125 Jahre Wintershall: In Kassel daheim, in der Welt zu Hause

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„Wir nehmen Veränderungen und Herausforderungen an und haben den Mut, neue Wege zu gehen“, sagte Mario Mehren (Vorstandsvorsitzender Wintershall Dea, re.). Hans-Ulrich Engel (Aufsichtsratsvorsitzender von Wintershall Dea und BASF-Finanzvorstand), Sigmar Gabriel (ehem. Umwelt-, Außen- und Wirtschaftsminister) und Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (v.li.) lobten in ihren Ansprachen die Erfolgsgeschichte des Unternehmens Wintershall.

Mit einem Festakt in der documenta-Halle in Kassel feierte Wintershall sein 125jähriges Bestehen. Als frisch fusionierte Wintershall Dea wird im kommenden Jahr der Börsengang angepeilt.

Kassel. Goldflitter in den Gläsern beim Sektempfang, golden die Deko in der festlich geschmückten documenta-Halle, Goldgräberstimmung im Rückblick auf die Anfänge, Gold in der Kehle der Sängerinnen und Sänger, die dem „Steiger-Lied“ vom Bergmanns-Orchester einen modernen Touch gaben – golden die Zukunft des Öl- und Gashändlers Wintershall Dea beim angestrebten Börsengang?

Doch nicht alles glänzt bei der festlichen Gala: Wintershall Dea-Vorstand Mario Mehren beleuchtet vor 400 geladenen Gästen auch das dunkelste Kapitel der (Firmen-)geschichte: Zwangsarbeit, Ausbeutung von Erdölvorkommen in den angeschlossenen und besetzten Gebieten und Rüstungsbeteiligung in der Zeit des Nationalsozialismus.

„Die Wintershall Dea GmbH gehört ohne Zweifel zu den bedeutendsten Unternehmen und wichtigsten Arbeitgebern in Kassel“, betonten (v.li.) Volker Zeidler (Stadtverordnetenvorsteher), Bürgermeisterin Ilona Friedrich und Markus Exner (Geschäftsführer von Pro Nordhessen e. V.).

Die kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit fand ebenso viel Beifall wie der Blick in die Zukunft: „Pünktlich zum Geburtstag schlagen wir also ein neues Kapitel auf. Die Geschichte ist lange noch nicht abgeschlossen“, sagte Mario Mehren beim großen Festakt zum Abschluss des Jubiläumsjahrs.

Bereits Anfang des Jahres hatte die Dea Deutsche Erdöl AG ihr 120-jähriges Jubiläum in Hamburg gefeiert. Im Mai dieses Jahres sind die beiden deutschen Traditionsunternehmen zu Wintershall Dea fusioniert, Europas führendem unabhängigen Gas-und Ölunternehmen.

Hans-Ulrich Engel, Aufsichtsratsvorsitzender von Wintershall Dea und BASF-Finanzvorstand, sagte in seinem Grußwort: „Bei Wintershall hat Veränderung Tradition. Der Mut, immer wieder vertraute Pfade zu verlassen, auf die aktuelle Marktsituation zu reagieren, Herausforderungen als Chancen zu sehen und als Chancen zu nutzen – das macht ein erfolgreiches Unternehmen aus! Genau das konnte Wintershall. Und genau das kann auch Wintershall Dea. Wintershall Dea hat viel erreicht – und noch viel vor.“

Die ehemaligen Wintershall-Vorstände waren der Einladung gerne gefolgt und haben an der Erfolgsgeschichte mitgeschrieben: (v.li.) Dr. Gerhard König, Bernhard Schmidt, Dr. Ties Tiessen und Rainer Seele.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier erinnerte an die Skepsis vor der Fusion, gerade als es um die Frage des künftigen Standorts ging. „Eine wunderbare nordhessische Erfolgsgeschichte, die auch zeigt: Die Entscheidung für Hessen ist immer eine gute. Ich bin mir sicher, dass das Unternehmen in seiner Erfolgsgeschichte noch viele weitere Kapitel hinzufügen wird. “

Jürgen Truß und  Bernhard Weiß vom Team der Zeltkultur Kassel überbrachten Glückwünsche vom Musikfestival an der Drahtbrücke.

Einen Blick auf die globalen Themen sowie die Herausforderungen, die sich Europa aktuell stellen, beleuchtete Sigmar Gabriel in seiner Festrede „Europas Zukunft in unruhigen Zeiten“. Für Europas führenden unabhängigen Gas- und Ölproduzenten Wintershall Dea gab der ehemalige Umwelt-, Außen- und Wirtschaftsminister relevante Anregungen für die künftige Ausrichtung. „Wintershall Dea hat eine deutsche Geschichte und eine europäische Zukunft – als ein dynamischer internationaler Player, der Brücken bauen kann“, so Gabriel in seiner Ansprache.

Brücken zwischen gestern und heute: Thilo Wieland (Vorstandsmitglied Wintershall Dea, li.) und Reinier Zwitserloot (ehemaliger Wintershall Vorstandsvorsitzender).

Übrigens: Die Erfolgsgeschichte der Wintershall (aus dem Gründernamen Carl Julius Winter und dem alten deutschen Wort „Hall“ für Salz) basiert auf einem Zufall: Ursprünglich wurde das Unternehmen gegründet, um Kalisalz zu fördern, das als Düngemittel diente. Eine ganz neue Richtung nahm das Unternehmen dann durch einen Zufall: ein Erdöleinbruch in einer benachbarten Kaligrube im Jahr 1930. Hier tat sich ein neues Geschäftsfeld auf, da die Kalisalzproduktion durch die Weltwirtschaftskrise eingebrochen war. Dieser Ölfund und die Nähe von Kalisalz und Erdöl war eine Chance, die Wintershall nutzte.

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