Hessens Polizei wünscht Elektroschocker für Streifendienst

Die Drähte, die den muskellähmenden Stromimpuls übertragen, können bis zu fünf Meter weit verschossen werden. Fotos: dpa

Nach Wunsch der Gewerkschaft der Polizei sollen künftig auch beamte im Streifendienst mit einem Distanz-Elektro-Impuls-gerät (DEIG) ausgestattet sein.

Kassel.  Der Aufprall der nadelähnlichen Pfeile ist noch nicht groß zu spüren. Dann wird es heftig: Stromschläge im niedrigen Amperebereich durchzucken die Muskeln und lähmen sie schließlich innerhalb von Sekunden. Chance zur Gegenwehr: Keine! 410 Mal wurde in der Zeit von Januar 2006 bis Juli 2015 ein "Distanz-Elektro-Impuls-Gerät" (DEIG) im Polizeidient eingesetzt. In 85 Prozent der Fälle, so schlüsselt es die Übermittlung der Fälle an das Polizeitechnische Institut (Pti) an der Deutschen Polizei Hochschule (DHPol) in Münster auf,  war das Gerät stets zuverlässig sowie wirksam und die Personen konnten problemlos überwältigt werden. Bei den anderen 15 Prozent handelte es sich zum beispiel um Fehlschüsse.

Wo die Spezialeinsatzkommandos mit Einsatzstock oder Pfefferspray nicht weiter kommen, greifen sie zum Elektro-Schocker, um Angreifer kampfunfähig zu machen. Nun, so ist es der Wunsch der hessischen Gewerkschaft der Polizei (GdP), sollen auch Streifenpolizisten die pistolenähnliche Geräte bei sich tragen und einsetzen dürfen.

"Immer mehr Kolleginnen und Kollegen wenden sich an die GdP und fordern eine Ausstattung der hessischen Polizei über die Spezialeinheiten hinaus. Entsprechende DEIG werden in 15 europäischen Ländern bereits im Streifendienst eingesetzt", sagt der GdP-Landesvorsitzende Andreas Grün. Er hatte jetzt in Wiesbaden zu einer Expertenanhörung geladen, bei denen unter anderem Polizeioberrat Björn Neureuter (Vorsitzender Bundesfachausschuss Schutzpolizei der GdP), Polizeirat Jürgen Sohnemann (Leiter Einsatztraining, Polizeiakademie Hessen), Polizeidirektor Markus Hans (Leiter Polizeitechnisches Institut der Deutschen  Hochschule der Polizei) sowie Leitender Polizeidirektor a.D. Martin Textor (ehemaliger Leiter SEK Berlin) die Thematik erörterten.Durch die Referenten wurde verdeutlicht, dass nicht etwa die Schusswaffe ersetzt werden soll. Vielmehr bestehe die Chance, eine echte taktische Einsatzlücke zu schließen. Die unzureichende Eignung des Schlagstocks und die großen Mängel beim Pfefferspray waren ebenso Gegenstand der Anhörung, wie die Tatsache, dass auch Schusswaffengebräuche ggf. verhindert werden können.  "Am Ende bestand weitgehend Einklang darüber, dass diese neuen Geräte unter Berücksichtigung aller Aspekte mildere und wirksamere Einsatzmittel darstellen können, als dies bei Einsatz von Schlagstock, Pfefferspray oder gar Schusswaffe der Fall wäre", so das Fazit von Andreas Grün.

Die GdP Hessen wird Innenminister Peter Beuth nun  die Ergebnissen der Veranstaltung übermitteln und "in eine sachliche Diskussion über eine mögliche Einführung von Distanz-Elektroimpulsgeräten über die Spezialeinheiten hinaus eintreten."

Stromimpulse lähmen Getroffene

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) befasst sich seit einiger Zeit intensiv mit dem Thema "Distanz-Elektro-Impuls-Gerät – DEIG" (umgangssprachlich Taser genannt – ein Herstellername). Es handelt sich dabei um ein halbautomatisches Distanz-Elektro-Impulsgerät. Das Gerät verschießt an dünnen Drähten befindliche nadelähnliche Pfeile, welche mittels Laserpointer-Visierung eine hohe Handlungs- und Treffersicherheit ermöglichen. Das DEIG bewirkt nach dem Auftreffen der Pfeile durch Stromimpulse von 0,0013 bis 0,0036 Ampere eine sofortige Muskelblockade und eine komplette Handlungsunfähigkeit, die fünf Sekunden anhält. Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge ist die Benutzung bei bestimmungsgemäßem Gebrauch für den Menschen ungefährlich.

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