Jubel, Trubel, Traurigkeit

Archivfoto: Soremski
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Archivfoto: Soremski

Briefwechsel. Chefredakteur Rainer Hahne wendet sich an Landrat Uwe Schmidt und Oberbürgermeister Bertram Hilgen.

Sehr geehrter Landrat Uwe Schmidt, sehr geehrter Oberbürgermeister Bertram Hilgen,

Montag war ich mal ausgesprochen vergnügungssüchtig und habe nacheinander die Tagung zweier Arbeitskreise des Kreistages im Flughafen Kassel-Calden und anschließend eine Sitzung des Stadtparlaments in Kassel besucht.

Ich wurde mitten in der Karnevalszeit nicht enttäuscht. Es war schon im Flughafen spannend zu sehen, wie wenig Ahnung von Flughäfen und vom Luftverkehr die meisten Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses und des Wirtschaftsausschusses des Kreises haben.

Besonders imponiert mit ihren Fragen hat mir Steffi Weinert, die eine Spitzenposition einnahm. Nein, ich meine nicht die als Fraktionsvorsitzende der Grünen – ohne überhaupt in der Partei zu sein. Nein, die Ahnungslosigkeit hat mich fasziniert.

Auch ihr Bekenntnis, dass sie sich erst ein Urlaubsziel aussuche und dann einen passenden Flughafen, der das Ziel auch anbietet, hat mich überrascht. Irgendwie habe ich immer geglaubt, dass Leute, die sich so gegen einen Flughafen einsetzen, niemals ein Flugzeug besteigen und "rücksichtslos" über die Köpfe anderer in Urlaub fliegen. Hochinteressant, Frau Weinert. Weiter so!

Da braucht man starke Nerven, lieber Herr Landrat.

Weitaus lebhafter war es anschließend in der närrischen Stadtverordnetensitzung in Kassel. Ach nein, es war ja gar keine. Es war eine ganz normale. Nachdem alle Parteien nacheinander "in der Bütt" waren und zum Thema Eichendorff-Schule den jeweils anderen so richtig Zunder gegeben hatten, hätte ein Orts-unkundiger, der aus Versehen in den Ratssaal geraten wäre, mit Sicherheit angenommen, dass da nur Vollpfosten rumschreien und sich gegenseitig zum Affen machen.

Dabei war es nur ein ganz unrühmlicher Abschluss des Kapitels Eichendorff-Schule. Gewinner gibt es da keine, wohin man auch schaut. Schleichend kam der Niedergang einer Schule, die einst sogar vom Club of Rome für ihre Arbeit ausgezeichnet worden war.

Es folgte die Abstimmung mit den Füßen. Die Eltern meldeten die immer weniger werdenden Kinder in der Stadt bei Gymnasien an. Zuletzt bestand der ganze Jahrgang aus 24 Kindern.

Alle Versuche, die Schule zu retten, scheiterten. Dies alles der Sozialdezernentin in die Schule zu schieben und eine "Dolchstoß-Legende" zu zimmern, war der unwürdige und unrühmliche letzte Vorstoß von Leuten, die selbst nichts getan hatten.

Mit schulischen Grüßen

Rainer Hahne

Chefredakteur

P.s. Imponiert hat mir Herr Saygin vom Ausländerbeirat, der selbstkritisch und traurig seine eigenen Aktivitäten analysiert hat und traurig zu dem Schluss kam: "Wir hätten wohl früher etwas machen müssen. Jetzt ist es zu spät." Zu spät für einige Kinder im Stadtteil, die hier eine Chance bekommen hätten.

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