Gesundheitsreport warnt: Jeder zehnte hat riskanten Alkoholkonsum

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"Ich doch nicht", lautet oft der erste Gedanke und der empörte Ausruf, wenn es um das Thema Alkoholmissbrauch geht. Doch der DAK-Gesundheitsreport zeigt, das mehr betroffen sind, als landläufig vermutet.

Das kühle Bier zum Feierabend, die heitere Wein-Runde im Lokal. Alles ganz normal, oder? „Jeder zehnte Erwerbstätige in Hessen trinkt riskant“, sagt Andreas Kohlrautz, Leiter des DAK-Servicezentrums Hessen. Das zeige der aktuell erschienene Gesundheitsreport der Krankenkasse, der als Schwerpunkt das Thema „Sucht“ der 750.000 Versicherten in Hessen (davon rund 42.000 im Stadt- und Landkreis Kassel) dokumentiert.

Bei Männern beginnt das beispielsweise bei täglich mehr als zwei 0,3 Liter-Gläsern Bier, bei Frauen schon bei einem 0,3 Liter-Glas Bier pro Tag. Mit ihrem Trinkverhalten setzen sich rund 326.000 Erwerbstätige in Hessen Risiken aus, krank oder abhängig zu werden.

„Keine Droge verursacht so umfangreiche soziale und gesundheitliche Schäden in der Gesellschaft wie Alkohol. Das riskante Trinken bleibt daher ein zentrales Problem in Hessen, das auch gravierende Folgen in der Arbeitswelt hat“, sagt Andreas Kohlrautz. „Sucht ist eine Krankheit, die jeden treffen kann. Wir wollen eine breite und offene Debatte anstoßen. Wir müssen hinsehen, hinhören und handeln, um Betroffene nicht allein zu lassen. Ist es Genuss, Gewohnheit oder bereits Sucht?“ Besonders im Auge hat man die Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen. 16 Prozent pflegen einen riskanten Alkoholkonsum, 3,2 Prozent gar einen schädlichen Gebrauch oder sind bereits Alkoholabhängig.

 Der erste Schritt in die Sucht ist ein problematischer Umgang mit Alkohol. Wer an mehr als fünf Tagen in der Woche jeweils mehr als ein bis zwei Gläser Alkohol trinkt, gilt als gefährdet. Doch auch wer nur einmal in der Woche so viel trinkt, dass er Erinnerungslücken bis hin zum kompletten Blackout hat oder sich am nächsten Tag regelmäßig für sein Verhalten schämt, hat ein hohes Suchtrisiko. Gefährlich wird Alkohol auch dann, wenn er getrunken wird, um schlechte Stimmung zu vertreiben, Kummer zu „ertränken“, Einsamkeit erträglich zu machen, Stress abzubauen oder einschlafen zu können. Dann setzt schnell eine Abwärtsspirale ein, wie Suchtexperten erklären: „Die Betroffenen können die Anforderungen des Alltags nicht mehr ohne Alkohol bewältigen. Sie verspüren bald keine rauschartige Wirkung mehr, sondern sie trinken nur noch, um überhaupt funktionieren zu können.“

Der Griff zur Flasche passiert irgendwann vollkommen automatisch. Es wird nicht mehr versucht, Probleme ohne Alkohol zu lösen. Alkohol wird zum täglichen Begleiter. Betroffene beginnen, ihren Konsum zu verheimlichen, finden Ausreden, isolieren sich. Konsum wird verheimlicht „Es ist gut, rechtzeitig die Bremse zu ziehen, denn zu viel Alkohol ist in vielerlei Hinsicht schädlich,“ sagt Andreas Kohlrautz.

Öfter auf Alkohol zu verzichten, wirkt sich schon nach kurzer Zeit positiv auf die Gesundheit aus. Die Schlafqualität verbessert sich, der Körper wird beweglicher und verliert an Gewicht, nachweisbare Schäden an der Leber bilden sich zurück. Auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sinkt. Kurzum: Der Verzicht bedeutet einen Gewinn an Gesundheit, Selbstständigkeit, Energie und Lebensfreude. „Sucht ist eine Krankheit, die jeden treffen kann. Wir wollen eine breite und offene Debatte anstoßen. Wir müssen hinsehen, hinhören und handeln, um Betroffene nicht allein zu lassen“, sagt Andreas Kohlrautz.

Die DAK Gesundheit biete daher unter anderem ein neues Online-Selbsthilfeprogramm bei Alkoholproblemen an: dak.de/vorvida.

Alkoholsucht: Bin ich gefährdet? Der Selbsttest gibt Aufschluss

a) Wie oft trinken Sie Alkohol?

Nie

0

Etwa 1 mal pro Monat

1

2-4 mal pro Monat

2

2-3 mal pro Woche

3

4 x oder öfter pro Woche

4

b) Wenn Sie an einem Tag Alkohol trinken, wie viel alkoholhaltige Getränke trinken Sie dann typischerweise?

1oder 2

0

3 oder 4

1

5 oder 6

2

7 oder 8

3

10 oder mehr

4

c) Wie oft haben Sie an einem Tag mehr als sechs alkoholische Getränke getrunken?

Nie

0

Seltener als 1 x pro Monat

1

Einmal im Monat

2

Einmal pro Woche

3

Täglich oder fasttäglich

4

d) Wie oft haben Sie im letzten Jahr festgestellt, dass Sie mehr getrunken haben, als Sie eigentlich wollten?

Nie

0

Seltener als 1 x pro Monat

1

Einmal im Monat

2

Einmal pro Woche

3

Täglich oder fast täglich

4

e) Wie oft haben Sie im letzten Jahr im Zusammenhang mit dem Alkohol trinken eine Aufgabe nicht erledigt, die man eigentlich von Ihnen erwartet hatte?

Nie

0

Seltener als 1 x pro Monat

1

Einmal im Monat

2

Einmal pro Woche

3

Täglich oder fast täglich

4

f) Wie oft haben Sie im letzten Jahr morgens Alkohol getrunken, um in Schwung zu kommen?

Nie0

0

Seltener als 1 x pro Monat

1

Einmal im Monat

2

Einmal pro Woche

3

Täglich oder fast täglich

4

g) Wie oft fühlten Sie sich im letzten Jahr schuldig oder hatten ein schlechtes Gewissen aufgrund Ihres Alkoholtrinkens?

Nie

0

Seltener als 1 x pro Monat

1

Einmal im Monat

2

Einmal pro Woche

3

Täglich oder fast täglich

4

h) Wie oft im letzten Jahr waren Sie aufgrund des Alkoholtrinkens nicht in der Lage, sich an Ereignisse der letzten Nacht zu erinnern?

Nie0

Seltener als 1 x pro Monat1

Einmal im Monat2

Einmal pro Woche3

Täglich oder fast täglich4

i) Wurden Sie oder jemand anders schon einmal verletzt, weil Sie Alkohol getrunken hatten?

Nein

0

Ja, aber nicht im letzten Jahr

2

Ja, im letzten Jahr

4

j) Hat sich schon einmal ein Verwandter, ein Freund, ein Arzt oder jemand anders über Ihr Alkoholtrinken Sorgen gemacht oder Ihnen vorgeschlagen, weniger zu trinken?

Nein

0

Ja, aber nicht im letzten Jahr

2

Ja, im letzten Jahr

4

Auswertung: Die Summe aller Punkte hinter den jeweiligen Antworten ergibt den Gesamtwert. Bei einem Wert ab 8 liegt der Verdacht auf eine Alkoholbezogene Störung vor; mit einem höheren Wert steigt die Wahrscheinlichkeit der Abhängigkeit; bei 15 bis 20 Punkten ist ein kritischer Wert erreicht.

© Suchtforschungsverbund Baden Württemberg, UKL Freiburg

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