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Jetzt kommen die Silver Surfer

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Von: Karsten Knödl

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Schickte ihrer Enkeltochter Janine (li.) zum Geburtstag eine Glückwunsch-E-Mail: Gisela Bossecker (95). © Knödl

95-jährige Gisela Bossecker will im Altenheim auf Internet nicht verzichten

Kassel. „Na dann wünsche ich Euch beiden noch einen schönen Tag“, sagt Elke Bossecker und winkt noch kurz, bevor sie auf dem iPad verschwindet, das Gisela Bossecker in der Hand hält. Die 95-Jährige sitzt in ihrem Zimmer im Käthe-Richter-Haus, einem Seniorenheim im Kasseler Auefeld und neben ihr steht Enkeltochter Janine. Gerade hat Gisela Bossecker mit ihrer in Gießen lebenden Tochter Elke kommuniziert... via Facetime.

Seit einigen Monaten lebt die rüstige Rentnerin im Käthe-Richter-Haus, ist vom benachbarten Stadtteil Niederzwehren ins Auefeld gezogen. Und in dem AWO-Altenzentrum hat sie sich bislang keine einzige Sekunde gelangweilt. Das liegt aber nicht nur daran, dass es im Käthe-Richter-Haus ein vielfältiges Freizeitangebot gibt. Sondern es liegt vor allem auch daran, dass Gisela Bossecker eine hohe Internet-Affinität hat. Sie schreibt E-Mails, chattet über Facetime oder sie spielt online. „Vor ein paar Jahren habe ich angefangen, mich dafür zu interessieren und ich begann, mich damit zu beschäftigen“, erzählt Gisela Bossecker, „jetzt möchte ich nicht mehr darauf verzichten.

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Regelmäßig bekommt Gisela Bossecker auch Fotos von ihrer in Gießen lebenden Tochter Elke zugemailt. © Knödl

Dass das Käthe-Richter-Haus dafür die technischen Voraussetzungen bietet, war für sie ein Grund dorthin zu ziehen. Einrichtungsleiter Gerald Fischer erzählt: „Vor rund vier Jahren, als hier eine neue Telefonanlage installiert werden musste, stand die AWO vor der Frage: Mit Option für WLAN für alle Bewohner oder ohne? Und man hat sich seinerzeit dafür entschieden.“

Eine goldrichtige Entscheidung, wie sich heute zeigt. Denn immer mehr Senioren fragen WLAN nach. Aktuell sind es zwar „nur“ sieben der rund 100 Senioren, die im Käthe-Richter Haus leben und die WLAN gebucht haben. „Die Tendenz ist aber steigend“, so Fischer und man sei ja nunmehr für die Zukunft gerüstet.

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AWO-Einrichtungsleiter Gerald Fischer: „Bislang haben wir bei uns zwar ‘nur‘ sieben Senioren, die WLAN gebucht haben. Die Tendenz ist aber steigend.“ © Knödl

Wer in dem Seniorenheim in der Eberhardt-Wildermuth-Straße einen Telefonanschluss haben möchte, zahlt 25 Cent am Tag, für das WLAN-Ticket kommen nochmal 10 Euro im Monat dazu. „Das ist aber jeden Cent wert“, bekräftigt Gisela Bossecker, „es macht einfach Spaß.“ Und sie erzählt: „Kürzlich hatten wir hier im Käthe-Richter-Haus einen Kurzpflegegast – Rosemarie Fischer. Eine Dame, mit der ich mich sehr gut verstanden habe und die meine Internet-Leidenschaft geteilt hat. Wir haben beispielsweise über Airdrop immer Fotos ausgetauscht.“ Auch das Tagesgeschehen verfolge sie über ihr Tablet. „Nachrichten lese ich online“, so Bossecker.

Die beiden Seniorinnen waren sogar der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Bild eine Story wert. „Die (inter)netten alten Damen“ titelte Deutschlands Boulevard-Zeitung Nummer 1 über die beiden Kasseler Seniorinnen.

Und Enkeltochter Janine ergänzt schmunzelnd: „Vor kurzem hatte ich Geburtstag. Und ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich Glückwünsche von Oma bekam – die kamen per E-Mail.“

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