Hessens DLRG-Präsident: „Schauen mit Besorgnis auf den Sommer“

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Michael Hohmann, Präsident DLRG Hessen, befürchtet einen Andrang auf freie Gewässer im Sommer – bedingt durch geschlossene Freibäder.

„Unser Ziel ist es, dass die Schwimmbäder und Badeseen für den Publikumsverkehr in diesem Sommer wieder öffnen können.”, sagte Hessens Innen- und Sportminister Peter Beuth am Mittwoch. Wie das dann aber aussehen könnte, weiß keiner so genau. Einige Schwimmbäder in der Region werden vor diesem Hintergrund in diesem Sommer nicht öffnen – zu groß wäre der finanzielle Aufwand bei zu wenig zugelassenen Besuchern. Die DLRG betrachtet diese Entwicklung mit Sorge.

Hessen. Sommerzeit ist Badezeit. Anfang Mai öffneten in der Vergangenheit die meisten Freibäder, um Orte zum Schwimmen und für eine willkommene Abkühlung zu sorgen. Auch das wird in diesem Jahr anders sein – etliche Freibäder werden nicht öffnen, andere warten noch auf grünes Licht aus Berlin und Wiesbaden. Auch die Wasserretter des DLRG sind in engem Kontakt mit Ministerien und Kommunen.

Im Gespräch mit dem EXTRA TIP erläutert Hessens DLRG-Präsident Michael Hohmann, was eine Folge geschlossener Freibäder sein kann. „Es würde definitiv einen Run auf die offiziellen Badeseen geben –sofern diese freigegeben sind. Geschieht das nicht , wird die Lage noch schlimmer: Wir haben die Befürchtung, dass die Menschen dann an irgendeiner Stelle Abkühlung suchen – in Flüssen oder Waldseen.“ Anders als im Schwimmbad, wobei Problemen schnell Hilfe zur Stelle ist, seien Badende an diesen „Geheimtipps“ oft auf sich allein gestellt. Ob wegen Selbstüberschätzung, eines medizinischen Notfalls oder durch Gewässereigenheiten wie Strömungen und Wasserpflanzen: Wer hier untergeht, stirbt aller Wahrscheinlichkeit durch Ertrinken.

Trotz unsicherer Lage ist der DLRG dabei, seine rund 100 Rettungsstationen für die Saison aufzurüsten. „Die Abstandsregelungen und Hygieneverordnungen sorgen dafür, dass auch unsere Ehrenamtlichen mit Desinfektionsmitteln und Masken ausgestattet werden müssen“, erklärt Hohmann. Aber auch die Badestellenbetreiber seien in der Pflicht: „Wenn ein Badegast in eine Scherbe tritt und an unserer Station behandelt werden muss, ist für den verletzten eine Alltagsmaske Pflicht. Als Lebensretter hat die Gesundheit unserer Mitarbeiter höchste Priorität“, unterstreicht Hohmann. Für ein plus an Sicherheit sei man in Absprache mit den Kommunen und mit Unterstützung der Björn-Steiger-Stiftung dabei, beliebte Badeseen mit Notrufsäulen auszustatten. „Das wirkt im Handyzeitalter zwar etwas komisch, doch gerade am Badesee ist ein Handy oft nicht zur Hand. Dank übermittelter GPS-Daten der Säule ist für die Retter eine schnelle Hilfe noch besser möglich“, erklärt Hohmann. In der Region werden zunächst Edersee und Diemelsee mit mehreren Säulen ausgestattet, weitere sollen folgen.

Feuerwehr rechnet mit „normalen“ Sommer

Die Feuerwehr Kassel geht davon aus, dass wie in den letzten Jahren auch die Bademöglichkeiten in den Gewässern der BuGa und der Fulda genutzt werden. „Ob es zu einer erhöhten Frequentierung dieser Möglichkeiten im Stadtgebiet kommt, ist seitens der Feuerwehr nicht abschätzbar.“, teilt Stadtsprecher Michael Schwab auf EXTRA TIP-Anfrage mit. Seitens der Feuerwehr seien keine zusätzlichen Maßnahmen geplant. „Da das Baden in den Gewässern der BuGa wie auch in einigen Bereichen der Fulda seit Jahren praktiziert wird, stellt dies aus unserer Sicht keine neue Besonderheit dar. Sollte es zu einem Zwischenfall kommen, werden in gewohnter Weise der Wasserrettungszug ausrücken, um den Hilfsbedürftigen adäquat helfen zu können.“, sagt Schwab.

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