Handball im Gefängnis: Wie der TSV Heiligenrode die Spiele in der JVA erlebt

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Kurz vor dem Spiel hatte die Männermannschaft des TSV Heiligenrode noch gut lachen. Das besondere Spiel sorgte zwischenzeitlich doch für ein mulmiges Gefühl.

Mannschaftssport ist gerade im Gefängnis wichtig. Im Ligabetrieb können sich die Insassen messen, auch mit dem TSV Heiligenrode.

Kassel. Ein Handballspiel ohne Zuschauer, ohne Duschen und gegen besondere Gegner bestreitet die zweite Männermannschaft des TSV 1892 Heiligenrode regelmäßig in der Kasseler Justizvollzuganstalt. Schon seit einigen Jahren sind sie zu Gast in der JVA I und spielen gegen die Mannschaft des GSV 1974 I, die aus den Insassen des Gefängnisses besteht (hier geht es zur Bildergalerie). lokalo24 schilderten sie ihren Eindruck.

„Wir hatten die Hosen anfangs ganz schön voll, es ist ein komisches Gefühl, nach einer Passkontrolle und mit Aufseher in die Halle geführt zu werden“, so Markus Menger, TSV-Abteilungsleiter. Dabei sind die meisten Spieler des TSV an die Spiele in der JVA schon gewöhnt, ein besonderes Spielerlebnis sei es dennoch jedes Mal. Der 17-jährige Max bestritt kürzlich sein erstes Spiel hinter Gefängnismauern: „Ist schon eine beklemmende Atmosphäre, man wird in die Umkleiden geführt, die Taschen werden dort eingeschlossen und dann geht es aufs Spielfeld.“

Fairste Spiele in der JVA

Auf der Platte steht man sich dann mit teils alten Bekannten gegenüber. Einige Spieler der GSV 1974 sitzen schon länger ein und sind den Heiligenrödern daher bekannt. „Mit den Spielern der JVA kommt man höchstens beim Aufwärmen ins Gespräch. Wir spielen schon länger gegen die Mannschaft und einige Gesichter kennt man dann auch. Bei manchen wundert man sich, dass sie fehlen und bekommt dann erzählt, dass sie entlassen wurden“, erzählen die TSV-Spieler. Die Spiele im Gefängnis seien mit die fairsten, die in der Bezirksliga C der Männer gespielt werden. Gerade die GSV-Spieler seien eher vorsichtig, packten nicht so zu wie manch andere Gegner.

„Beim Hinspiel in dieser Saison kamen wir aufgrund der anfänglichen Nervosität nicht gut ins Spiel. Obwohl der GSV Schlusslicht der Tabelle ist, taten wir uns schwer. Erst in der zweiten Halbzeit konnten wir uns mit der außergewöhnlichen Situation arrangieren und ordentlich punkten, sodass wir letzten Endes mit 27:24 als Sieger von der Platte gingen“, so die Heiligenröder.

Am Ende des Spiels kamen noch einmal alle Spieler zusammen und der TSV-Abteilungsleiter überreichte dem Top-Torschützen der JVA eine neuen Handball als Anerkennung für seine elf Treffer im Spiel. Dieser Ball wird verwahrt und der Spieler erhält ihn nach Haftentlassung.

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