Gesundheits-Reform: Krankenhäuser befürchten negative Folgen

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Die geplante Gesundheits-Reform kommt gerade bei den Betreibern von Krankenhäusern nicht gut an. Welche Auswirkungen sie befürchten, lesen Sie hier.

Kassel. Die geplante Krankenhaus-Reform der Bundesregierung sorgt bei den Betroffenen für jede Menge Ärger. Mit dieser Reform wolle man kleine Krankenhäuser vom Markt drängen, klagte Karsten Honsel, Vorstandsvorsitzender Gesundheit Nordhessen kürzlich auf einer Pressekonferenz.

Die Befürchtungen der Krankenhausbetreiber sind vielschichtig. Die Personalkosten, die fast jährlich durch tarifliche Anpassungen steigen, können von den gedeckelten Einnahmen nicht mehr bezahlt werden. Durch die Reform werde das noch verschlechtert. Die Substanz der Krankenhäuser werde ausgezehrt. Sechs Milliarden Euro seien jährlich nötig, um die rund 2.000 Krankenhäuser in Deutschland auf dem neuesten Stand zu halten. Von Bund und Ländern gibt es aber nur 2,7 Milliarden. Besonders problematisch: Die letzte Reform und die damit verbundene Deckelung der Etats von Haus- und Fachärzten haben dafür gesorgt, dass die Patienten in Krankenhäuser ausgewichen sind. Die Folge: Notaufnahmen sind überlaufen. Die Vergütungen sind nicht ansatzweise kostendeckend.

"Früher haben wir uns aktiv um zusätzliche Patienten bemüht”, denkt Michael Schmidt (Marienkrankenhaus) zurück. "Bald werden wir uns in Auftragsabwehr üben müssen, weil jeder zusätzliche Patient ein wirtschaftliches Risiko ist. Da kann es passieren, dass der Patient zum Bittsteller wird, wenn die Budgets ausgereizt sind.” Verärgert schaut Karsten Honsel nach Berlin: "Die Politik macht es sich einfach. Dort wird den Menschen versprochen: Ihr kriegt die beste Behandlung überall. Wer so etwas verspricht, muss es auch bezahlen. Es ist ein Unding, dass man nur noch die Hälfte der Kosten bezahlen will, wenn eine vorher festgelegte Zahl von Operationen überschritten wird.” "Unser Motto lautet: ‘Not sehen und handeln’”, erklärte Marieluise Labrie (Elisabeth-Krankenhaus). "Es wird versprochen, dass durch die neue Reform zusätzliche Pflegestellen finanziert werden. Tatsächlich müssen wir auch davon zehn Prozent selbst bezahlen. Für notleidende Krankenhäuser ein Ding der Unmöglichkeit. Und das Intensivpflege-Personal ist ausgenommen.” Die steigenden Anforderungen durch die immer älter werdende Bevölkerung, durch den medizinischen Fortschritt und in letzter Zeit durch die große Anzahl Flüchtlinge, die oft intensive ärztliche Hilfe benötigen, werden in der Reform nicht berücksichtigt. Stattdessen bringe die Reform eine neue Bürokratie- und Kontrollflut, sind sich die Verantwortlichen einig.

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