Idee im Kopf – Unterstützer im Rücken

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Kassel. Uni Kassel startet eigene Crowdfunding-Plattform: Jeder kann mit Geld helfen, dass kreative Projekte Wirklichkeit werden.

Kassel. Die einzige Öffnung der kleinen Hütte ist ein schmaler Spalt unterm Dach.  Trotzdem kocht die afrikanische Familie hier über dem offenen Feuer – so wie knapp drei Milliarden Menschen in der Dritten Welt, die keinen Zugang zu modernen Küchengeräten haben. Das Kochen auf offener Flamme ist nicht nur ineffizient und umweltbelastend, sondern vor allem gefährlich:  Bis zu zwei Millionen Menschen sterben pro Jahr an den Folgen der Luftverschmutzung durch offene Kochfeuer, so die Weltgesundheitsorganisation.

Idee kam während eines Uganda-Aufenthalts

Sebastian Erdmann will daran etwas ändern. Der Student aus Kassel hat einen zweiteiligen Energiesparherd-Bausatz entwickelt, der die Kochbedingungen in den Entwicklungsländern verbessern soll."Glow" heißt der vier Kilo  leichte Herd, der nach dem Prinzip eines Holzvergaserkessels funktioniert. "Das entflammte Brennholz wird in Holzkohle und Gase aufgespalten. Die Gase steigen nach oben, vermischen sich mit einem Luftstrom und entzünden sich", erklärt Sebastian Erdmann, der die Idee während eines Forschungsaufenthalts in Uganda 2011 gemeinsam mit Markus Espeter entwickelt hat.

10.000 Euro Startfinanzierung nötig

Ziel des Glow-Teams ist es, ein Verteilzentrum in Uganda einzurichten. Hier sollen die Bausätzen verarbeitet und schließlich an kleine Werkstätten verkauft werden.  Doch dazu brauchen die Studenten Geld.   Mindestens 10.000 Euro sind nötig, um die Kosten für Werkzeuge, Marketingmaterial, Transport  und   Materialien zu decken.

Helfen, das Geld zusammenzubekommen, soll die neue Crowdfunding-Plattform der Uni Kassel (siehe EXTRA INFO unten). Sie bietet kreativen Köpfen aus der Region die Möglichkeit, ihre Ideen vorzustellen und mit der Hilfe von Geldgebern zu  finanzieren. Ob ein Euro, 50 oder 2.500 Euro, ob Privatmann oder Firma: Jeder hat die Möglichkeit sein Herzens-Projekt zu unterstützen.

Im besten Fall wird das Fundingziel erreicht und das Projekt umgesetzt. Kommt nicht genug Geld zusammen und das  Fundingziel wird nicht erreicht, bekommen die Unterstützer ihr Geld zurück.  Das Scheitern eines Projekts bietet aber auch eine Chance, so  Dr. Oliver Fromm, Geschäftsführer UniKasselTransfer. "Gerade an der Uni laufen wir Gefahr, an der Gesellschaft vorbeizuentwickeln. Das Geld ist beim Crowdfunding quasi die Rückmeldung, ob das Projekt überhaupt gebraucht wird."

Vier Projekte gestartet

Zum Startschuss am Donnerstag wurden die ersten vier spannenden Projekte der  Unikat Crowdfunding Page vorgestellt: Die Studentin Sylvie Müller möchte Kosmetikprodukte aus heimischen Pflanzen herstellen; die Plattform "NextKassel" träumt davon, ihre gesammelten Bürgerideen als Buch herauszubringen; und die Studenten Sabrina Wanke und  Marcus Ender wollen ein Schulgartenhaus auf Rädern bauen, um Kindern spielerisch Wissen über Natur zu vermitteln.

Auch Sebastian Erdmann und seine drei Mitstreiter haben den Launch der Seite genutzt, um für ihr Projekt zu trommeln. Noch 84 Tage bleiben ihnen jetzt, um die 10.000 Euro für ihren Traum vom Energiesparherd für Afrika zu sammeln.  Die ersten 310 Euro hatten sie am Morgen nach dem offiziellen Start bereits zusammen.

+++ EXTRA INFO: Was ist Crowdfunding? +++

Beim Crowdfunding (auch Schwarmfinanzierung genannt) wird finanzielle Unterstützung für ein Projekt von einer Vielzahl an Geldgebern eingesammelt, meist über ein Internet-Portal. Unikat Crowdfunding ist die erste Crowdfunding-Seite in Deutschland, die von einer Universität initiiert ist; sie ist ein Gemeinschaftsprojekt der Universität Kassel, der Wirtschaftsförderung Region Kassel GmbH und der Crowdfunding-Plattform Startnext.Alle Informationen unter www.unikat-crowdfunding.de

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