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Jamaika-Koalition lehnt Geselle-Plan für eine neue städtische Eishalle ab

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Ausbau der bestehenden Eishalle statt Neubau.
Ausbau der bestehenden Eishalle statt Neubau.  © Archiv/Harry Soremski

Harmonische Gesamtlösung statt eines teuren Alleingangs

Kassel Nicht nur Eishockey-Fans fragen sich, was aus den Plänen einer zweiten Eishalle in Kassel wird. Nach monatelanger Verzögerung soll am kommenden Montag, 12. Dezember, die Stadtverordnetenversammlung eine endgültige Entscheidung darüber treffen, ob auf dem Gelände „Am Sportzentrum“ eine städtische Eishalle gebaut wird. Angesichts der neuen Mehrheitsverhältnisse dürfte daraus aber nichts werden. Denn die entstehende Jamaika-Koalition hat in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, den Bebauungsplan für die Eissporthalle abzulehnen. Grüne, CDU und FDP werden mit ihrer Mehrheit voraussichtlich das Projekt beenden, das Oberbürgermeister Christian Geselle 2020 nahezu im Alleingang angestoßen hatte.

Bereits damals wurde Kritik aus der Stadtgesellschaft laut. So warb Paul Sinizin dafür, die von ihm betriebene Halle um neue Eisflächen zu erweitern. Auch der Geschäftsführer der Kassel Huskies, Joe Gibbs, sprach sich für einen Ausbau der bestehenden Halle aus. Sowohl die Huskies als auch der Amateur- und Freizeitsport hätten sich unter einem gemeinsamen Dach wiedergefunden. Doch Oberbürgermeister Christian Geselle beendete nach Angaben von Beteiligten die Gespräche und strebe seitdem ein eigenes Bauprojekt an, dessen Kosten auf das Fünffache im Vergleich zur Erweiterung der Huskies-Halle geschätzt wurden. War anfangs von einem Neubau auf dem Parkplatz in Nachbarschaft zur bestehenden Eissporthalle die Rede, rückte dann das Sportplatz-Areal in den Fokus. Seit 2020 sind die Baukosten jedoch stark gestiegen, weshalb auch Stadtbaurat Christof Nolda zur Jahresmitte die städtische Eishalle infrage gestellt hat.

Nun könnte aus der Erweiterung der bestehenden Eishalle am Auestadion durch private Investoren bzw. einer neuen Multifunktionshalle in Kassel doch noch etwas werden, da die neue Jamaika-Koalition dies unterstützen will. Der EXTRA TIP hat bei den neuen Koalitionären nachgefragt, wie sie dazu stehen.

„Wir wollen, dass alle Beteiligten wieder an einen Tisch kommen und gemeinsam die besten Lösungen für den Kasseler Eissport finden“, so Christine Hesse und Steffen Müller, die Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Kasseler Rathaus. Christian Geselles Pläne für den Standort ,Am Sportpark‘ seien bereits an den Kosten gescheitert. „Es gibt keinen Grund, an dieser Stelle jetzt Baurecht für ein Projekt ohne Plan zu schaffen, zumal es zahlreiche Argumente gegen diesen Standort gibt. Er liegt in einer Frischluftschneise, Synergieffekte zur bestehenden Eishalle gibt es kaum und es werden andere Sportangebote verdrängt. Deswegen ist es gut, dass wir im neuen Koalitionsvertrag nun vereinbaren konnten, diesen Bebauungsplan abzulehnen und stattdessen aktive städtische Unterstützung mit dem Ziel des privaten Bauens und Betreibens einer Multifunktionshalle zu betreiben.“

Zum Bebauungsplan einer zweiten Eishalle erklärt der FDP-Fraktionsvorsitzende Matthias Nölke: „Die FDP lehnt eine zweite Eishalle auf Steuerzahlerkosten seit den ersten Plänen 2020 ab. Dieser geplante Alleingang ist finanziell und energetisch irrsinnig und wird deshalb mit Jamaika-Mehrheit beendet. Zur Förderung des Eissports sollte die Stadt stattdessen endlich wieder das Gespräch mit den Kassel Huskies und privaten Investoren suchen, um eine Erweiterung der bestehenden Eishalle anzugehen. Zusätzliche Eisflächen, Dachbegrünung und Photovoltaik, ein neues Parkhaus und die Integration eines Fernbusbahnhofs für bequeme An- und Abreisen könnten eine harmonische Gesamtlösung für den Standort Auestadion bieten. Durch eine mögliche Multifunktionshalle würde auch Kassels Attraktivität für große Musik- und Kulturevents deutlich steigen. Am Ende würden alle profitieren: Leistungs- und Breitensport, Kunst und Kultur sowie die Steuerzahler.“

Eine Multifunktionshalle besitzt auch bei den Christdemokraten weiterhin hohe Priorität. „Kassel braucht eine solche Halle, damit unsere Stadt von den großen Konzert- und Eventveranstaltern nicht noch mehr links liegen gelassen wird“, so Eva Kühne-Hörmann, Oberbürgermeisterkandidatin der CDU. „Christian Geselle hat in den sechs Jahren seiner Amtszeit in Sachen Hallen nichts hinbekommen, auch nicht, als das Rot-Grüne-Bündnis noch die Mehrheit hatte. Weder bei der Eishalle, noch bei einer Multifunktionshalle, ich erinnere nur an das leidige Thema Salzmann-Areal“. Die CDU stehe grundsätzlich für eine zweite Eisfläche, für die es allerdings politisch keine Mehrheiten gegeben hätte und gegenwärtig auch nicht gibt. CDU, Grüne und FDP haben in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, den Bebauungsplan für die Eissporthalle abzulehnen, woran man sich „selbstverständlich“ halten werde. Eva Kühne-Hörmann: „Wir tun jetzt erst einmal das, was machbar ist und nutzen als CDU die Chance, die Realisierung einer möglichen Multifunktionshalle wieder voran zu bringen.“

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