Hort-Rauswurf für kleine Elif (9) - Panne bei Kommunikation

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Neun Monate nach dem Wohnortwechsel soll Elif plötzlich nicht mehr in den Hort in Baunatal gehen dürfen. Die berufstätigen Eltern stehen vor einem Problem. Wo soll die Tochter nach der Schule nun betreut werden?

Baunatal. Elif versteht die Welt nicht mehr. Vom einen auf den anderen Tag soll die Grundschülerin nicht mehr in den Hort kommen. Denn: Elif ist mit ihrem Vater Kader und Mutter Hayriye von Baunatal nach Besse gezogen und hat anscheinend nun keinen Anspruch mehr, den Hort in Baunatal zu besuchen.

Die Familie Aydin wendete sich daraufhin an den EXTRA TIP. „Meine Tochter geht in Baunatal zur Schule, geht gerne hier in den Hort und nun bekommen wir einen Anruf, dass sie am nächsten Tag nicht mehr kommen kann und ich sie heute noch abholen muss“, klagt die Mutter. „Ich verstehe nicht, wieso meine Tochter nun plötzlich nicht mehr betreut werden kann. Sie geht fünf Minuten von hier in die Grundschule am Stadtpark, läuft mit ihren Klassenkameraden und Freunden nach dem Unterricht hierher und nun soll sie aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen werden?“

Beide Elternteile arbeiten in Baunatal, sodass es ein leichtes ist, Elif morgens zur Schule zu bringen und nachmittags vom Hort abzuholen. Doch wenn die Betreuung im Hort wegfällt, sieht es schlecht aus. „Mein Mann arbeitet im VW-Werk, ich in Baunatal als Arzthelferin. Soll ich meinen Job kündigen oder soll Elif nach der Schule mit dem Bus nach Besse fahren, um dort in den Hort zu gehen oder um allein zuhause zu sein? Das kann es doch nicht sein“, verzweifelt Hayriye und auch Elif stehen beim Abschied am Hort in der Erich Kästner Schule Tränen in den Augen. Auch die dortigen Erzieherinnen waren entsetzt, dass das Mädchen plötzlich nicht mehr kommen soll. „Wurde Elif etwa rausgeschmissen?“, fragt ein Hort-Kind traurig nach. Denn die Neunjährige ist ein beliebtes Mädchen, schreibt nur gute Noten und ihre Eltern wollten einen Schulwechsel bewusst vermeiden. Nun ist scheinbar nicht die Grundschule das Problem, sondern die Betreuung danach.

Das sagt die Stadt Baunatal zu dem Fall Elif

Bürgermeister Manfred Schaub hat sich persönlich der Sache angenommen. „Leider ist der Sachverhalt nicht so wie geschildert. Wir sind schon seit zwei Wochen an der Angelegenheit dran und versuchen eine Lösung zu finden. Die Stadt hatte keine Informationen über den Umzug nach Besse, auf die Aufforderung von vor 2 Monaten, wichtige Unterlagen nachzureichen, erhielten wir zwei Arbeitsbescheinigungen mit unterschiedlichen Adressen, der alten in Baunatal und der neuen in Edermünde-Besse. Wir von der Stadt wussten nicht, dass die Familien eine Ausnahmeregelung bei der Grundschule beantragt hat und die Familie Aydin wusste nicht, dass die Stadt die bei der Grundschule eingereichten Unterlagen nicht automatisch erhält. Das eine ist Kreis, das andere Stadt. So konnte es zu dieser Lage kommen. Natürlich haben wir in Baunatal ausreichend Plätze für alle Kinder, aber nicht automatisch auch für Kinder aus anderen Gemeinden. So hat sich dieser Fall für beide Seiten leider missverständlich dargestellt. Doch ich habe mit der Familie Aydin gesprochen und Elif kann weiterhin auf die Grundschule Am Stadtpark gehen und dort auch die kooperative Schulbetreuung besuchen. Ob sie im nächsten Schuljahr weiterhin den Hort beanspruchen kann, wird man noch gemeinsam klären müssen.“

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