Nach Antisemitismus-Vorwürfen: documenta-Kunstwerk wird abgebaut

OB Christian Geselle: „Ich habe – trotz allem Einsatz für die künstlerische Freiheit – immer gesagt, dass Kunstfreiheit dort ein Ende hat, wo rote Linien überschritten werden. Dies ist jetzt der Fall. Antisemitismus hat auf der documenta und insbesondere in Kassel, hat in unserer Gesellschaft, nichts verloren.“
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OB Christian Geselle: „Ich habe – trotz allem Einsatz für die künstlerische Freiheit – immer gesagt, dass Kunstfreiheit dort ein Ende hat, wo rote Linien überschritten werden. Dies ist jetzt der Fall. Antisemitismus hat auf der documenta und insbesondere in Kassel, hat in unserer Gesellschaft, nichts verloren.“

Oberbürgermeister Christian Geselle nimmt Stellung zu dem mittlerweile verhüllten documenta-Kunstwerk, das nun abgebaut wird.

Kassel. Zu den aktuellen Entwicklungen bei der documenta fifteen mit offensichtlichen antisemitischen Abbildungen auf einem Kunstwerk am Friedrichsplatz bezieht Oberbürgermeister Christian Geselle noch einmal deutlich Stellung: „Ich bin wütend, enttäuscht und verletzt. Als Oberbürgermeister und als Stadt fühlen wir uns durch die antisemitischen Motive beschämt. Es ist ein immenser Schaden für unsere Stadt und die documenta entstanden. Die deutsche Staatsräson ist deutlich und unmissverständlich. Deutschland hat aus seiner Geschichte heraus eine besondere Verantwortung für alle Menschen jüdischen Glaubens und den Staat Israel. Meine klare Haltung dazu kennt auch die jüdische Gemeinde in Kassel, mit der ich mich auch heute ausgetauscht habe.

Nachdem gestern bekannt wurde, dass antisemitische Darstellungen auf dem Banner auf dem Friedrichsplatz zu sehen sind, muss nun aufgearbeitet werden, wie es dazu kommen konnte.

Trotz ihrer Bekenntnisse ist die künstlerische Leitung der documenta fifteen ihrer Verantwortung nicht nachgekommen, dafür zu sorgen, dass Antisemitismus, Rassismus sowie jede Art von Diskriminierung keinen Raum hat. Deswegen wird jetzt die documenta gGmbH eingreifen. Die Verhüllung des Banners gestern Abend konnte nur ein erster Schritt sein. Mit einem einstimmigen Meinungsbild hat der documenta-Aufsichtsrat bei der heute Vormittag von mir einberufenen Informationsveranstaltung die Haltung der Generaldirektorin bestärkt, das Kunstwerk jetzt entfernen zu lassen.

Ich habe – trotz allem Einsatz für die künstlerische Freiheit – immer gesagt, dass Kunstfreiheit dort ein Ende hat, wo rote Linien überschritten werden. Dies ist jetzt der Fall. Antisemitismus hat auf der documenta und insbesondere in Kassel, hat in unserer Gesellschaft, nichts verloren.

Gleichzeitig möchte ich noch einmal betonen, dass die documenta fifteen nicht unter Generalverdacht gestellt werden darf. So schwer die aktuelle Debatte auf der documenta und der Stadt Kassel und dem Land Hessen lastet, so begreife ich sie auch als unbedingt erforderlichen Beginn eines offenen Dialogs mit den unterschiedlichen Positionen einer globalen Gesellschaft. Ich wünsche mir ein ehrliches, sachliches Podium der kritischen Auseinandersetzung, des offenen Diskurses und des voneinander Lernens. Als Oberbürgermeister ist es mir besonders wichtig, die Bedeutung der documenta für Kassel, für das Land Hessen, für die Bundesrepublik Deutschland und den gesellschaftlichen Dialog seit mehr als 60 Jahren noch einmal zu betonen.“

Auch die hessische Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn äußerte sich hier dazu.

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