Hunderte Millionen für Kassels Schulen

Sehr geehrter Christian Geselle, sehr geehrter Peter Ley, als Oberbürgermeister der Stadt Kassel und als Geschäftsführer der GWG haben Sie in den letzten Monaten (oder sogar noch länger?) an einem Finanzierungs- und Modernisierungsmodell für die Kasseler Schulen gebastelt. 124 Millionen Euro sind seit 2008 in die Kasseler Schulen investiert worden. Aktuell laufen 26 Projekte im Gesamtwert von rund 68 Millionen Euro. Da soll mal einer sagen, dass uns die Bildung unserer Schülerinnen und Schüler nichts wert sit. Und trotzdem knirscht und klappert es an allen Ecken und Enden. Decken kommen runter, Fenster klappern, Steckdosen hängen aus den Wänden. Und wann ist hier zum letzten Mal gestrichen worden? Schulen werden schon intensiv genutzt. Ja, mitunter hatte ich bei der Besichtigung einiger „Tatorte“ den Eindruck, dass dort jemand seinen Frust ausgelassen hatte. Wie auch immer. In den Schulen passiert einfach noch nicht genug. Das mache ich nicht allein an den baulic

hen Gegenheiten fest. Im November war ich mal wieder in China. Der Besuch in einer Berufsschule in Peking hat mir gezeigt, dass wir ganz gewaltig aufpassen müssen, damit wir nicht abgehängt werden. Jeder Schüler dort hatte einen Computer an seinem Platz. Allein darüber reden wir seit gefühlt zehn Jahren. Und es passiert viel zu wenig. Für Berufs- und Hochschullehrer, die mit im Reich der Mitte waren, war der Besuch ebenfalls ernüchternd: „Wir hätten nie gedacht, dass die Chinesen schon so weit sind.“ Sind sie aber, und wir haben demnächst in Kassel die Möglichkeit, zumindest baulich hervorragende Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass es Schülern Spass macht, in die Schule zu gehen.

Dass es auf einmal möglich ist, mehrere hundert Millionen Euro für die Schulmodernisierungen locker zu machen, liegt natürlich nicht nur am pfifigen Konzept, sondern auch an der Geldpolitik der Europäischen Union. Das äußerst niedrige Zinsniveau sorgt dafür, dass die Kassen kaum noch wissen, wie sie ihr Geld anlegen können. Genau der richtige Zeitpunkt, um in Schulen zu investieren. Und Sie, lieber Peter Ley, sind – sozusagen im beruflichen Endspurt – genau der Richtige, um die bauliche Umsetzung in die Wege zu leiten. Schließlich gilt es, die heimische Bauindustrie so halbwegs zu zügeln. Im Rathaus hat die Baukonjunktur die Preise um dreißig Prozent nach oben gedrückt. Da muss der gewiefte Verhandler ran und mit langfristigen Verträgen „drohen“. Ich bin gespannt, was dabei rumkommt.

Mit schulischen Grüßen

Rainer Hahne

Chefredakteur

P.s. Mir gefällt es ganz besonders, dass die Schüler in die Planung der neuen, modernen Schulen mit einbezogen werden sollen. Sie müssen dort ja auch schließlich sitzen und jahrelang lernen. Da werden sie am besten wissen, was sie täglich gerne um sich hätten.

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