Ein Haufen Trümmer: Günther Stederoths Elternhaus fiel den Bomben zum Opfer

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Günter Stederoth

Die Vorahnung seines Opas rettete Günter Stederoth und seiner Familie das Leben. So waren sie nicht in ihrem Haus, von dem am Ende der Bombennacht nur ein qualmender Haufen Trümmer übrig blieb.

Kassel. Der Opa muss so eine Art von Vorahnung gehabt haben. Die Familie von Günter Stederoth (Jahrgang 1937) gab irgendwann dem Drängen des Großvaters nach und zog vom Haus Entengasse 4 in der Kasseler Altstadt um nach Berndshausen (gehört heute zur Gemeinde Knüllwald im Schwalm-Eder-Kreis), wo sie auf einem Bauernhof der Schwester von Günter Stederoths Mutter unterkamen.

Die Familie: Das war neben Günters Schwester Irmgard (Jahrgang 1941) und Mutter Friederike, die aus dem Ort stammte. Vater Georg, Fleischermeister von Beruf, war schon früh zur Wehrmacht eingezogen worden. Der Krieg, er beeinträchtigte das Leben der kleinen Familie und vor allem das der Eltern: Die hatten sich mit mühseliger Arbeit verdientem und erspartem Geld ab 1937 die Fleischerei in der Entengasse aufgebaut. Als der Krieg kam, mussten sie das Geschäft schließen und das Auto abgeben – Ende der kurzen Tätigkeit als selbstständige Unternehmer.

Dann kamen die Fliegeralarme. Dann kamen die Bombenangriffe. Günter Stederoth, damals ein Knirps von vier oder fünf Jahren, erinnert sich an einen Angriff im Jahr 1942. Der Vater im Feld, Mutter und Schwester mit ihm zusammen im Gewölbekeller des eigenen Hauses. Die Bomben fielen, „ich erinnere mich an das Pfeifen,“ sagt er heute noch. Aus Angst, vom Instinkt getrieben – wer weiß es heute schon noch – krabbelt die Familie durch die Mauerdurchbrüche bis in den Keller der Kneipe „Stadt Stockholm“.

Dem Opa ist das alles zu viel Gefahr für die kleine Familie. Es geht nach Berndshausen, dem kleinen Dorf im Knüll, bis zu 400 Meter hoch gelegen. Am Abend des 22. Oktober 1943 spricht sich auch hier herum, dass Kassel angegriffen wird. Günter Stederoth geht mit seinem Cousin auf eine kleine Anhöhe, man hat dort einen prima Ausblick auf Nordhessen. Und er sieht den Feuerschein über der Stadt, „wir haben sogar die Bomben fallen sehen,“ hat er heute noch vor Augen. Die Mutter hat natürlich Angst. Was ist aus dem Haus geworden? Am nächsten Tag geht es von Berndshausen nach Kassel. Das Haus, erinnert sich Günter Stederoth, „war nur noch ein qualmender Haufen Trümmer“. Es hat einen Volltreffer abbekommen. Ohne Opas Vorahnung hätten die drei die Bombennacht im Keller genau dieses Hauses verbracht und mit Sicherheit nicht überlebt.

Günter Stederoths Vater kommt 1945 aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft zurück nach Kassel. Sie bauen sich eine neue Existenz auf, Günter Stederoth tritt beruflich in die Fußstapfen des Vaters, führt bis 1997 das Geschäft am Entenanger, das heute nicht mehr existiert – wie so viele familiengeführte Fleischereibetriebe in der Stadt. 16 Jahre ist er Obermeister der Innung. Lebt mit seiner Frau Ingrid in dem Haus, das ihrer Familie gehört – und seine eigene Kriegsgeschichte hat.

Ingrid Grießel-Stederoth

Denn es ist nicht mehr dasselbe Gebäude, in dem Ingrid Grießel-Stederoth (Jahrgang 1941) im Krieg mit ihrer Familie gelebt hat. Es war der 3. Oktober 1943, der erste Großangriff auf Kassel war von den Briten geplant. Doch anders als am 22. Oktober verdeckte eine Wolkendecke die Sicht für die Bomber-Armada, die dann ihre Bombenlast über den östlichen Teilen der Stadt ablud – ein Angriff, bei dem Sandershausen zerstört wurde. Das Haus in Wolfsanger bekam einen Volltreffer – Ingrid, ihre Eltern und die Großeltern saßen in einem Bunker, den der Großvater im Garten in die Erde getrieben hatte. Ein Blindgänger landet vor dem Bunker, die Wucht des Aufpralls bläst die Kerzen im Schutzraum aus – „da haben alle geschrien“. Eine andere Bombe trifft das Haus. Mit Eltern und Großeltern haust die Familie dann in der Garage und der Waschküche, die den Angriff überstanden haben. Teile des alten Hauses existieren noch.

Kriegsschicksale aus Kassel.

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