Jedem Förster sein Wolf

Archivfoto: Quibeldey/nh
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Archivfoto: Quibeldey/nh

Kassel. Bären, Wölfe, Luchse, ja sogar Elche tauchen auf einmal wieder in den Wäldern der dicht besiedelten deutschen Lande auf.

Hochverehrte Grünröcke,

mit viel Einsatz seid Ihr in Nordhessens riesigen Wäldern unterwegs. Ihr schützt die Bäume, wo Ihr könnt und kümmert Euch auch hingebungsvoll um die tierischen Waldbewohner.

Nach Euren eigenen Maßstäben seid Ihr dabei oft erfolgreich. Bären, Wölfe, Luchse, ja sogar Elche tauchen auf einmal wieder in den Wäldern der dicht besiedelten deutschen Lande auf. Auch Schwarzstörche und Rotmilane fühlen sich wieder heimisch.

Um das zu erreichen, habt Ihr in den letzten Jahren alles getan. Ich habe selbst einmal zu meinem großen Erschrecken gehört, wie Touristen, die ökologisch einwandfrei den Wald betreten wollten, als Ökoterroristen beschimpft wurden.

Und jetzt kommt da ein Hobbylandwirt daher und betrauert in St. Ottilien den Tod seiner vier Schafe.

"Die hat der Luchs gerissen", ist sich der Mann sicher, der obendrein als Jäger festgestellt haben will, dass sein Revier seit der Ankunft der Luchse rotwildfrei geworden ist. Der Luchsbeauftragte von Hessen-Forst ist natürlich der Ansicht, dass die lieben Tierchen völlig unschuldig am Tod der Schafe sind. Drei erwachsene Luchse und drei Jungtiere leben aktuell im Söhrewald. Doch die sollen, laut Luchsbeauftragtem, erst dann zum Schaf greifen, wenn ihnen die Rehe ausgehen. Was also stand an diesem Abend auf der Speisekarte der Pinselohren?

Erst eine DNA-Analyse hätte beweisen können, ob Bauer oder Luchsbeauftragter recht hatten. Ob Luchse oder wilde Hunde die Schafe gerissen haben, die teilweise mit heraushängenden Eingeweiden auf der Wiese gestanden haben. Zu spät. die Tiere wurden entsorgt.

Doch egal, wer Recht hat. Die Diskussion ist wieder aufgeflammt, ob denn unbedingt im dicht besiedelten Deutschland Raubtiere wieder angesiedelt werden müssen.

Schuld daran sind nicht nur Bauern und Jäger, die entweder ihre Schafe schützen oder ihre Rehe selber schießen wollen.

Schuld daran sind auch Förster und sogenannte Tierschützer, die mit aller Gewalt diese Raubtiere wieder in unseren Bereich holen wollen. Dabei werden die Bedürfnisse der Menschen in der Region, die auch gern in "ihren" Wald gehen wollen, zum Teil sträflich oder verächtlich missachtet.

Wohin das führt, kann man bei der Königsalm in Nieste bewundern, die der Forstbetrieb gern verhindern wollte. Heute führen parallel zwei asphaltierte Wege zur Alm, weil Hessen-Forst für "seinen" Weg nach Art mittelalterlicher Doudezfürsten Wegezoll kassieren wollte. Schilda lässt grüßen! Hier musste übrigens irgendein gefiederter Freund für den Verhinderungsversuch herhalten. Gott sei Dank vergeblich.

Mit luchsuriösen Grüßen

Rainer Hahne

Chefredakteur

P.s. Nie waren rote Milane so beliebt wie heute, denn sie werden gern zur Verhinderung von Windmühlen heran gezogen.

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