GrundschullehrerInnen kritisieren: Arbeit an Grundschulen wird nicht wertgeschätzt: Faire Besoldung gefordert

Fordern nach wie vor bessere Bedingungen in den Grundschulen: Katja Groh und Christiane Stock. Am 13. November findet deshalb von 11.30 bis 12.30 Uhr eine Aktion der GEW auf dem Opernplatz statt.
+
Fordern nach wie vor bessere Bedingungen in den Grundschulen: Katja Groh und Christiane Stock. Am 13. November findet deshalb von 11.30 bis 12.30 Uhr eine Aktion der GEW auf dem Opernplatz statt.

Katja Groh und Christiane Stock sind gespannt, welche Ausrede dieses Jahr vom hessischen Kultusministerium angeführt wird, warum Grundschullehrkräfte nicht nach A13 besoldet werden können, wie es in neun von 16 Bundesländern schon der Fall ist.

Kassel „Dieses Jahr werden sicher die Corona-bedingten finanziellen Belastungen vorgeschoben, um zu begründen, dass eine höhere Besoldung derzeit nicht möglich sei“, so die beiden Grundschullehrerinnen von der Fachgruppe Grundschule der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Dabei fingen die Probleme bei der gerechten Bezahlung schon an. (Wir berichteten in den vergangenen Jahren mehrfach über die unfaire Besoldung hier und hier, und über die Zustände während der Pandemie hier und hier.)

„Es fehlt in den Grundschulen an qualifizierten Lehrkräften. An den Grundschulen gibt es daher auch den höchsten Prozentsatz an Stundenausfall, der dann von Personen ohne abgeschlossen Ausbildung zur Grundschullehrerin vertreten werden muss. Dem hohen Bedarf an Vertretungskräften steht lediglich eine Gruppe nicht fertig ausgebildeter Personen gegenüber, die die Lehraufträge dafür annehmen können, da es seit vielen Jahren einen eklatanten Mangel qualifizierten Grundschullehrkräften gibt.“
Es gebe auch keine Statistik, wie viele Unterrichtsstunden tatsächlich ausfallen.

„Es gibt zu viele befristete Lehraufträge und zu wenig Lehrkräfte. Bei den Grundschullehrkräften kommt nach wie vor die ungerechte Besoldung hinzu. Wenn ich fertig ausgebildet und ungebunden bin, dann gehe ich doch für eine geringere Pflichtstundenzahl und deutlich bessere Besoldung, wir sprechen hier von rund 500 Euro monatlich, nach Thüringen oder Niedersachsen.“ So sei der Lehrer*innenmangel an hessischen Grundschulen auch hausgemacht.

Am Samstag, 13. November – der erste Tag unbezahlter Arbeit der Grundschullehrkräfte – findet von 11.30 bis 12.30 Uhr deshalb eine Aktion der GEW Bezirksfachgruppe Grundschule auf dem Opernplatz statt.

An den Grundschulen wird die Basis für jedwedes weiteres Lernen gelegt. Hier findet Inklusion und Differenzierung im höchsten Maße statt, die Grundschulen waren in der Coronazeit über die Maßen belastet. Sie waren sogar so wichtig, dass sie als einzige Schulform noch vor den Sommerferien 2020 zum Präsenzunterricht zurückkehren mussten.
So kommt seit eineinhalb Jahren auch die Mehrbelastung aufgrund der Pandemie zur nachteiligen Besoldung hinzu. Die Kinder müssen sich regelmäßig testen, dies muss beaufsichtigt werden, positive getestete Kinder werden heimgeschickt, Sitznachbarn eventuell ebenfalls und all dies beaufsichtigt eine Lehrkraft – bevor der Unterricht überhaupt losgeht.

Auch das Thema Digitalisierung sei weiterhin ‚ausbaufähig‘. Laptops und i-pads, die übergangsweise an Lehrkräfte ausgegeben wurden, liegen teils unberührt in der Schublade, denn Material oder wichtige Unterlagen dürfen aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht auf den Tablets gespeichert werden.

Die Digitalisierung ist nur eines von sehr vielen Problemen an Grundschulen. So etwas wie Arbeitsschutz an Schulen gebe es erst seit ein paar Jahren. Auch Lärm-, Hitze- und Kälteschutz seien bislang kaum thematisiert worden.

Aufgrund der Pandemie habe der Landkreis Kassel immerhin rund 550 mobile Luftfilter angeschafft. Die reichen zwar für die Klassen-, nicht aber für die Betreuungsräume der Kinder. Von der Stadt Kassel seien keine Geräte für die Schulen angeschafft worden. Gerade im Hinblick auf den Winter heißt es dann erneut ‚warm anziehen‘, wenn gelüftet werden muss.

EXTRA INFO: Luftfilter an Kasseler Schulen

„Natürlich verstehe ich die Sorgen der Schülerschaft, der Eltern und der Lehrkräfte. Gerade in Hinblick auf die steigenden Infektionszahlen wollen wir alle gemeinsam weitere Schulschließungen vermeiden und die Schülerinnen und Schüler schützen. Daher orientiert sich die Stadt Kassel bei der Frage „Infektionsschutz durch Lüftungsanlagen und Luftfilter“ an den Stellungnahmen und Empfehlungen des Umweltbundesamtes. Diese werden 1:1 umgesetzt. Das Umweltbundesamt empfiehlt Luftfilter als mögliche ergänzende Maßnahme zum Lüften nur für Räume, die sich nicht ausreichend lüften lassen oder nicht über eine Raumlüftungsanlage verfügen. Solche Räume gibt es in den Kasseler Schulen nicht. Daher werden auch weiterhin keine mobilen Luftfiltergeräte angeschafft“, so Schuldezernentin Ulrike Gote. „Die Förderprogramme von Land und Bund sind zudem nur für solche Räume gedacht, die sich nicht lüften lassen. Somit kann die Stadt Kassel diese Gelder nicht in Anspruch nehmen. Als Schulträger hat die Stadt Kassel bereits nachhaltig und umfänglich in Infektionsschutzmaßnahmen investiert. Für mehr als 2 Mio. Euro wurden in diesem Jahr in 130 Klassenräumen dezentrale kompakte Lüftungsanlagen installiert. Noch ein wichtiger Hinweis: Lüften bleibt tatsächlich eine der wirkungsvollsten Maßnahmen. Auch beim Einsatz von Luftfiltern muss genauso viel gelüftet werden wie ohne. Dies wird in der Debatte leider häufig falsch dargestellt“, ergänzt Gote.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Mehmet Göker droht womöglich der Knast: Vertriebler soll in der Türkei zu Haftstrafe verurteilt worden sein
Kassel

Mehmet Göker droht womöglich der Knast: Vertriebler soll in der Türkei zu Haftstrafe verurteilt worden sein

In Deutschland ist der MEG-Gründer Mehemet Göker wohl juristisch größtenteils fein raus. Doch jetzt droht ihm in der Türkei womöglich eine Haftstrafe, wie die …
Mehmet Göker droht womöglich der Knast: Vertriebler soll in der Türkei zu Haftstrafe verurteilt worden sein
Aus Enchilada wird „Monos by Jerome“
Kassel

Aus Enchilada wird „Monos by Jerome“

Gerichte wie Tacos, Burritos oder Fajitas sowie fruchtige und leckere Cocktails werden im Monos natürlich auch weiterhin angeboten. Das kulinarische Angebot wurde aber …
Aus Enchilada wird „Monos by Jerome“

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.