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Gestiegene Preise setzen Obdachlosen und Sozialer Hilfe zu

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Von: Isabell-Carolyn Schulz

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Frühstückszeit in der Tagesaufenthaltsstätte Panama: (v.li.) Amrei Tripp (Leitung) mit Traian Carolea und Gheorghe Cociota.
Frühstückszeit in der Tagesaufenthaltsstätte Panama: (v.li.) Amrei Tripp (Leitung) mit Traian Carolea und Gheorghe Cociota. © Schulz

Tagesaufenthaltsstätte Panama verzeichnet höhere Lebensmittelkosten bei steigender Nachfrage für Mittagessen


Kassel Weihnachten im Kreis seiner Familie verbringen, im warmen Zuhause und bei einer reich gedeckten Festtagstafel – was für viele an dieser Stelle selbstverständlich klingen mag, ist es für in Not geratene und obdachlose Menschen keinesfalls. Direkte Hilfe, Versorgung und Beratung finden obdachlose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen in Kassel in der Tagesaufenthaltsstätte Panama der Sozialen Hilfe. Aber auch hier brachte die Corona-Pandemie Herausforderungen mit sich und so konnte zwischenzeitlich etwa nur einer begrenzten Anzahl von hilfebedürftigen Menschen Einlass gewährt werden.

Wie soll man aber Zuhause bleiben, wenn man keins hat? – diese Frage dominierte im „Lockdown“ wohl lange Zeit den Alltag von obdachlosen Menschen. Doch auch wenn sie den Ausnahmezustand in der Höchstphase der Pandemie gerade hinter sich gebracht haben, sehen sie sich schon mit neuen Problemen konfrontiert: die gestiegenen Lebenshaltungskosten und Energiepreise.

„Alle Besucher, die in die Tagesaufenthaltsstätte Panama kommen, haben massive Sorgen und können aktuell oftmals nicht mehr einschätzen, was auf sie zukommt“, erklärt Michael Kurz, Geschäftsführer Soziale Hilfe e.V.. Und Amrei Tripp, die vor einem halben Jahr die Leitung der Tagesaufenthaltsstätte übernommen hat, ergänzt: „Vor allem die Zukunftsängste haben unter unseren Gästen stark zugenommen. Das Geld reicht bei vielen meist nur noch bis zur Mitte des Monats.“ Etwas öfter kämen sie daher jetzt ins Panama, um selbst Kosten einzusparen; insbesondere auch zur Mittagszeit.

Denn neben einer kostenfreien Frühstückstafel für Wohnungslose bietet die Tagesaufenthaltsstätte Panama täglich ein frisch zubereitetes zweigängiges Mittagessen – für das die obdachlosen Menschen 1,50 Euro bezahlen, das das Panama in der Herstellung aber drei bis vier Euro kostet. „Was die Kosten für Lebensmittel anbelangt, waren wir nach dem ersten Halbjahr von 2022 bereits bei der Summe angekommen, die wir in 2021 noch für das ganze Jahr aufgewendet haben“, betont Michael Kurz.

Mit den gestiegenen Kosten habe sich – speziell das Mittagsangebot betreffend – gleichzeitig die Anzahl an Gästen nahezu verdoppelt. „40 bis 60 Menschen kommen im Durchschnitt täglich zu uns und wir kommen langsam an unsere Kapazitätsgrenze. Das hatten wir zuletzt in 2012/13“, so Kurz weiter. Den Gästen müsse durch die gestiegenen Lebenshaltungskosten vermehrt mit zugekauften Lebensmitteln und Hygieneartikeln weitergeholfen werden, aber: „Ziel ist, unser Angebot und Versorgungsangebot so beizubehalten – ohne Kosten umlegen zu müssen.“

Vor allem setze man im Panama aber nach wie vor darauf, eine positive Stimmung für die hilfebedürftigen Menschen zu schaffen. So wurden beispielsweise in der Adventszeit nicht nur anhand einer schönen weihnachtlichen Dekoration positive Akzente gesetzt, sondern es gab auch in diesem Jahr wieder eine kleine „Weihnachtstüte“ für die Besucher, die kleine Aufmerksamkeiten enthielt, welche sich gut zu einer kleinen Mahlzeit verarbeiten ließen.

Über die stimmungsvolle Weihnachtsdekoration freut sich auch ein 57-jähriger Besucher, der anonym bleiben möchte, aber gerne seine Gedanken teilt: „Krieg in der Ukraine, Flüchtlingskatastrophen, Hunger – es brennt sozusagen doch überall. Sonst hatte ich am Monatsende noch ein kleines bisschen übrig, aber jetzt gerade habe ich einfach gar nichts mehr, frühstücke deswegen viel öfter hier und habe zudem noch das große Glück, Freunde zu haben, die mich oft zum Mitessen bei ihnen einladen.“

Spendenkonten:
Soziale Hilfe e. V.
Kölnische Str. 35, 34117 Kassel

Kasseler Sparkasse
IBAN DE02 5205 0353 0011 8141 17

Sparda Bank Hessen eG
IBAN DE85 5009 0500 0000 6278 28

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