Ist der Islam mörderisch?

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Kassel. Imam Nasir Safeer: "Nichts ist islamisch von dem, was in Syrien, im Irak passiert. Das sind barbarische Menschen."

Kassel. Weltweit wird zur Zeit im "Namen Allahs” gemordet. Lokalo24.de wollte vom Imam der Ahmadiyya-Gemeinde in Kassel wissen, ob das im Sinne des Religionsgründers ist.

Weltweites Entsetzen herrscht, wenn Bilder aus dem Irak über den Bildschirm kommen. Massenmorde an Frauen und Kindern, Vergewaltigungen, Verstümmelungen – Terror-Milizen wollen einen Islamischen Staat aufbauen. Was sagen Sie dazu?

Immam Safeer: Islam bedeutet ganz einfach nur Frieden. Nichts ist islamisch von dem, was in Syrien, im Irak passiert. Das sind barbarische Menschen. Der Islam legt großen Wert auf Mitmenschlichkeit. Kinder umbringen, Gotteshäuser zerstören, hat nichts mit Islam zu tun. Das sind Verbrechen. Mohammed hat gesagt: Wer einen Menschen umbringt, bringt die Menschheit um. Wir haben nicht das Recht, jemanden umzubringen. Diese Mörder müssen mit dem Zorn Gottes rechnen.

Offensichtlich sehen das nicht alle Geistlichen ihrer Religionsrichtung so.

Imam Naseer: Leider ist es so, dass oft Grausamkeiten von sogenannten islamischen Gelehrten gefördert werden. Viele Mullahs, die Verbrechen fördern, sind schlecht ausgebildet und schlecht angesehen. Leider sind viele nach Deutschland gekommen. Sie lehren, dass man durch Mord oder Selbstmord ins Paradies kommt. Doch der Prophet Mohammed hat ausdrücklich gesagt, dass man sich nur verteidigen darf, wenn man angegriffen wird. Man darf weder Kinder, noch Frauen oder Ältere umbringen. Noch einmal: Islam heißt Frieden.

Was kann man gegen diese Hetzer tun?

Imam Naseer: Das ist Sache der Polizei. In vielen Moscheen sind häufig Polizeibeamte, um zu sehen, was dort passiert. Um zu verhindern, dass Jugendliche irregeleitet werden. Auch bei uns waren schon Beamte. Wir freuen uns über die Besuche und sind offen für jeden Dialog. So haben wir auch zum Fastenbrechen viele Gemeinden eingeladen. Gekommen sind Juden und Christen. Von islamischen Gemeinden nur ein einziger Gläubiger.

Ist es friedlich, wenn man Andersgläubige als Ungläubige beschimpft?

Imam Naseer: Im Koran steht: Wenn sich jemand als gläubig bezeichnet, darf ihn niemand als Ungläubigen bezeichnen. Nur Gott hat das Recht. Wir glauben übrigens, dass es nur einen Gott gibt, aber viele Propheten, die Religionen gegründet haben, um Gott zu verehren – egal ob es die Juden, die Christen, der Islam, der Buddhismus oder Hinduismus ist. Wir sind eigentlich alle Brüder.

Ahmadiyya. Was ist das?

Imam Naseer: Es gibt im Islam 73 Richtungen. Eine davon ist die Ahmadiyya. Wir sind noch jung. Wir sind die einzige reformierte Gemeinde. Und Reformation ist wichtig, denn wenn die Distanz zur Religionsgründung zu groß wird, wird vieles verfälscht. Deshalb musste auch die christliche Religion durch Luther reformiert werden.

Gilt das auch für Kleidung? Für Kopfbedeckung?

Imam Naseer: Mohammed hat die Kopfbedeckung für Frauen eingeführt, um sie vor Anmache zu schützen. Damals waren Frauen Spielzeuge, die man auch ungestraft lebendig begraben durfte. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es Ganzkörperburkas zu Zeiten des Proheten gab. Heute tragen wir die Kopfbedeckung aus Respekt vor Allah – während des Gottesdienstes. In Kassel, im täglichen Leben, kann jeder selbst entscheiden, was er tragen will. Gezwungen werden darf niemand.

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