40 Jahre Kiosk: Warum diese Frau ihren Job liebt

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Kassel. Seit dem 1974 betreibt Brigitte Fedorow den kleinen Kiosk in der Arnimstraße. Sie liebt ihren Job zwischen Schnucke und Herzschmerz.

Kassel. Am Tresen von Brigitte Fedorow gilt es, Entscheidungen zu treffen. Am Donnerstagnachmittag lautet die Frage: "Drei Fragezeichen”-Heft oder ein Wasser-Eis. Vier Euro haben die beiden Jungen. "Das reicht nicht”, sagt Brigitte Fedorow.  Die Zeitschrift bleibt da, dafür gibt es zwei Eis. Und zwei halbwegs versöhnte Sechsjährige. "Die kommen morgen wieder”, sagt sie und sortiert die Cent-Stücke in die Kasse.

Viermal überfallen...und trotzdem weitergemacht

Seit dem 1. November 1974 steht Brigitte Fedorow in dem kleinen Kiosk in der Arnimstraße. 24 Jahre war sie alt, als  sie das Geschäft von einem Arbeitskollegen ihres Mannes übernahm. Ein, zwei Jahre ein bisschen Geld verdienen, dachte sie sich. Heute, nach 40 Jahren, steht sie immer noch täglich von 8 bis 20 Uhr hinter der Scheibe; nur sonntags bleibt der Kiosk geschlossen. "Andere Leute haben montags keine Lust zur Arbeit zu gehen. Das kenne ich nicht”, sagt Brigitte Fedorow.Viermal ist sie in ihrem Kiosk überfallen worden, dreimal wurde sie mit einer Waffe bedroht Ans Aufhören hat sie trotzdem nie gedacht. "Ich lass mich doch von solchen Leuten nicht einschüchtern”.

Brigitte Fedorow liebt ihren Job, vor allem wegen der Menschen.  Fast 80 Prozent sind Stammkunden,  die dem Kiosk seit Jahrzehnten treu sind. So wie Hans-Dieter Heim, genannt "Heimchen”, der direkt um die Ecke wohnt.  Oder Günter Weißenstein, der in Ahnatal lebt, aber trotzdem einmal pro Woche vorbeischaut. "Zum Lottospielen und Schnuddeln”, sagt er. Brigitte Fedorow hat nicht nur für ihn ein offenes Ohr. Viele Kunden erzählen ihr von ihren Sorgen, von Herzschmerz und Gesundheitsproblemen. "Hier erfährt man alles. Auch wann die nächste Magenspiegelung ansteht”, sagt die 64-Jährige und lacht.

Konkurrenz durch Tankstellen und Supermärkte

In 40 Jahren Kiosk hat sich vieles verändert. Am Anfang gab es nur Tabakwaren, Getränke und Zeitschriften, später kamen auch Fahrtenverkauf und Lotto hinzu. "Technisch ist es ziemlich anspruchsvoll geworden. Alles geht mit Computer, da ändert sich dauernd was”, sagt Brigitte Fedorow. Um gegen Tankstellen und Supermärkte mit immer längeren Öffnungszeiten zu bestehen, sei es wichtig, am Puls der Zeit zu bleiben. Deshalb verkauft sie auf ihren 25-Quadratmetern nicht nur Kiosk-Klassiker wie Bier, Wein, Chips, Bockwurst in der Konserve oder Zigaretten, sondern auch frische Backwaren, Eier und Kaffee aus einem Profi-Vollautomaten.

Bei manchen Dingen scheint die Zeit allerdings stehengeblieben: Die Haribo-Schnucke ist noch heute der Renner. Nicht nur Kinder, auch Erwachsene lassen sich von Brigitte Fedorow ein Tütchen mit Schaumbananen, sauren Schnüren und weißen Mäusen füllen. "Ich wollte es abschaffen, aber da gab es Proteste”, sagt sie und lacht.   Ende 2015 könnte Brigitte Fedorow in Rente gehen. Noch hat sie darauf keine Lust. Obwohl sie im Sommer gerne mal draußen wäre, anstatt in ihrem 25-Quadratmeter- Reich zu stehen. Doch auch das hat sein Gutes, sagt sie. "Ich war nie viel an der Sonne. Vielleicht habe ich mich deshalb so gut gehalten”.

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