Lage gut, Aussicht gedämpft

IHK-Vizepräsidentin Désirée Derin-Holzapfel
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„Wo Licht ist, gibt es auch Schatten“, kommentiert IHK-Vizepräsidentin Désirée Derin-Holzapfel, Geschäftsführerin der friedola 1888 GmbH, Meinhard-Frieda die Ergebnisse.

IHK-Konjunkturumfrage Herbst 2021: Energie- und Rohstoffpreise größtes Risiko

Kassel Die Wirtschaft in Nordhessen und der Region Marburg gewinnt nach den tiefen Einschnitten der vergangenen Umfragen wieder an Fahrt. Der IHK-Klimaindex, der gewichtete Faktor aus gegenwärtiger und zukünftiger Lagebeurteilung, steigt über alle Branchen hinweg auf 118 Punkte (Vorbericht 105,6 Punkte, Vorjahr 90,5 Punkte). Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg zum Herbst 2021, an der sich rund 300 Unternehmen beteiligten. Die Umfrage fand vom 23. August bis 4. Oktober 2021 statt.

Nachdem die Corona-Pandemie für eineinhalb Jahre die wirtschaftliche Situation beherrscht hat, ist nun eine Erholung zu verzeichnen. „Erstmals seit Beginn der Pandemie sehen auch Handel und Gastronomie wieder optimistischer in die Zukunft. Die Menschen holen nun nach, was sie während des Lockdowns vermisst haben. Besonders erfreulich ist, dass die konjunkturelle Lage sich in nahezu allen Branchen verbessert hat“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Arnd Klein-Zirbes. 40,3 Prozent der befragten Unternehmen bewerten ihre aktuelle Lage als gut (Vorbericht 32,3 Prozent). Hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung sind die Unternehmen zurückhaltender. Rund jedes vierte Unternehmen rechnet mit einer weiteren konjunkturellen Erholung. 15 Prozent der Betriebe gehen von einer Eintrübung der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung aus. Neben Einzelhandel mit 105,7 Punkten (Vorbericht 83,6 Punkte) und Gastronomie mit 128,9 Punkten (Vorbericht 26,1 Punkte) vermelden auch das Baugewerbe und das Verkehrsgewerbe verbesserte Werte zur Vorumfrage. Das Verkehrsgewerbe leidet allerdings überdurchschnittlich unter dem Fachkräftemangel. Stabilisator der Konjunktur bleibt die Industrie mit rund 124 Indexpunkten. Gleichwohl muss man feststellen, dass der Index leicht zurückgegangen ist (Vorbericht rund 127 Punkte). Zusätzlich haben die Investitionen und der Arbeitsmarkt an Schwung gewonnen.

„Wo Licht ist, gibt es auch Schatten“, kommentiert IHK-Vizepräsidentin Désirée Derin-Holzapfel, Geschäftsführerin der friedola 1888 GmbH, Meinhard-Frieda die Ergebnisse: „Gerade in der Industrie, aber zunehmend auch in anderen Branchen wird die Erholung durch Preissteigerungen für Rohstoffe sowie durch Unterbrechungen internationaler Lieferketten oder komplette Lieferausfälle zunehmend gebremst.“ Engpässe gebe es unter anderem in der Halbleiterbranche, bei den Automobilzulieferern und Vorleistungsgütern der chemischen Industrie. Bei den Rohstoffen sind laut der Umfrage erhebliche Preissteigerungen für Metalle, Mineralien, Kunststoffe sowie Holz festzustellen. Zwei von drei befragten Unternehmen sehen in den Energie- und Rohstoffpreisen aktuell das größte Risiko für die Konjunktur. Alle Befragten nennen weiterhin den Fachkräftemangel und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als Risiko.

Viele Betriebe weisen in der Umfrage auf einen notwendigen Bürokratieabbau hin. Die Bürokratiekosten eines mittelständischen Gastgewerbes sind nach einer aktuellen DIHK-Studie ähnlich hoch wie die Belastungen der Betriebe durch die Steuerzahlungen. „Rund 14 Stunden die Woche müssen wir uns bürokratischen Anforderungen stellen. Dabei lässt sich sicher mit einfachen Maßnahmen das Zeitbudget reduzieren“, sagt Lukas Frankfurth, Gastgeber des Parkhotels Emstaler Höhe in Bad Emstal-Sand. So könnten etwa die umständlichen Meldezettel in Hotels und Gaststätten ganz abgeschafft werden, weil sie nicht dabei helfen, die Kriminalität zu bekämpfen. Außerdem sollten Aufbewahrungsfristen verkürzt und aufwendige Dokumentationen vereinfacht und digitalisiert werden.

Die weitere Entwicklung der regionalen Konjunktur hängt nun stark vom weiteren Infektionsgeschehen und der Konsumlaune der Verbraucher kurz vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft ab. Die IHK-Organisation geht aktuell von einem Wirtschaftswachstum von 2,5 bis 3,0 Prozent für 2021 aus. Die Teuerungsrate wird über knapp zwei Prozent liegen.

Der gesamte Konjunkturbericht ist unter www.ihk-kassel.de/konjunktur zu finden.

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