Sensationsfund: 300 Jahre alter Friedhof mit 27 Gruften unter der Karlskirche entdeckt

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Die Kasseler Karlskirche ist derzeit eine Ausgrabungsstätte.
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Die Kasseler Karlskirche ist derzeit eine Ausgrabungsstätte.

Bei Bauarbeiten wurde ein Sensationsfund gemacht: Unter der Karlskirche liegt die Kasseler Oberschicht des 18. Jahrhunderts begraben.

Kassel. 27 Gruften, 40 bestattete Personen aus der Kasseler Oberschicht des 18. Jahrhunderts – als der Baggerführer beim Abtragen des Bodens in der Kasseler Karlskirche auf ein Gemäuer stieß und seine Arbeit unterbrach, hatte er genau den richtigen Riecher. Im Zuge der Sanierungsarbeiten, die derzeit in der Karlskirche stattfinden, wurde ein besonders großer Unterbau aus Grabstätten entdeckt und freigelegt.

„Dass unter einer Kirche einzelne Grabstätten gefunden werden, ist nicht außergewöhnlich. Dass es hier aber gleich 27 sind, hat uns doch sehr überrascht. Ein ganzer Friedhof unter einer Kirche ist eine absolute Seltenheit“, erklärt Inge Böhle, Pfarrerin an der Karlskirche. Noch bevor das Ausmaß des Gruftengewölbes zu erahnen war, wurde Archäologe Dr. Thilo Warneke mit der Untersuchung und Dokumentation der Gräber und Fundamentreste beauftragt. Nach und nach wurde der mit Schutt aufgefüllte, empfindliche Boden der Karlskirche abgetragen und alle 27 Gruften oder deren Reste vorsichtig freigelegt.

Sargreste und Knochen gefunden

Zum Vorschein kamen neben dem steinernen Mauerwerk die Reste zahlreicher Holzsärge und die Gebeine der dort bestatteten Toten. Nur zehn der 27 Kammern sind noch unversehrt und geschlossen. „Und das werden sie auch bleiben. Um die Totenruhe nicht zu stören, werden wir hier keine weiteren Grabungen anstellen“, erklärt der Archäologe. Aus diesem Grund werden die einzelnen Grabstätten den Bestatteten auch nicht genau zuzuordnen sein. Zwischen den Jahren 1714 und 1797 wurden jedoch 40 Bestattungen verzeichnet. „Die Namen auf dieser Liste werden nicht bekanntgegeben. Man kann aber sagen, dass sie fast durchweg adelig sind. Das Begräbnis unter der Kirche war schließlich sehr teuer und konnte nur von der Oberschicht bezahlt werden“, erklärt Dr. Thilo Warneke.

Zuzuordnen ist nur das Grab des 1758 in der Schlacht von Sandershausen gefallenen Achilles von Broglio. Und auch die im Alter von drei Jahren verstorbene Tochter des Italienischen Baumeisters Giovanni Francesco Guerniero liegt unter der Karlskirche begraben. Guerniero kam Anfang des 18. Jahrhunderts nach Kassel, um für Landgraf Karl das Herkules-Bauwerk im Bergpark zu verwirklichen. Das Grab seiner Tochter dürfte das älteste der 27 Grabstätten sein.

Sanierung muss neu geplant werden

Doch wie geht es nach diesem sagenhaften Fund nun weiter für die Kasseler Karlskirche? „Die Grabstätten sollen selbstverständlich erhalten und möglichst unversehrt bleiben. So mussten wir um-planen“, erklärt Dr. Hans Helmut Horn, Vorsitzender der evangelischen Kirchengemeinde Kassel-Mitte. Statt einer Erneuerung des Steinfußbodens in der Kirche, soll eine Trägerkonstruktion gebaut werden, die den unterirdischen Friedhof leichter zugänglich macht – sowohl für die Besucher der Kirche als auch für spätere Nachforschungen.

Wie genau das aussehen wird, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch schon jetzt: Die archäologische Arbeit und die Umplanungen werden teuer. „Wir hoffen daher auf die Unterstützung der Bevölkerung, die letztendlich auch etwas von diesem besonderen Fund haben wird“, so Horn. „Er strahlt über unsere Kirchengemeinde hinaus.“

Besichtigungstermine

Wer sich die Grabanlagen in der Kasseler Karlskirche mit eigenen Augen ansehen möchte, muss sich beeilen. Für Besichtigungen ist die Karlskirche nur für einen kurzen Zeitraum geöffnet, da danach die Bauarbeiten weitergehen müssen. Besichtigungstermine sind am Samstag, 14. Juli, von 10 bis 12.30 Uhr, am Montag, 16. Juli, von 16 bis 18 Uhr und am Dienstag, 17. Juli, von 16 bis 18 Uhr. Die Kirche ist derzeit nur von der Rückseite an der Frankfurter Straße zugänglich.

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