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Geselle: Wir werden den Ukrainern helfen!

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Von: Rainer Hahne

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Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle sagt: „Nicht alle Geflüchteten werden bei Freunden oder Verwandten unterkommen können, so dass wir gerade größere Unterbringungsmöglichkeiten in unserer Stadt herrichten und weitere Standorte prüfen.“ © Harry Soremski

Ukraine-Krieg: Stadt Kassel plant Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge herzurichten

Kassel. Die russische Invasion in der Ukraine hat auch auf die Stadt Kassel Auswirkungen. Der Extra-Tip sprach dazu mit Oberbürgermeister Christian Geselle.

Herr Geselle, am Tag nach dem Angriff von Russland auf die Ukraine sprachen Sie auf einer Solidaritätskundgebung vor dem Kasseler Rathaus. Rund 1.500 Menschen waren vor Ort. Ein eindrucksvolles Zeichen – auch für Sie?

Es war eine eindrucksvolle Botschaft, die unsere Bürgerinnen und Bürger gesendet haben – insbesondere zu den Menschen in der Ukraine: Ihr seid nicht allein, wir denken an Euch in diesen schlimmen Stunden und setzen uns mit Nachdruck für Frieden und Freiheit ein. Kassel steht für Menschlichkeit, Demokratie, Vielfalt und Weltoffenheit. Wir dürfen nicht zulassen, dass dieser Krieg unsere Gesellschaft weiter spaltet. Das russische Volk ist nicht der Treiber dieses Krieges, sondern vielfach auch leidtragend. Ich bin mir sicher: Die russische Staatsführung handelt gegen die Interessen des eigenen Volkes.

Viele Menschen flüchten aus dem Kriegsgebiet und werden auch nach Deutschland kommen.

Die Stadt Kassel wird humanitäre Hilfe leisten. Wir sind bereit, den flüchtenden Menschen Unterkunft und Schutz zu gewähren. Das ist für mich ein selbstverständliches Zeichen von Mitmenschlichkeit und Solidarität. Derzeit lässt sich noch nicht genau sagen, ob und in welcher Größenordnung Geflüchtete hierherkommen. Nicht alle Geflüchteten werden bei Freunden oder Verwandten unterkommen können, so dass wir gerade größere Unterbringungsmöglichkeiten in unserer Stadt herrichten und weitere Standorte prüfen. Dass wir schnell und professionell helfen können, haben wir ja bereits im Jahr 2015 gezeigt. Auf diese bewährten Strukturen und Erfahrungen können wir jetzt zurückgreifen – zudem ist das ehrenamtliche Engagement in Kassel sehr ausgeprägt. Viele wollen mithelfen, auch Privatunterkünfte sind uns schon angeboten worden. Darüber bin ich stolz und dankbar.

Geflüchtete sind wahrscheinlich nur eines von vielen Themen, das Sie im Zusammenhang mit dem Krieg beschäftigt?

Wir müssen uns schon jetzt mit den weitreichenden Folgen dieses Krieges mitten in Europa auseinandersetzen. Die möglichen Auswirkungen auch für unsere Stadt beschäftigen mich sehr. Die Energieversorgung muss weiterhin sicher und zudem bezahlbar für die Bürger gewährleistet sein. Ich habe bereits viele Gespräche geführt, innerhalb des Stadtkonzerns, aber auch mit verschiedenen Unternehmensführungen. Schon jetzt gibt es für viele Firmen Lieferengpässe und Materialmangel. Ich befürchte, die Auswirkungen des Krieges für den wirtschaftlichen Sektor werden sehr schmerzhaft sein – der Standort Kassel könnte insgesamt stärker betroffen sein als durch die Corona-Pandemie. Das wird dann natürlich auch Folgen für den städtischen Haushalt haben. Ich bin froh, dass wir in den vergangenen Jahren erhebliche finanzielle Rücklagen bilden konnten. Wie es weitergeht, gilt abzuwarten. Wir werden entsprechend reagieren.

Ihre Amtszeit ist geprägt von Krisenmanagement - die Aufarbeitung des Mordes an Walter Lübcke, die Corona-Pandemie und nun die kriegerische Auseinandersetzung in Europa. Hand aufs Herz, macht Ihnen der Job als Oberbürgermeister eigentlich noch Spaß?

Als Sozialdezernent hatte ich ja bereits in den Jahren 2015 und 2016 die verantwortungsvolle Aufgabe, die Auswirkungen der Flüchtlingskrise für unsere Stadt zu bewältigen. Natürlich ist man als Oberbürgermeister noch einmal stärker in einer Führungsverantwortung. Es gehört zu meinen Aufgaben, jeden Tag Entscheidungen zu treffen – auch und vor allem in Zeiten der Unsicherheit wie derzeit. Das erwarten die rund 12.000 Kolleginnen und Kollegen im gesamten Stadtkonzern sowie die etwa 200.000 Kasseler Bürgerinnen und Bürger zu Recht von mir. Und diese Verantwortung trage ich auch gerne, die Arbeit für unser Gemeinwesen erfüllt mich nach wie vor mit viel Freude – gerade in herausfordernden Zeiten.

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