Immer weniger Chöre: Mitteldeutscher Sängerbund verzeichnet sinkende Mitgliedszahlen

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Noch existieren in Nordhessen zahlreiche Chöre, aber sie haben immer größere Probleme, Nachwuchs zu finden.

In Nordhessen ringen neben den Vereinen auch die Chöre um Mitglieder. Hans-Joachim Zwickirsch vom Mitteldeutschen Sängerbund hat Erklärungen.

Kassel. Seit 1839 – stolze 179 Jahre – gibt es den Mitteldeutschen Sängerbund (MSB) nun schon. Der Verband für Chöre in Nordhessen und Südniedersachsen wurde damals gegründet um Männer-, Gemischten-, Frauen-, Kinder-, und Jugendchorgesang unter einem Dach zusammenzuschließen und gemeinsam die Chortradition zu pflegen.

Dieser Aufgabe geht der Bund bis heute nach – jedoch sind die Zeiten schwerer geworden. Allein in den vergangenen zehn Jahren ist die Anzahl der Mitglieder des MSB von damals 40.000 auf einen aktuellen Stand von etwa 13.800 Mitgliedern gesunken – ein Verlust von etwa einem Drittel. Doch woran liegt das? Und wie kann man dem Chorsterben entgegenwirken? Der EXTRA TIP hat mit Hans-Joachim Zwickirsch, dem Bundesgeschäftsführer des MSB, gesprochen.

Ist seit fast 40 Jahren begeisterter Chorsänger, seit drei Jahren Vorstandsmitglied des Gemischten Chors in Hörle und Bundesgeschäftsführer des Mitteldeutschen Sängerbundes: Hans-Joachim Zwickirsch.

ET: Herr Zwickirsch, Sie singen selbst seit Jahrzehnten im Gemischen Chor Hörle bei Volkmarsen. Wie steht es derzeit um die nordhessische Chortradition?

Zwickirsch: Die Chorlandschaft in Nordhessen ist natürlich immer noch vorhanden – allein in der Stadt Kassel zählen wir zwölf aktive Chöre, im MSB sind es insgesamt ganze 576. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Anzahl aber deutlich gesunken. Das kann man nicht leugnen, aber erklären.

Welche Gründe hat es denn?

Mehrere. Zum einen ist da die Überalterung der Chöre – viele der Mitglieder werden irgendwann zu alt, um weiter im Chor singen zu können. Das ist besonders in Männerchören ein Problem, hier liegt der Altersdurchschnitt oft bei weit über 60 Jahren.

Und was ist mit jungen Sängern?

Das ist der zweite Grund: Es fehlt – wie auch in vielen Vereinen – der Nachwuchs, um diese Lücke wieder zu schließen. Früher war jeder Mitglied in einem Verein in seinem Heimatdorf – Chöre oder auch die Freiwillige Feuerwehr waren beliebt bei jungen Menschen. Heutzutage ziehen sie lieber in die Stadt und beschäftigen sich mit ihrem Computer oder anderen Dingen. Im riesigen Freizeitangebot geht der Chorgesang unter.

Klingt, als würde es mit der Chortradition in Nordhessen steil bergab gehen. 

Das immer weniger Menschen in Chören singen, ist natürlich kein Phänomen, das es nur in Nordhessen gibt. Das ist nun mal der Wandel der Zeit. Und man darf das ganze auch nicht zu schwarz sehen – in unserer Region gibt es auch Chorneugründungen und Chöre, die guten Zulauf haben.

Was muss man tun, wenn man als Chor überleben will? 

Vieles steht und fällt mir dem jeweiligen Chorleiter. Er gibt schließlich den Ton und die Stimmung im Chor an. Wer offen für Neues ist, sich zum Beispiel auf modernere Musik und frische Interpretationen einlässt und das auch nach Außen vermittelt, der wird auch neue Sänger gewinnen.

Es ist also eine Frage der Selbstvermarktung?

Ja, auch. Man darf heutzutage nicht darauf hoffen, dass die Leute zu einem kommen. Man muss selbst aktiv werden, sich und sein Können präsentieren und in die Öffentlichkeit gehen, um junge Menschen für den Chorgesang zu begeistern. Einige Chorleiter in unserem Sängerbund gehen da mit gutem Beispiel und entsprechendem Erfolg voran.

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