1. lokalo24
  2. Lokales
  3. Kassel

Mieterbund Nordhessen sagt: „Ziel nicht erreicht“

Erstellt:

Von: Karsten Knödl

Kommentare

Martin-Tor Kassel Abbau Kran
„Ob 400.000 Wohnungen im Bund oder 3.000 neue Wohnungen in Kassel – beides wird nicht realisierbar sein“, meint Harald Kühlborn; Vorsitzender des Mieterbundes Nordhessen. © Karsten Socher

Jahresrückblick des Mieterbundes Nordhessen: „3.000 Neue Wohnungen, das schafft Kassel nicht - da ist mehr Realitätssinn notwendig“

Kassel „Die aktuelle Situation am Wohnungsmarkt macht es dringend notwendig, sich von zu ambitionierten Zielen zu verabschieden und mehr Realitätssinn zu entwickeln“, fordert der Vorsitzende des Mieterbundes Nordhessen, Harald Kühlborn ein Umdenken.

„Ob 400.000 Wohnungen im Bund oder 3.000 neue Wohnungen in Kassel – beides wird nicht realisierbar sein“, blickt Kühlborn kritisch auf die Pläne der jeweiligen Koalitionen in Bund und in der Stadt. Die Stadt habe ihr eigenes Ziel, 900 Wohneinheiten pro Jahr, in der Vergangenheit nicht erreichen können und im Bund werde man wohl die Zahl von 240.000 neuen Wohnungen nicht übertreffen. „Das ist die Realität und auch kein Vorwurf an die Stadt oder die Wohnungsbauministerin – die steigenden Kosten, der Fachkräftemangel in der Bauwirtschaft und die höheren Zinsen bremsen bereits jetzt viele Bauvorhaben aus“, so Kühlborn weiter. Und diese Situation werde sich im Laufe des Jahres 2023 und sicher auch noch 2024 weiter verschlimmern.

„Deshalb müssen auch wir unsere Forderungen nach zusätzlichem Wohnraum einem Realitätscheck unterziehen“, gibt sich der Mieterbunds-Vorsitzende selbstkritisch. Gefragt seien kreative Lösungen im Bestand wie das geplante „begrünte Hochhaus“ an der Bürgermeister-Brunner-Straße oder die Aufstockung eines Lebensmittelmarkts in Oberzwehren. Richtig sei auch, dass die Stadt Kassel im vorgelegten Wohnraumversorgungskonzept „endlich das Thema Leerstand“ aufgegriffen habe. Kühlborn: „Zwar sind die konkreten Maßnahmen hier durchaus noch etwas wolkig formuliert, aber immerhin wird hier eine langjährige Forderung von uns aufgegriffen“.

Positiv wertet Kühlborn auch den regelmäßigen Austausch mit den Städtischen Werken und der Kasseler Wohnungswirtschaft unter der Federführung von Stadtbaurat Christof Nolda und Bürgermeisterin Ilona Friedrich, an der auch der Mieterbund teilnimmt.

„Hier zeigt sich, dass man aktuelle Problemlagen und Herausforderungen aufgrund der vielfältigen Gesetzgebungsinitiativen auf Bundesebene vor Ort im Gespräch diskutieren und daraus auch Handlungsmöglichkeiten entwickeln kann“, so der Mieterbunds-Vorsitzende weiter.

Aktuell werde in vielen Fällen der schnellere Ausbau der Fernwärme als Lösung gesehen. Kühlborn: „Fernwärme verringert die Abhängigkeit vom russischen Gas auf jeden Fall – die Mieter, die aktuell bereits mit Fernwärme versorgt werden und ihre Abrechnung für das Jahr 2021 und damit vor dem russischen Angriffskrieg mit Verdopplung ihrer Heizkosten, erhalten haben, werden da sicherlich anderer Meinung sein“. In den letzten Wochen seien eine ganze Reihe solcher starken Erhöhungen in der Beratung des Mieterbundes aufgetaucht. „Woher hier die stark gestiegenen Preise kommen, ist auch für uns ein Rätsel“, wundert sich Kühlborn.

Böse Überraschungen werde es sicher, trotz angepasster Vorauszahlungen, auch bei den Nebenkostenabrechnungen für 2022 geben. Auch für die Folgejahre werden die Nebenkosten auf einem hohen Niveau bleiben, ist sich Kühlborn sicher.

Deshalb sei es dringend geboten, bei der Bruttokaltmiete nicht jede Möglichkeit der Mieterhöhung auszureizen. Die Rechtsanwälte, die für den Mieterbund beraten und die Geschäftsstelle richten sich auf ein heißes Frühjahr mit hohem Beratungsbedarf ein.

Der Mieterbund Nordhessen werde sich auch 2023 wieder für die Rechte von Mieterinnen und Mietern einsetzen und die hohe Beratungsqualität weiter ausbauen. Kühlborn: „Und wir werden keine Beitragserhöhung für dieses Jahr umsetzen – mit 45 Euro im Jahr ist und bleiben wir eine der günstigsten Mieterbünde deutschlandweit“.

Auch interessant

Kommentare