genaueren Hinsehen eine Liste des Grauens. Nicht nur Tierfreunden läuft hier ein kalter Schauer über den Rücken, liest man, was Haus- und Nutztieren durch den Menschen angetan wurde.

Zum Teil sind die Verstöße gegen das Tierschutzgesetz so krass, „dass elf dieser Fälle als Straftaten gewertet wurde, die vor den Amtsgerichten verhandelt wurden oder noch verhandelt werden“, wie Michael Conrad, Pressesprecher des Regierungspräsidiums Kassel, mitteilt.

So muss sich demnächst ein Tierhalter aus dem Werra-Meißner-Kreis vor dem Amtsgericht Eschwege verantworten, der durch durch nicht art- und bedarfsgerechte Ernährung, Pflege und Unterbringung zwei Pferden, drei Rindern, drei Ziegen, einem Schaf und einem Esel ohne einen vernünftigen Grund länger anhaltende erhebliche Leiden und Schäden zugefügt hat.

Ein anderer erreichte gegen die Zahlung von 600 Euro eine Einstellungs seines Verfahrens: Er hatte durch Unterlassen der erforderlichen Klauenpflege bei zwei Milchkühen den Tieren „über einen längeren Zeitraum ohne vernünftigen Grund länger anhaltende erhebliche Schmerzen und Schäden zugefügt“.

Der so lautende Paragraph  17 des Tierschutzgesetzes ist immer wieder Gegenstand der Ermittlungen: Eine Ponyzüchterin im Schwalm-Eder-Kreis hatte ihre Tiere erheblich vernachlässigt – so dass das Amtsgericht Melsungen eine Gesamtfreiheitsstraße von neun Monaten auf Bewährung gegen sie verhängte.

Im Landkreis Waldeck-Frankenberg standen zwei Fälle von Wildtier-Tötung im Fokus der Behörden. Zum einen war ein Waschbär in einer Lebendfalle gefangen und darin tierschutzwidrig mit einer Eisenstange zunächst durchbohrt und anschließend getötet worden. Aus Rohheit und vorsätzlich wurden dem Tier so erhebliche Schmerzen und Leiden zugefügt und der Waschbär ohne vernünftigen Grund (keine Jagdausübung) getötet. Mit der Verfolgungdieser Tat ist jetzt die Staatsanwaltschaft Marburg betraut. Ebenfalls dort auf dem Tisch: Ein weiterer Fall aus dem Landkreis Waldeck-Frankenberg, bei dem ein Landwirt mit Mähwerk seines Schleppers ein Rehkitz lebensgefährlich verletzt haben soll und sich nicht weiter um das vor Schmerzen jämmerlich schreiende und leidende Tier gekümmert, bzw. es von seinem Leiden erlöst haben soll.

Die Rohheit, mit der die aktenkundigen Vergehen ausgeübt wurden, ist abstoßend: Auch bei Haustieren wird immer wieder Quälerei festgestellt – bis zum Tod! Wie verzweifelt muss das Miauen der Katze im Werra-Meißner-Kreis gewesen sein, die in einem gekippten Fenster festhing. Das Herz einer Person erreichten die Schreie nicht. Denn diese unternahm nichts in der Situation, leitete die leichte Rettung nicht ein. Und wurde zumindest mit einem Bußgeld von 250 Euro zum Nachdenken gebracht, ob das so richtig war.

Schafe geschächtet und Pferde ohne Wasser bei großer Hitze auf der Weide gelassen

Vom Regierungspräsidium Kassel wurden wegen Ordnungswidrigkeiten nach § 18 des Tierschutzgesetzes Bußgeldbescheide u.a. in diesen Fällen erlassen:

Schwalm-Eder-Kreis

– Gewerbliche Hundezucht ohne die erforderliche Erlaubnis (500 Euro)

– Rinder wurden in einem nicht ausreichend beleuchteten Stall ohne ständige Wasserversorgung gehalten. Ein trockener Liegeplatz stand ebenfalls nicht zur Verfügung (100 Euro)

Waldeck-Frankenberg

 – Sechs Wochen alte Kälber ohne vorherige Betäubung enthornt (300 Euro)

– Tauben über mehrere Jahre nicht mehr fliegen lassen, verunreinigter Taubenschlag, Überbelegung (300 Euro)

–Rassekatzen ohne veterinärbehördliche Erlaubnis gewerbsmäßig gehalten, gezüchtet und mit diesen gehandelt (300 Euro)

–Bei Mastbullen in Anbindehaltung versäumt den Gurt dem Wachstum des Tieres entsprechend anzupassen (500 Euro)

Hersfeld-Rotenburg

 – Abgabe einer Kuh zur Schlachtung im letzten Drittel der Trächtigkeit (200 Euro)

– Welpe vor dem Zeitraum von 8 Wochen vom Muttertier getrennt (20 Euro)

 – Beförderung von Rindern länger als 8 Stunden (200 Euro)

Landkreis Kassel

– Schlachtung eines Schweines (Hausschlachtung), das mit einem Hammerschlag verletzt und damit nur unzureichend betäubt wurde, anschließendes Abstechen / Entbluten bei vollem Bewusstsein (400 Euro)

– Weidehaltung Pferde ohne ausreichende Wasserversorgung bei großer Hitze (150 Euro)

–Vorsätzliches Töten eines hinfälligen Hahnes durch Halsumdrehen bei vollem Bewusstsein (250 Euro)

Werra-Meißner-Kreis

– 1.) Zwei Haflingerstuten wurden in einem Witterungsschutz ohne Zugang zur Weidefläche gehalten. 2.) Aufgrund einer überhohen Mistmatratze war die Deckenhöhe in dem Witterungsschutz nicht ausreichend. 3.) Den Pferden stand keine trockene Liegefläche zur Verfügung. 4.) Bei den Pferden war die Hufpflege überfällig. (300 Euro)

– drei Katzen, ca. 15 Stallhasen, ca. zehn Hühner, fünf Perlhühner, zwei Enten, drei Gänse und drei Zwergkaninchen zurückgelassen, um sich ihrer zu entledigen oder sich der Halter- oder Betreuerpflicht zu entziehen. (250 Euro)

– Drei Schafe wurden vor Beginn des Blutentzugs zum Zwecke des Schlachtens nicht betäubt. Zudem wurden fahrlässig tierische Nebenprodukte (Felle u. Darmpakete von drei geschächteten Schafen) nicht unverzüglich der Tierkörperbeseitigungsanstalt zur unschädlichen Beseitigung gemeldet oder in einem Behälter entsorgt, der regelmäßig abgeholt wird. Die Schlachtabfälle wurden im Garten vergraben. (600 Euro)

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