OB Geselle im Interview: Investor für Zukunft der Markthalle gesucht

+
Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle stellte sich in seinem Dienstzimmer im Rathaus den Fragen von EXTRA TIP-Redaktionsleiter Victor Deutsch.

Was bringt das Jahr 2019? Was wird aus der Markthalle und dem Obelisk? Diese und weitere Fragen beantwortet Oberbürgermeister Christian Geselle im EXTRA TIP-Interview.

Kassel. 2019 ist kein documenta-Jahr. Ergo muss die Stadt ja im Tiefschlaf sein, wenn man den ewigen Nörglern Glauben schenkt. Doch in der Stadt ist so einiges los. Die Königsstraße wird weiter umgestaltet, das zweite Altstadtfest gefeiert, die umfangreiche Schulsanierung startet. Wir haben mit Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle über die kommenden zwölf Monate in seiner Stadt gesprochen.

ET: Herr Geselle, die documenta soll ja auch zwischen den Ausstellungsjahren für Gesprächsstoff sorgen: Welche Schlagzeilen sind in diesem Jahr im Zusammenhang mit der Weltkunstausstellung zu erwarten?

„Ich hoffe natürlich nur gute. Im Frühjahr kommt die Findungskommission zusammen, um die künstlerische Leitung auszuwählen. Nach allem, das ich bislang weiß, klingen die inhaltlichen Konzepte der Kandidatinnen und Kandidaten sehr vielversprechend.“

Eines der heißesten Themen des vergangenen Jahres wird 2019 seine Fortsetzung finden: Wann wird der Obelisk in der Treppenstraße aufgebaut?

„Sobald die Witterung es zulässt, werden die Fundamente erstellt.“

Wann beginnt der Bau des documenta Archivs?  Und wo?

„Aktueller Stand ist, dass Kulturdezernentin Susanne Völker und Stadtbaurat Christof Nolda das Thema in enger Zusammenarbeit mit der documenta gGmbH angehen. Dabei werden wir schauen, ob der Standort an der Uni der Weisheit letzter Schluss ist. Das Engagement der Uni am documenta-Institut ist groß. Deswegen präferiert sie den Standort am Holländischen Platz. Aber grundsätzlich muss auch die Universität offen sein, in Richtung Innenstadt zu wachsen. Von so einer engeren Verzahnung würden übrigens alle profitieren: die City, die Uni und der Stadtteil Nord-Holland.“

Auch das Kulturzelt, bzw. seine langjährigen Motoren, sorgten für Schlagzeilen – wird es in diesem Jahr weiter ein Festival an der Drahtbrücke geben?

„Da gibt es sicherlich noch einiges zu regeln, darum kümmert sich Kulturdezernentin Susanne Völker. Ich persönlich wünsche mir eine erfolgreiche Fortsetzung des Kulturzelts, die aber auch nachhaltig ist. Denn die Konzertreihe an der Drahtbrücke ist eine wichtige kulturelle Institution in unserer Stadt.“

Die Events im Auestadion im vergangenen Sommer waren auf ihre Initiative hin veranstaltet worden –wie liefs denn und was wird neben einer 90er-Party in diesem Jahr im Auestadion zu sehen sein?

„Das Konzert der Fantastischen 4 war großartig – das ruft geradezu nach einer Fortsetzung. Wir haben die Vermarktung des Auestadions für Konzertveranstaltungen in die kompetenten Hände von Kassel Marketing gegeben.“

Vom Feiern zum Bauen – da hat die Stadt einiges zu erwarten. Stichwort: Schulen!

„Unsere Kinder brauchen intakte und gut ausgestattete Schulen, in denen es sich gut lernen lässt. Um diese große Aufgabe bewältigen zu können, müssen wir neue, kreative Wege gehen. Deshalb geht die neue Projektentwicklungsgesellschaft GWGpro, Tochter der städtischen GWG, an den Start, um die größten Schulsanierungen als Bauherrin zu finanzieren. Im städtischen Haushalt werden dann die Investitionskosten durch Mietzinszahlungen auf Dauer der Gebäudenutzung ersetzt. Durch das Modell mit GWGpro verbleiben die Schulgebäude aber im Eigentum der Stadt.“

Die Kasseler Markthalle wartet weiter auf den Prinzen, der sie aus dem Dornröschenschlaf küsst –was sind die Pläne der Stadt?

„Wir haben als Eigentümerin des Gebäudes einen Pachtvertrag mit der Markthallen GmbH, die die Beschicker bilden, bis November 2019. Danach soll dieser Vertrag noch einmal verlängert werden. Für die Suche nach einem Prinzen werden wir demnächst in ein Vergabeverfahren gehen, in dem Investoren ihre Konzepte vorstellen können. Denn es ist nicht Aufgabe der Stadt, eine Markthalle zu betreiben – wir haben jedoch in 2018 Rahmenbedingungen erarbeitet, wie wir uns eine Zukunft vorstellen: Inhaltliche Vorgabe wird die Nutzung durch Markttreiben und Gastronomie sein. Im Rahmen eines Erbbau-Vertrags könnte man dem künftigen Betreiber die notwendigen Investitionen ermöglichen.“

Mehr als 21.000 Menschen haben in Kassel für einen Radentscheid unterschrieben. In der Rede zum Neujahrsempfang stellten sie einen Radfahrer-Sonntag auf Kassels Straßen in Aussicht – doch jetzt wurde das Bürgerbegehren gekippt. Warum?

„Zunächst ist mir wichtig zu betonen, dass wir bisher nur über das Ergebnis der Prüfung des Bürgerbegehrens durch die Stadtverwaltung informiert haben. Beschlüsse in Magistrat und Stadtverordnetenversammlung stehen noch aus. Bei der Prüfung hat die Verwaltung nicht aus Böswilligkeit gehandelt, sondern die Vorgaben der Hessischen Gemeindeordnung angewendet, an die wir uns zu halten haben. Aber ich sage ganz deutlich: Wir verfolgen dieselben verkehrspolitischen Ziele wie die Initiatoren des Radentscheides. Ein wesentlicher Punkt für die Unzulässigkeit des Bürgerbegehrens ist, dass genannte zeitliche Vorgaben unrealistisch und nicht umsetzbar sind, was zu einer rechtlichen und tatsächlichen Unmöglichkeit führt. Bei einigen der geforderten Baumaßnahmen ist die Stadt Kassel nicht Herr des Verfahrens. Deswegen haben wir es gar nicht in der Hand, jedes Jahr eine gewisse Zahl von Kilometern Radweg an Hauptverkehrsstraßen zu bauen. Zudem liegen weitere Gründe vor –jeder Grund allein für sich führt schon zur Unzulässigkeit.“

Und bitte noch ein Blick zum KSV Hessen Kassel, bei dem sie ja im Aufsichtsrat sitzen.

„Die Insolvenz bei den Löwen wurde abgewendet, der Verein wirtschaftlich konsolidiert. Da gebührt ein großer Dank dem Vorstand, der tüchtig dafür gekämpft hat. Sportlich ist man in Lauerstellung hinter Alzenau – ich freue mich also auf eine erfolgreiche Rückrunde. Und auf eine volle Hütte gegen Baunatal.“

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Scheibe eines Bistros eingeschlagen: Flüchtender Einbrecher versteckt sich im Gebüsch

Ein 36-Jähriger versuchte in der Nacht zum Sonntag in ein Bistro am Kasseler Stern einzusteigen, scheiterte aber am Loch in der Fensterscheibe und wurde schließlich …
Scheibe eines Bistros eingeschlagen: Flüchtender Einbrecher versteckt sich im Gebüsch

Es darf geskatet werden Mr. Wilson in der Kesselschmiede öffnet wieder Türen

Ein weiterer Schritt in Richtung Normalität: Der Skatepark des Vereins Mr. Wilson in der Kesselschmiede hat ab Montag, 24. Mai, seine Türen wieder geöffnet.
Es darf geskatet werden Mr. Wilson in der Kesselschmiede öffnet wieder Türen

Musizieren per Videochat: Lehrende der Musikschule Harleshausen unterrichten online

Coronabedingt mussten in der Musikschule Haleshausen zunächst sämtliche Unterrichtsstunden ausfallen. Über die Lockerungen sind die Lehrenden, die komplett auf …
Musizieren per Videochat: Lehrende der Musikschule Harleshausen unterrichten online

Hessens DLRG-Präsident: „Schauen mit Besorgnis auf den Sommer“

„Unser Ziel ist es, dass die Schwimmbäder und Badeseen für den Publikumsverkehr in diesem Sommer wieder öffnen können.”, sagte Hessens Innen- und Sportminister Peter …
Hessens DLRG-Präsident: „Schauen mit Besorgnis auf den Sommer“

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.