Immer am Zeitgeist: Vor 40 Jahren eröffnete das Bohemia auf der Kneipenmeile - Gründer und Betreiber berichten 

Bohemia Kassel im Wandel der Zeit
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Im Bohemia war schon immer alles anders. Oder genauer gesagt: Besonders! Weg vom Einheitsgrau hieß es im Jahr 1982, als die legendäre Kneipe eröffnete. Anlässlich des 40-Jährigen Jubiläum der beliebten Bar öffnet Gründer Gunter Schmidt sein Fotoarchiv.

Kassel. Zur Eröffnung im Jahr 1982 war im Bohemia alles rosa. Doch zum 40-jährigen Jubiläum der beliebten Bar und Café auf der Friedrich-Ebert-Straße sind die Zeiten nicht gerade rosig. Die Corona-Pandemie hat Kassel weiter im Griff und deshalb ist eine gebührende Geburtstagsparty der beliebten Kneipe auf der Friedrich-Ebert-Straße nicht möglich.

Kommt immer gern und regelmäßig ins Bohemia: Bohemia-Gründer und Gutshof Kassel-Betreiber Gunter Schmidt mit Bohemia-Pächter Nasrat Ansari (li.).

„Es ist echt schade, aber pandemiebedingt ist derzeit eine Feier in der Kultbar leider nicht machbar“, so Betreiber Nasrat Ansari. „Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Wir werden die Feier im Sommer nachholen – sobald es möglich ist.“

40 Jahre Bohemia bedeuten auch vier Jahrzehnte Lebenslust und Feierlaune. „Davon gab es reichlich. Hier ging in den letzten Jahrzehnten einiges ab“, berichtet Gunter Schmidt, Bohemia-Gründer und Eigner des Gebäudes.

Mit der Eröffnung am 1. Februar 1982 begann ein neuer Zeitgeist in der Kasseler Kneipenszene. „Mit unserer besonderen Einrichtung war das Bohemia ein Exot“, berichtet Schmidt, der zum Jubiläumstag natürlich auf einen Kaffee vorbeischaute.

„Die rosa Leder-Sitzpolster auf den Bänken und Thonet-Stühlen waren schon ein Hingucker. Ich hatte damals gute Kontakte zu vielen Künstlern am Staatstheater. Zusammen mit ihnen entstand die Idee zur rosafarbenen Ausstattung. Die Künstler vom Theater haben damals auch mit beim beziehen der Polster geholfen.“ Aber nicht nur die rosafarbenen Ledersitze fielen auf. Während andere Kneipen eher dunkel gehalten waren, war im Bohemia alles hell (zumindest tagsüber, denn abends wurden zusätzlich noch die Rollos runtergezogen, damit das munteren Treiben in der Kneipe nicht so von außen gesehen werden konnte). „Besonders war auch das Publikum und die Musik“, ergänzt Schmidt. Gespielt wurde damals die Neue Deutsche Welle und Jazz. „Heute sind es vorwiegend Soul, Hip Hop- und House-Beats“, so Ansari.

Das Bohemia traf in den 80er Jahren genau den Nerv der Zeit. Die Bar wurde zum Lebensgefühl. So waren die Gäste beispielsweise eher extravagant gekleidet, wie man heute sagen würde. Zu den Gästen gehörten Künstler, Rechtsanwälte, Popper sowie Sportler, die sich vom Einheitsgrau abheben wollten. Mit den Jahren änderte sich natürlich das Publikum. Und natürlich auch die Inneneinrichtung. Stammgäste für die das Bohemia ein Lebensgefühl ist, gibt es aber immer noch: Einer ließ sich vor Kurzem sogar den Bohemia-Schriftzug auf die Wade tätowieren.

Das Interieur fertigte Schmidt damals übrigens alles selbst an. Inspirationen dafür hatte sich der gelernte Schreiner bei seinen Aufenthalten in Amerika geholt. Heute glänzt das Bohemia in gedeckten Farben und zum Publikum gehört die breite Masse. Am Wochenende gibt es wie früher Musik von einem DJ. Oft lassen die Gäste dort natürlich noch gern die Korken knallen. Viele Studenten schätzen die Kneipe aber auch für ein kühles Bier.

Seit über zwei Jahrzehnten hat Gunter Schmidt das Bohemia verpachtet, betreibt aber noch das Restaurant Gutshof in Bad Wilhelmshöhe. Über die Anfänge im Bohemia berichtet Schmidt: „Wie man Kaffee kocht, wusste ich. Wie man richtig Bier zapfte, lernte ich von einer Mitarbeiterin.“

Im Jahr 2016 übernahm Nasrat Ansari das Bohemia. Erst mit einem Partner, nun ist er alleiniger Betreiber, der den Zeitgeist aber gebührend fortführt: So sorgte er bereits mit vielen Partys und seiner besonderen Schaufenstergestaltung anlässlich des ersten Corona-Lockdowns für Furore.

Eins ist allerdings im Bohemia über all die Jahrzehnte immer gleich geblieben: Im Sommer stehen die Gäste bis auf die Straße und genießen die Atmosphäre, die tatsächlich etwas von Lebenslust hat – wenn nicht gerade Corona-Pandemie herrscht. Die Zeit des Lockdowns nutzte Ansari auch passend: für einen modernen Umbau – für den Zeitgeist von heute.

Rubriklistenbild: © Fotos: Schmidt, Schaumlöffel, Ansari, Privat

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