Größte documenta aller Zeiten

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documenta-Nachlese: Der ehemalige Kasseler Oberbürgermeister Bertram Hilgen im Gespräch mit EXTRA TIP-Chefredakteur Rainer Hahne.

Ehemaliger OB Bertram Hilgen: „1,2 Millionen Besucher sind nicht zu toppen“

Kassel - Eigentlich wollte sich Bertram Hilgen nicht mehr zur Politik in Kassel äußern, doch als er lesen musste, er habe seine Arbeit in den letzten Tagen seiner Amtszeit nicht mehr vernünftig gemacht, trieb es ihn auf die Palme. Im EXTRA TIP Gespräch äußerte er sich insbesondere zur documenta 14.

ET: Hatten Sie die documenta bis zum Schluss fest im Auge?

Hilgen: Ich habe die Zügel nie schleifen lassen. In der Hinsicht bin ich Preusse. Am 31. März hatte die documenta den Eigentümern den Finanzbericht zugesandt. Und es war alles in Ordnung. Am 12. Juni habe ich mit der Geschäftsführerin Annette Kulenkampff und Herrn Petri zusammen gesessen. Es stand ein Defizit von zwei Millionen Euro an. Eine Million war noch von der documenta 13 auf der hohen Kante. Die zweite Million wäre kein Problem gewesen, wenn wir nur 95 Prozent der Besucher der vorherigen documenta erreicht hätten. Und das wurde ja geschafft. Damit wäre die schwarze Null erreicht. Schon im Vorfeld haben wir den documenta-Etat in einer öffentlichen Stavo-Sitzung noch einmal aufgestockt. Und ich habe den künstlerischen Leiter Adam Szymczyk gefragt: War’s das jetzt? Mehr gibt es nicht.“ Und er hat gesagt: „Das war’s.“ So wie ich die handelnden Personen kennen gelernt habe, bin ich davon überzeugt, dass sie das damals nach bestem Wissen und Gewissen getan haben. Jeder wusste, wie viel Geld zur Verfügung stand.

Ohne Athen hätte es angeblich gereicht.

Ohne Athen war nie eine Alternative. Die Alternative wäre gewesen, die documenta 2017 ausfallen zu lassen und einen neuen künstlerischen Leiter zu suchen. Das wäre tödlich gewesen. Wir haben ein hochqualifiziertes international besetztes Gremium dafür. Ich glaube nicht, dass wir das noch einmal zusammen bekommen hätten, wenn wir Szymczik abgelehnt hätten. Dann hätten wir ein nationales Gremium gehabt, und der Abstieg wäre eingeleitet worden.

Wie könnte es zu diesem deutlichen Minus gekommen sein?

Das wird die Untersuchung zeigen. Ich könnte mir vorstellen, dass der Sicherheitsbereich teurer geworden ist. Daran haben wir bis zuletzt gearbeitet und ein ganzes Buch geschrieben. Alles andere wäre Spekulation. Die Woche sollte man noch abwarten.

Sie wurden bei der Abschlussfeier vermisst.

Ich bin dabei, mich vom Stadtgeschehen abzunabeln. Das muss man machen, wenn man zwölf Jahre lang so intensiv damit verwoben war. Ich werde mich aber persönlich mit Frau Kulenkampff und Herrn Szymczik treffen und ihnen meinen Dank aussprechen. Sie haben sich für die documenta aufgerieben. Unter dem Strich steht jetzt die größte documenta aller Zeiten. In Kassel wurden die Zahlen der documenta 13 übertroffen. Insgesamt sind es über 1,2 Millionen Besucher. Mehr geht einfach nicht. Auf diese Leistung können die Verantwortlichen und die Stadt Kassel stolz sein. Ich habe übrigens das Ziel der eine Million Besucher nur für Kassel nie in den Mund genommen. Täglich 10.000 im Durchschnitt wäre nicht zu leisten gewesen.

Hätten Sie bis zum Ende der documenta Aufsichtsratsvorsitzender bleiben können?

Nein. Das lässt der Gesellschaftervertrag nicht zu. Aufsichtsratsvorsitzender der documenta muss immer der Oberbürgermeister sein. Und das finde ich auch gut so.

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