KSV Hessen Kassel-Fans aktiviert

Chefredakteur Rainer Hahne richtet seinen Briefwechsel diese Woche an Jens Rose, dem ersten Vorstandsmitglied des KSV Hessen Kassel.

Sehr geehrter Jens Rose, Du warst das Gesicht des KSV Hessen Kassel – und Du bist es wieder. Dein alter, neuer Verein ist in schwerer See, doch das hat dazu geführt, dass die verbliebenen Führungskräfte und die Matrosen (sprich: Fans) um so aktiver sind, um das Vereinsschiff vor dem Untergang zu bewahren.

Mit dem Crowdfunding im Internet hat es angefangen, nachdem der alte Vorstand um Hilfe gerufen hatte. 37.000 Euro kamen so zusammen. 150.000 Euro waren das zu optimistische Ziel. Alle Teilnehmer bekommen ihr Geld zurück und können direkt beim Verein Dauerkarten kaufen, denn der Verkauf hat bereits begonnen.

 Die Mannschaft steht. Die Vorbereitungsspiele stimmen Trainer Tobi Kramer optimistisch. Schließlich wurden alle hoch gewonnen – auch gegen den Hessenligisten Vellmar. Regionalliga Südwest ist wieder was ganz anderes. Da treiben sich gefühlt nur noch ehemalige Bundesligisten rum. Sogar Röchling Völklingen hat mal Bundesligaluft geschnuppert. Das wird ein Kampf gegen den Abstieg auf Biegen und Brechen. Dass der KSV mit neun Punkten Strafe beginnt, macht die Sache nicht einfacher. Aber schon Kikkers Offenbach hat gezeigt, dass das geht. Packt es also an.

Anpacken ist seit Wochen auch das Motto der Fans. Die sind in der Zwischenzeit für den Verein marschiert, gelaufen, haben ein Saisonabschluß- und ein Sommerfest eigenverantwortlich organisiert und viel Geld in die Kasse gebracht. Selbst auf der „Hessen“ waren am Wochenende hundert von ihnen. Da Karola Söllner den Eintrit gespendet hat, kamen wieder 1.600 Euro in die Vereinskasse.

Nur so kann die Konkursverwalterin den Laden organisieren und eine Planinsolvenz anstreben. Geholfen haben dabei auch Spenden, die völlig unerwartet gekommen sind. Du, Jens, hast vor Jahren Darmstadt 98 mit 10.000 Euro unter die Arme gegriffen. Jetzt helfen die Lilien Dir und zahlen zurück. Die Fans von Holstein Kiel haben bei einem Heimspiel der Störche Bratwürste verkauf und für den KSV gesammelt. 2.500 Euro kamen aus dem Norden. Und selbst die „Eisernen“ von Union Berlin haben Logos der Löwen verkauft und 580 Euro nach Kassel überwiesen.

Jetzt gilt es, diese Aktivitäten, die von Alexandra Berge und Daniel Bettermann vorbildlich betreut werden, langfristig in den Verein einzubinden. Hier sind Fans, die wirklich mit anpacken wollen. Aus solchen Menschen ist die Löwenfamilie gemacht.

Man darf gespannt sein, ob die nordhessische Industrie die Sportart Nummer 1 und damit die Löwen wieder als Werbepartner für sich entdeckt. Die deutschen Nationalmannschaften machen gerade genug Werbung für den Fußball.

Mit aktiven Grüßen Rainer Hahne Chefredakteur

P.s. Demnächst wollen die Fans das Catering im Stadion übernehmen. Zumindest teilweise. Man darf gespannt sein, was umgesetzt wird. Das war bisher nicht wenig

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