Innere Werte zählen: Sanierung der Martinskirche bis 2015

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Kassel. Nach 50 Jahren Stillstand: Kassels älteste Kirche bekommt neue Akustik, Technik, Stromleitungen, Boden und Gewölbe.

Kassel. Wahre Schönheit schlummert im Inneren – auch in der Kasseler Martinskirche. Nach der großen Sanierung des gotischen Außenbaus  vor rund 14 Jahren sollen nun neben Starkstromleitungen, Akustik und Technik auch die inneren Schmuckstücke der Martinskirche erneuert werden: das Hauptschiff und das alte Kreuzgratgewölbe. "Es sind nicht nur Schönheitsreparaturen, die anstehen. Die Technik muss auf den neuesten Stand gebracht werden. Die Kirche muss im 21. Jahrhundert multifunktional sein", erklärt Pfarrer Dr. Willi Temme. Denn seit 50 Jahren sei wenig bis nichts passiert. "Da hat sich einiges aufgestaut. Vor allem das Gewölbe macht Probleme", sagt Dr. Hans Helmut Horn, Vorsitzender der evangelischen Kirchengemeinde Kassel-Mitte.

Decke wird zum echten Gotik-Gewölbe

Die inzwischen stark beschädigte Decke stammt aus der Nachkriegszeit. "Es ist ein künstliches Gewölbe aus den  50ern. Es wurde mit verschiedenen Materialien gearbeitet, die nun Spannungen und Risse zeigen",  so Dr. Horn. Damit keine Teile von oben herabfallen, wurde das alte Gewölbe abgeschlagen. "Erste Teile sind schon runter gefallen. Bevor sich noch ein größeres Teil ablöst, haben wir vorgebeugt." Auch die Risse in den Wänden werden durch eine Messung ständig überwacht.

Gröbere Renovierungsarbeiten habe es zwar gegeben, jedoch keine Sanierung. "Die Architektur soll sich jetzt an den Originalplänen orientieren." Dies gilt vor allem für Boden und Gewölbe. So wird auch der stark schadhafte Holzboden durch einen einheitlichen Steinboden ersetzt – und auch die dunklen Kirchenbänke sollen einer Einzelbestuhlung weichen. "Dadurch verändert sich die gesamte Raumwirkung. Das kommt auch den Veranstaltungen und Gottesdiensten zu Gute", sagen Pfarrer Dr. Temme und Inge Böhle, geschäftsführende Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Kassel-Mitte, einstimmig.

Überbleibsel aus der Bombennacht

Die über 650 Jahre alte Kirche hat sogar noch Überbleibsel aus der Kasseler Bombennacht 1943. "Es ist ein Blick in die Archeologie der Kirche", sagt Pfarrer Dr. Temme und zeigt lächelnd auf eine aufgerissene Wand.  Da es sich um keinen festen Sandstein handele, habe die Hitze des Bombenfeuers die Bausubstanz aufgelöst. Außerdem soll auch eine konstante Zusatzbeleuchtung folgen. Kosten für die Gesamtsanierung: rund 2,5 Millionen Euro, hauptsächlich von der Landeskirche getragen. "An manchen Stellen fehlt aber wirklich das Geld. Da brauchen wir noch Unterstützung und hoffen auf unsere Kasseläner, Kasselaner und Kasseler", sagt Pfarrer Dr. Willi Temme abschließend.

+++ EXTRA INFO +++

Die Kasseler Martinskirche

Die älteste Kirche Kassels wurde ab Mitte des 14. Jahrhunderts auf dem höchsten Punkt der mittelalterlichen Stadt Kassel errichtet (vor 1364 begonnen und 1462 geweiht). Im  2. Weltkrieg wurde die gotische Pfarrkirche fast vollständig zerstört und später wieder aufgebaut. Bis 1943 war das Innere der Kirche geprägt durch das große Philipps-Epitaph (Grabmal), das zwar bis heute erhalten ist, jedoch nicht mehr dominant. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die dreischiffige Hallenkirche mehrfach verändert, das letzte Mal vor über 50 Jahren. 1964 wurde eine dreimanualige Orgel mit 57 Registern und weit über 5.000 Pfeifen installiert. Nach dem Umbau des inneren Raums soll bis 2017 auch eine neue Orgel folgen. Bereits im Mittelalter diente die Martinskirche als Bestattungsort. So sind dort Gräber verschiedener Stiftsherren und einige bedeutender Kasseler Bürger nachweisbar.

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